Der Tag beginnt

Tag 1151. Es ist Zeit zum Aufstehen! Es ist noch früh. Ich trabe so vor mich hin. Der Mond scheint. Der Morgen bricht an. Die Sonne geht auf. Die Sonne scheint. Das Wasser des Sees kühlt. Ich laufe die Hügel hinauf und hinab. Ich bin allein unterwegs. Ich treffe keine Menschenseele. Ich tauche in den See. Der See ist grün. Das Wasser riecht frisch und sauber. Ich kraule langsam, aber kräftig. Eine Ente fliegt über mich dahin. Beinahe streift sie meinen Kopf mit ihren Füssen. Wieder an Land teile ich mein Brot mit der Ente. Ich laufe nach Hause. Wir frühstücken. Der Tag beginnt.

Am Sonntag (Tag 1145) und Montag (1146) lief ich nur kurz.

Am Dienstag (Tag 1147) lief ich zum See (18 km), um eine Runde zu schwimmen. Für den Tag war Gewitter und Regen angekündigt. Stattdessen war die Luft schwül und ein heißer Wind fegte über das Land. Eigentlich ein Wetter, bei dem ich Schwierigkeiten beim Atmen erwartet hätte. Aber dem war nicht so. Es lief gut. Ich schwamm eine größere Runde. Das Wasser war angenehm kühl (20 °C). Auf dem Heimweg dauerte es eine ganze Weile, bis ich wieder durch und durch warm war. Zu Hause angekommen, genoss ich meinen leicht angemüdeten Körper. Eine tiefe Entspannung begleitete mich durch den Tag.

Am Mittwoch (Tag 1148) saß mir das Schwimmen noch in den Muskeln und ich entschied mich kurzfristig für einen kleinen Erholungslauf im Park.

Am Donnerstag (Tag 1149) lockte mich die Kühle des Morgens auf meinen See-Plus-Schwimmen-Lauf (19 km). Allerdings nicht in der frühesten Frühe sondern etwas später. In der Nacht hatte es geregnet. Ich freute mich auf einen frischen Morgen mit sauberer Luft. Freundlicherweise empfingen mich aber Damen und Herren mit Laubbläsern, die den vom Regen niedergewaschenen Staub mit Blattwerk und Hundescheisse emsig aufwirbelten. Bald ließ ich die Stadt hinter mir. Am See stand ein Angler strahlend auf dem Weg. Er posierte vor älteren Damen und ließ sich fotografieren. Er hielt vor sich einen frisch gefangenen Hecht, der ca. einen Meter lang war. Vielleicht ist die früheste Frühe doch schöner? Während ich im See schwamm, fischte der Graureiher einen kleineren Fisch aus dem See. Nach dem Schwimmen wartete meine Ente schon auf mich. Ich teilte mit ihr mein Brot und lief wieder nach Hause. Seit Mai bin ich mit dem heutigen Tag schon dreißig Mal im See geschwommen.

Am Freitag (Tag 1150) bin ich wieder kurz gelaufen.

Heute, am Samstag (Tag 1151) bin ich erst kurz nach Sonnenaufgang in die Welt hinausgetrabt (19 km). Auf dem Weg zum See ist mir eine hellbraune Maus mit schwarzem Streifen auf dem Rücken über den Weg gelaufen. Im See bin ich eine halbe Stunde lang in die eine Richtung und dann wieder eine halbe Stunde lang in die andere Richtung geschwommen. Es fühlte sich so herrlich an. Als ich aus dem Wasser gestiegen war, kam ich mit einer Dame ins Gespräch. Sie schwor auf Sport als Lebenselixier. Das ließ ich mir gern erzählen. Diese Woche bekam ich richtig gut Luft. Ich musste nur sehr auf das Ausatmen achten. Das ist zwar nervig, aber so entsteht keine Atemnot.

Ich wünsche aktive Sommerferien!

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Traumzeit

Tag 1144. Das morgendliche Laufen und das Schwimmen im See ist wie eine Zwiesprache mit dem Universum. Die Freundlichkeit scheint mich in den verschiedensten Gestalten, sei es einem Baum, einem Grashalm, einer kleinen Blüte, umarmen zu wollen. Es gibt keine Hektik, keine Pläne, keinen Zwang. Die meisten Betten wärmen noch ihren Menschen. Die leichte Trance, die mir morgens bleibt, wenn ich mich allzu früh Morpheus Armen entwunden habe, umfängt mich wohlig. Ich glaube mich in der wunderbaren Welt aus Dostojewskis „Traum eines lächerlichen Menschen“ zu befinden. Eine zuversichtliche Arglosigkeit, die voll kindlichem Vertrauen auf die Welt blickt, erfüllt mich. Kein Neid, kein Hass und keine Feindseligkeit erschüttern meinen Seelenfrieden. Nicht einmal die kleinste Gehässigkeit hat einen Raum. Auch Wissenschaft und Wettbewerb schlafen noch. Die Einfachheit des Daseins im Moment lässt das Glück wie einen wunderbaren Duft in die Welt strömen. Ich sauge ihn auf und bin Teil dieser friedlichen Welt. Der Vollmond erhellt freudig die Nacht. Bald wird sie unter der heißen Sonne wegschmelzen. Noch einmal tauche ich kühl in den See ein und benetze mich mit der Unschuld des Tages, bevor es zu spät ist und der Lärm beginnt.

In der vergangenen Woche musste ich das glückliche, entspannte Sein in der Morgenstunde einschränken. Obwohl der Vollmond lächelnd seine Einladung an mich ausgeschickt hatte. Ich ging Verpflichtungen nach, die vorgehen. So bleibt mir nur das Versprechen an mich selbst, daß ich mich in der nächsten Woche wieder umarmen lasse von der Abgeschiedenheit der geliebten Morgenstunde und den kleinen Wundern, die sie mir bietet. In die Fluten des Sees, die sicherlich derweil lauwarm geworden sind, werde ich wieder eintauchen. Ich werde es genießen und es mir nicht durch ein schlechtes Gewissen verderben. Die Entscheidung gegen den See und gegen die Morgenläufe war wohl abgewogen. Ich werde dazu stehen und den leisen Schmerz, weil einige Sommertage ungenutzt verloren gingen, klaglos ertragen.

Das Bemerkenswerte an einer solchen Woche ist, daß der Körper wie ein junger Hund seinen Ausgang fordert. Immer wieder durchströmte mich eine innere Unruhe, ja Unzufriedenheit, die ich mir nur mit dem fehlenden Lauf, der fehlenden Schwimmrunde erklären konnte. Je mehr Tage mit nur kurzen Läufen vergingen, desto heftiger bellte, kläffte und jaulte es in mir und verlangte, ausgeführt zu werden. Oh Du segensreicher Auslauf! Du bringst so große Zufriedenheit, innere Ruhe und Gelassenheit. Mögen mir noch viele Tage beschert sein, an denen ich dem Körper geben kann, was er begehrt.

Der Berichtspflicht will ich genüge tun und die Läufe aufzeichnen: Am Sonntag (1138), Montag (Tag 1139), Dienstag (Tag 1140), Mittwoch (Tag 1141) bin ich nur kurz gelaufen.

Am Donnerstag (Tag 1142) erwachte ich in aller Frühe. Der Vollmond erhellte den Raum. Ich konnte nicht widerstehen. Ich gab dem Kläffen und Jaulen nach und lief zum See (19 km) und schwamm im See. Ich würde ja wieder zu Hause sein, wenn der Tag anbricht, beruhigte ich mich. Unterwegs ist das Parkwildschwein zwei Meter vor mir über den Weg gerannt. Später sah ich einen Fuchs. Noch später lief die Wildschweinfamilie eine Zeit lang parallel zu meinem Weg. Dann sprangen alle nacheinander quer über meinen Weg und verschwanden wieder im Wald. Fünf mittelgroße Jungschweine mit verblassenden hellbraunen Streifen und die Bache waren es. Das ganze wirkte geordnet und unaufgeregt. Vielleicht kennen sie mich ja inzwischen und wissen, daß ich ihnen nichts tue? Am See machte der Graureiher wie immer seinen Rundflug. Wunderbar, alles war in Ordnung. Ich konnte entspannt den Tag auf mich zu kommen lassen.

Am Freitag (Tag 1143) und heute, am Samstag (Tag 1144) bin ich nur kurz durch schwüle Hitze gelaufen. Nächste Woche werde ich mich wieder den kühlenden Morgenstunden in die Arme werfen.

Einstweilen wünsche ich eine nicht allzu heiße Woche!

Laufen + Schwimmen + Laufen macht glücklich

Tag 1137. Laufen + Schwimmen + Laufen! Irgendwie macht es mich glücklich. Wenn ich morgens zum See laufe, passe ich auf, daß ich keine Mistkäfer und keine Kröten zertrete. Diese Woche waren die Kröten schon so groß wie ein Daumennagel. Letztens waren sie noch winzig wie ein Nagel vom kleinen Finger. Irgendwann werden sie handtellergroß sein. Ich laufe mit den Wildschweinen und schwimme mit dem Graureiher und den Enten. Obwohl, die meisten Enten schlafen ja morgens noch. Aber die Blesshühnchen sind schon früh wach. Vom See aus kann ich sehen, wie die Sonne über den Bäumen erscheint und alles in ein goldenes oder auch mal rotes Licht taucht. Das ist schön und ein bisschen schräg oder? Vor einiger Zeit hätte ich es jedenfalls für schräg gehalten, wenn jemand so früh das warme, weiche Bett verlässt. Aber mir tut es an Körper und Seele gut. Von welcher Beschäftigung kann man das schon sagen? Insgesamt fühlt sich das, was ich da laufender Weise tue, als Teil eines gelungenen Lebens an.

Am Sonntag (Tag 1131) bin ich in der Morgendämmerung zum See gelaufen (20 km). Bei Sonnenaufgang schwamm ich schon im See. Vom Wasser aus konnte ich am Ufer einen Fuchs sehen. Außerdem hat sich der Graureiher wieder die Ehre gegeben. Es waren erstaunlich viele Menschen für diese Uhrzeit unterwegs. Wahrscheinlich waren das hauptsächlich Leute, die der zu erwartenden Hitze des Tages ausweichen wollten.

Am Montag (Tag 1132) hatte ich einen Lungenarzttermin. Es war heiß und schwül. So erschöpfte sich der Termin in gegenseitigen Wünschen für einen schönen Sommer. Freundlich, aber schwitzig. Zur Lungenfunktion geht es hier. Danach bin ich nur kurz gelaufen, denn es war derweil noch schwüler und noch heißer geworden.

Am Dienstag (Tag 1133) habe ich meine Morgenroutine wieder aufgenommen (19 km). Ich lief zum See und genoss den kühlen Morgen. Es waren viele Leute unterwegs, denn alle wollten noch vor dem angekündigten Gewitter ihre Wege erledigen. Als ich am Gehege der Schafe vorbeikam, rannten sie blökend herbei. Was sie sich wohl von mir erhofften? Später sprang mir ein junges Wildschwein kurz in den Weg, entfernte sich aber sofort, als es mich erblickte. Auch einen Fuchs sah ich kurz auf meinem Weg stehen. Als ich am See ankam, lag er spiegelglatt da und die Bäume ringsum, die von der gerade aufgehenden Sonne rötlich beleuchtet wurden, spiegelten sich im See. Es war ein Idyll. Beim Schwimmen sah ich, wie der rote Sonnenball über dem Wald erschien. Aber dann kamen die Wolken und es regnete sehr kurz. Die Sonne zeigte sich nicht wieder. Bis ich zur Frühstückszeit zu Hause war, regnete es nicht wieder. Es war ein schöner Morgenlauf, auch wenn ich die ganze Zeit über irgendwie müde blieb. Tagsüber bin ich mehrfach von der Straße in den dritten Stock hoch gelaufen. Und obwohl ich schon meinen Morgenlauf hinter mir hatte, fehlten nur elf Stufen, als ich eine winzig kleine Atemnotpause einlegen musste. Ich bin mir absolut sicher, daß ich diese elf Stufen auch noch packen werde.

Am Mittwoch (Tag 1134) lief ich im kühlen Morgen an den See (19 km). Am freien Feld hörte ich den Hahn laut krähen, obwohl die Dämmerung noch kaum angebrochen war. Die Fledermäuse waren noch unterwegs und huschten wie Schatten vorbei. Im Park traf ich das junge Wildschwein wieder. Es lief in einem wahren Schweinsgalopp zum nächsten Busch, als es mich wahrnahm. Ich machte einen großen Bogen, um uns beiden nicht mehr Stress als nötig anzutun. Später schaute ein Füchslein ganz neugierig einmal nach mir. Der See lag wieder ruhig da. Der Graureiher war mit dem Verspeisen kleiner Fische, die im flachen Wasser in Ufernähe seit einigen Tagen herumschwärmen, beschäftigt. Es war noch kein Mensch da. Als sich der Himmel über den Bäumen golden färbte, war ich schon im Wasser. Dann hatte die Sonne ihren Auftritt. Groß und majestätisch war sie. Sie tauchte die ganze Szene in ein goldenes, wärmendes Licht. Das Schwimmen war beglückend, und ich bin weit geschwommen. Dabei fühlte ich mich frei und wild. Trotzdem war der Heimweg nicht allzu beschwerlich, wie ich nach dem Schwimmexzess befürchtet hatte. Zu Hause war ich pünktlich zur regulären Frühstückszeit.

Am Donnerstag (Tag 1135) habe ich den Wunsch nochmal zum Schwimmen an den See zu laufen nach heroischem inneren Kampf abgewehrt. Es wäre zu viel geworden. Später habe ich die Einkäufe ohne weiteres mit nur kleiner Verschnaufpause in den dritten Stock geschleppt. Leider hatte ich dann blaue Lippen und eine Sauerstoffsättigung von 85%. Das war der Moment, in dem ich nach langer Zeit wieder Angst hatte. Dann beruhigte ich mich aber mit dem Gedanken, daß man das beim Hochleistungssportler EIH (exercise induced Hypoxemia) nennt. Es zeigt dem Hochleistungssportler an, daß er sich anständig ausgelastet hat. Er ist stolz, daß er in der Lage ist, diesen Zustand zu erreichen. Und er versucht diesen Zustand immer wieder zu erreichen und nennt das Training. Durch diesen Gedanken beruhigt nahm ich einen Hub Foster, zog die Laufschuhe an und trabte durch den Park. (Achtung: ich hoffe das für mich: im Zweifel immer den Arzt fragen und sich an dessen Meinung halten!)

Am Freitag (Tag 1136) hätte sich mein Körper eigentlich schon wieder über einen längeren Lauf gefreut. Nach einem Zwiegespräch mit meinem Körper erlaubte ich nur einen weiteren kurzen Lauf und versprach den langen Lauf für den nächsten Tag. Falls doch ein Infekt lauerte, sollte ihm nicht durch einen langen Lauf ein Türchen geöffnet werden, argumentierte ich. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste oder eines gebrechlichen Körpers.

Heute, am Samstag (Tag 1137) bin ich nach dem Frühstück zum See gelaufen (19 km). Es ging sehr gut. Wenn ich darauf achte, gut auszuatmen, kann ich langsam vor mich hintraten. Ich entspanne mich und alle beunruhigenden Gedanken verblassen allmählich. Es war herrlicher Sonnenschein und die Luft wurde allmählich warm. Das Wasser im See war 20 °C warm. Genau richtig um eine Runde zu schwimmen. Neben mir tauchte einmal der Haubentaucher auf. Außerdem segelte sowohl der Kormoran als auch der Graureiher an mir vorbei, als ich im See war.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Sommer!

Aktive Entspannung

Tag 1130. Am Freitag letzter Woche hatte ich meinen langen Lauf in der Frühe abgebrochen. Meine Atmung ging schlecht. Die ganze Woche war schon außergewöhnlich beschwerlich gewesen. Inzwischen ist mir klar geworden, daß ich keinen Infekt und auch keine „Unlust“ hatte, sondern „nur“ erschöpft war. Deshalb habe ich mich diese Woche aktiv erholt. Ich bin nicht viel gelaufen. Aber ich lag auch nicht auf der faulen Haut. Ich habe mich dem Dehnen und dem Krafttraining gewidmet. Auch wenn zwischendurch immer mal wieder die Lust kam, zum See zu laufen oder wenigstens dorthin zu radeln, so fehlte mir doch der Schwung. Ich denke nicht, daß mich ein Übertraining erwischt hat. Aber Körper und Seele forderten lautstark eine Zeit der Entspannung. Nächste Woche geht es in der alten Weise wieder durch die Wälder.

Einen kleinen Ansporn hat mir auch der Artikel vom 7. Juli 2016 gegeben http://www.netzathleten.de/gesundheit/ratgeber-gesundheit/item/6215-copd-und-sport-experteninterviev-mit-einem-pneumologen: Der Lungen- und Marathonarzt Dr. Matthias Krüll schildert in diesem Interview wie gut Laufen und Copd zusammen passt. Für ihn passt sogar die Krankheit Copd und die Teilnahme am Berlin Marathon zusammen. Na denn, auf nach Berlin!

Am Sonntag (Tag 1124) bin ich abends im Park fünf Kilometer gelaufen. Nach dem Essen war der Bauch noch voll. Mit vollem Bauch sollte man keinesfalls laufen. Das fühlte sich gar nicht gut an. Erst der letzte Kilometer fühlte sich etwas besser an. Im Park war noch lebhaftes Sommertreiben. Auch die Karnickelchen sprangen fröhlich herum.

Am Montag (Tag 1125) war ich wieder auf der Fünf-Kilometerrunde. Vorher hatte ich etwas Krafttraining gemacht. Danach lief das Laufen gut. Vielleicht ist eine aktive Ruhephase ja gar keine so schlechte Idee. Aber am Ende der fünf Kilometer merkte ich doch, daß meine Kraft noch eingeschränkt ist. Allerdings glaube ich nicht mehr an einen Infekt. Denn alles ist gut, nur durchhalten kann ich nicht so lange. Ich werde ja sehen, was mein Körper im Laufe der Woche und des Monats Juli zu mir sagt. Ich bin gesprächsbereit! Und einstweilen genieße ich die kurzen, erholsamen Fünf-Kilometer-Läufe im Sommerwind.

Am Dienstag (Tag 1126) bin ich im Tröpfel-Regen die fünf Kilometer im Park gelaufen. Ich fühlte mich schon wieder recht frisch und wollte mich für den nächsten Tag von einer Badeseerunde nur abhalten lassen, wenn der angekündigte Orkan tatsächlich draußen toben würde.

Am Mittwoch (Tag 1127) bin ich im Orkan nur die Meile gelaufen. Der Wind wirbelte allen Staub der Stadt auf und das Atmen war nicht schön.

Am Donnerstag (Tag 1128) bin ich zwar morgens um 4 Uhr wach gewesen. Aber es war 9 °C und regnete. Da habe ich mich dafür entschieden, die Entspannungszeit auszudehnen und bin abends nur eine Meile gelaufen. Es war der erste Tag, an dem Essen und Trinken wieder vergnüglich war. Die Tage zuvor fehlte mir einfach die Lust daran. Möglicherweise war das ein Zeichen der Erschöpfung.

Am Freitag (Tag 1129) begann ich die Erholung zu fühlen. Ich widmete mich wieder dem Krafttraining und dem Dehnen. Daneben lief ich die Spielplatzrunde. Und weil so viele Leute im Park ihr Krafttraining absolvierten, versuchte ich mich dort auch an ein paar Übungen. Und wiedermal musste ich feststellen: Ich sollte regelmässiger Krafttraining machen.

Heute, am Samstag (Tag 1130) erwachte ich in der Frühe. Ich verschob den frühen Lauf zum See aber noch einmal. Heute belies ich es – allerdings mit schlechtem Gewissen, denn die Kraft ist zurück – bei Krafttraining und der Fünf-Kilometer-Runde im Park. Morgen geht es wieder zum See. Und ich freue mich drauf!

 

Glückliches Staunen und der jähe Absturz

Tag 1123. Täglich betrete ich mit glücklichem Staunen die Welt des Laufens und der frischen Luft. Meistens. Bis zu vier mal pro Woche laufe ich knapp zwanzig Kilometer durch hügeliges Gelände und gehe eine Runde schwimmen. Ich kann es selbst kaum glauben. Zwanzig Kilometer! Plus Schwimmen im See! Es bekommt mir sehr. Das zumindest galt bis zum Mittwoch (Tag 1120). Da ging mir die Kraft aus. Ab dann wurden die Wege schwerer und schwerer. Ob ich nun einen leichten Infekt habe oder einfach nur erschöpft bin: Ich muss kürzer treten!

Am letzten Sonntag (Tag 1117) hatte ein nächtliches Unwetter die schwüle Hitze vertrieben. Den angenehmen Sommer-Sonntag habe ich mit einem kleinen Lauf zum Spielplatz (3 km) geadelt. Für den Lauf zum See fühlte ich mich zu schlapp. Für die Meile fühlte ich mich zu fit.

Am Montag (Tag 1118) war ich vom Ruhe-Sonntag erfrischt und lief wieder zum Bade an den See (19 km). Der Halbmond hing dick am Himmel. Er konnte aber lange nicht die Leuchtkraft des Vollmondes hervorbringen. So bin ich bis zum Sonnenaufgang im Zwielicht gelaufen. Diesmal umlief ich den Fuchs im Park weiträumig. Das Park-Schwein traf ich gar nicht an, da ich nicht den Weg mit viel Gebüsch und Kurven, sondern den geraden Weg Richtung Wald nahm. Im Waldstück, das zum See führte, traf ich auf einen Jäger. Er hatte einen grünen Pullover und eine grüne Hose an. Über seiner Schulter hing ein Schießgewehr. Auf seinen Ohren saß etwas, das wie Kopfhörer aussah. Vielleicht war es aber auch ein Schallschutz. Wie grüßten uns freundlich. Mich graute es etwas. Dieser Mensch lächelte lieb mit seinem Schießgewehr über der Schulter. Einen goldenen Sonnenaufgang erlebt ich im See (23 °C warm!) schwimmend. Der Graureiher machte dieses Erlebnis vollkommen, indem er elegant über den See schwebte. Auf dem Heimweg stand Familie Wildschwein plötzlich auf dem Weg. Sie hatten mich nicht bemerkt und so konnte ich ihnen eine ganze Weile aus nächster Nähe zuschauen. Erst als ich mich bemerkbar machte, sprangen alle verschreckt ins Gebüsch. Das hat mir dann richtig leid getan, daß ich so einen Schrecken verbreitet hatte.

Am Dienstag (Tag 1119) war die Spielplatz-Runde (3 km) wieder dran. Das ist etwas mehr als nur die eine Meile, die ich brauche, um weiterhin fortlaufend die Tage des Laufens zählen zu können. Es ist weit genug, um ein paar kleine Intervalle einzubauen. So kann ich die neue Atemtechnik auch mal bei etwas schnellerem Lauf testen.

Am Mittwoch (Tag 1120) bin ich wieder zum See gelaufen und geschwommen (19 km). Gerade während ich schwamm, fing es an zu regnen. Es hatten sich über dem See dicke Wolken aufgetürmt und ich hatte schon etwas Angst, daß es ein Gewitter gibt. Aber es regnete nur. Nach dem Schwimmen war ich stehend k.o. Seltsam. Meist passiert es völlig unverhofft, daß die Kraft ausgeht. Ich kann mir nicht erklären, warum es ausgerechnet an diesem Tag der Fall war. Der Heimweg war keine Lust. Es kam keine Freude auf. Aber ich stellte mit diesem Lauf sicher, daß ich die dreihundert Kilometer im Monat nun zum vierten Mal überhaupt und zum dritten Mal in Folge würde einheimsen können.

Am Donnerstag (Tag 1121) habe ich den Lauf zum Spielplatz (3 km) bis in die Abendstunden verschoben. Es war schwül, die Luft war abgestanden und die Atmung ging sehr schlecht. Aber immerhin habe ich die 300 Kilometer für den Monat Juni erlaufen.

Am Freitag (Tag 1122) wollte ich in aller Frühe zum See laufen. Noch vor der Dämmerung lief ich zur Stadt hinaus. Aber ich war noch nicht am freien Feld, da war mir klar, das wird heute nichts. Es wurde gerade hell und die ersten Vögel fingen an zu zwitschern, als ich den Rückzug antrat. Die Atmung war schwer, die Beine waren schwer, ich schwitzte, obwohl es nur mäßig warm war. Um halb Fünf war ich nach fünf Kilometern wieder zu Hause und lies mich ins Bett sinken und schlief sofort ein. Noch hoffte ich, daß ich einfach nur müde war.

Auch heute, am Samstag (Tag 1123) bin ich eine Runde im Park gelaufen (5 km). Leider hatte mich die Atemnot wieder in ihrem eisernen Griff. Zum See hätte ich es nicht geschafft. Ich tröste mich damit, daß ich dieses Jahr schon 23 mal zum Baden im See gelaufen bin und davon 18 mal im Morgengrauen und der Sommer fängt ja gerade erst an. Das wird schon wieder!