Hampelmann

1207. Beinahe wäre ich diese Woche das erste mal hundert Kilometer in einer Woche gelaufen. Es sollte nicht sein. Ich bin trotzdem zuversichtlich, daß ich die 11,5 Kilometer, die mir diese Woche fehlten, in Bälde auch noch erlaufen werde. Eigentlich wollte ich dieses Jahr die siebzig Kilometer stabilisieren und es dabei belassen. Meiner Lunge ging es aber im Laufe des Jahres immer besser, so daß ich mir als neues Ziel die hundert Kilometer in der Woche gesetzt hatte. Das ist die Distanz, die ich gerne wöchentlich laufen würde. Mehr soll es nicht werden. Ich würde das gern über die nächsten Jahre fortsetzen. Es ist ausgesprochen beglückend zu erleben, daß die Lungenfunktion mich daran nicht hindern wird. Ich finde mein Leben einfach viel zu schön, als daß ich mich der Krankheit ohne Gegenwehr unterwerfen werde. Ich habe mir fest vorgenommen mich bis zum bitteren Ende so gut ich kann zu wehren.

Am Sonntag (Tag 1201) bin ich nur kurz gelaufen. Ich hatte den Lauf in den Nachmittag verschoben und gehofft. Wie sich dann herausstellte, besserte sich nichts. Im Gegenteil, es wurde immer heißer und staubiger. Die Luft stand still. Wolken hingen schwer am Himmel. Die Atmosphäre war aufgeladen. Der erlösende Regen kam nicht. Ich habe nach knapp zwei Kilometern die Uhr abgestellt und bin umgekehrt. Damit habe ich die hundert Kilometer in dieser Woche um 11,5 km verpasst. Es war an diesem Tag zu viel. Ich war enttäuscht.

Am Montag (Tag 1202) habe ich mich letztendlich aus Enttäuschung über das verpasste Ziel nur auf den kurzen Weg gemacht. Es ging mir dabei aber richtig gut. Ich schöpfte wieder Zuversicht und Mut.

Am Dienstag (Tag 1203) bin ich die Waldseerunde gelaufen (14 km). Die Sonne strahlte herbstlich. Dazu ging ein leichter Wind. Die Atmung ging sehr gut. Auf dem Trimm-Dich-Pfad war viel los. Einzelne Personen, kleine Grüppchen und einige Personal Trainer mit ihren Schützlingen waren unterwegs. Mit manchem ergab sich ein kleines Gespräch. Andere glotzten nur, als würde man sie bei der wichtigsten Sache der Welt stören. Es war eine nette Abwechslung, den Pfad so belebt zu sehen.

Am Mittwoch (Tag 1204) bin ich die Waldseerunde ohne Trimm-Dich gelaufen (14 km). Es war wieder ein sehr schöner, sonniger Herbsttag. Die Luft war angenehm kühl. Das Laub war ein bisschen bunter als am Tag zuvor. Die Atmung machte keine Probleme. Auf dem Waldweg flog eine Zeit lang eine blau-grün schillernde Libelle ca. 15 cm über dem Boden vor mir her. Es wirkte, als wäre sie auf der Jagd.

Am Donnerstag (Tag 1205) bin ich die Waldseerunde (14 km) plus Trimm-Dich erst am Nachmittag gelaufen . Es war ein nicht heißer, herrlicher Herbsttag. Die Sonne lächelte. Die Eichhörnchen vergruben ihre Vorräte. Die Spechte hämmerten fröhlich und die Eichelhäher krächzten. Eine der letzten Stationen auf dem Trimm-Dich-Pfad schlägt dem Besucher vor, mindestens zwanzig mal den Hampelmann zu machen. Nein, nein, das ist nicht beleidigend gemeint. Während ich meine Hampelmänner machte, fühlte ich, wie ich selbst zum Hampelmann wurde. Unter meinen Schuhen fühlte es sich nämlich angenehm weich an. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, daß ein Pferd just auf diesem Weg vor nicht allzu langer Zeit vorbeigekommen sein musste. Was mich so freundlich abfederte, waren frische Pferdeäpfel.

Am Freitag (Tag 1206) bin ich die Waldseerunde ohne Trimm-Dich gelaufen (14 km). Ich sah zwei Hirschkühe hinter dem Zaun, der ein Naturschutzgebiet vom allgemeinen Weg abgrenzt. Ich stoppte meine Uhr. Das Piep-Geräusch lies die Tiere aufhorchen. Sie blieben stehen und schauten unentwegt in meine Richtung. Nach einer Weile entfernte ich mich und lief nach Hause.

Heute, am Samstag (Tag 1207) war ich auf der Waldseerunde (14 km) plus Trimm-Dich-Pfad. Ich hatte eigentlich nicht so rechte Lust loszulaufen. Nachdem ich mich aber aufgerafft hatte und die ersten Kilometer hinter mir lagen, machte mir das Laufen wieder Spaß. Das Krafttraining war wieder sehr anstrengend. Einen Zuwachs an Kraft kann ich noch nicht feststellen. Dafür habe ich von englischsprachigen Pfadbesuchern gelernt, daß die horizontale Leiter, an der man hangeln soll auf englisch „monkey bars“ heißt. Auf deutsch scheint es Affenleiter zu heißen. Das war mir bis eben nicht bekannt. Kennt jemand noch einen anderen Ausdruck?

Ich wünsche schöne Herbstläufe!

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Sein Sie munter!

1200. Abstand zu den alltäglichen Stressoren erlaufen, ist eine wunderbare Möglichkeit, die der Körper bietet, um sich innere Freiheit zu verschaffen. Seitdem ich laufe, ärgere ich mich seltener über Gott weiß was. Die Distanz, die ich mir erlaufe, überträgt sich auf geheimnisvolle Weise auf meine innere Distanz zu den unausweichlichen Ärgernissen des Alltags. Dieses gemütliche Traben durch die Landschaft stimmt mich friedlicher. Es macht mich ein Wenig großzügiger gegenüber eigenen und fremden Fehlern. Irgendwie verschafft es mir eine gewisse Nachsichtigkeit, ohne daß ich dabei zum gutmütigen Trottel mutiere – na ja, jedenfalls nicht völlig.

Am Sonntag (Tag 1194) bin ich den direkten Weg zum Badesee gelaufen (17 km). Es waren viele Menschen unterwegs, denn es war ein herrlicher Spätsommertag. Am Seeufer sah es aus, wie am Mittelmeer in der Hochsaison. Ich beließ es beim Zuschauen.

Am Montag (Tag 1195) lief ich zum Trimm Dich Pfad im Wald (12 km). Das Turnen machte Spaß. Es war eine angenehme Abwechslung. Es ist erstaunlich, wie viel Kraft die Kraftübungen aus den Muskeln ziehen, obwohl man meist weniger Muskeln bewegt als beim Laufen und Schwimmen. An diesem Tag war Hitzerekord des Sommers (33 °C). So lief sogar mir der Schweiß, obwohl ich eigentlich nie schwitze.

Am Dienstag (Tag 1196) lief ich nur kurz. Ich wollte ausprobieren, ob mir die Pause nach sieben Tagen mit längeren Läufen gut tut. Das war nicht der Fall. An Tagen, an denen ich längere Läufe mache, fühle ich mich eindeutig besser. Die Seele kann sich entspannen. Gefühlt bin ich an solchen Tagen ein gesunder Mensch.

Am Mittwoch (Tag 1197) lief ich zum Badesee (19 km). Ich schwamm nicht allzu lange. Es war mehr ein Baden und dabei wurde mir recht schnell kalt. Schön war es auf dem Wasser zu treiben und dem leisen Plätschern der Wellen zu lauschen. Noch einmal habe ich die grünen Bäume rings um den See bewundert – vielleicht ein letztes Mal in diesem Jahr. Ich seufzte lang und bang. Es rührte mich so sehre, denn das Bild wird sich jetzt täglich wandeln, bis es kein grünes Blatt mehr an den Bäumen gibt. Dennoch blieb ich munter, denn es ist ein altes Stück. Im Herbst fallen sie runter und kehren im Frühjahr zurück. (Heines Fräulein am Meere läßt grüßen) Beim Laufen wurde ich schnell wieder warm.

Am Donnerstag (Tag 1198) lief ich erst am Mittag zum See (18 km). Es war strahlender Sonnenschein. Ein warmer Wind streifte über das Land. Herrlich war das Wetter zum Baden. Zum Laufen war es sehr anstrengend, denn die Wärme zehrte. Alle Leute riefen sich gegenseitig zu: „Oft wird es nicht mehr so schön sein in diesem Jahr!“ Und wie schön es war. Der See war kühl. Das Laub begann sich einzufärben. Letzte Blümchen blühten hoffnungsfroh an den Wegesrändern. In den Läden liegen schon die Winterjacken bereit. Aber noch tragen alle bunte Sommerkleider, Sonnenbrillen und ein Lächeln.

Am Freitag (Tag 1199) bin ich wieder zum See gelaufen (19 km). Wieder war ein strahlender Sommertag. Am Samstag soll dann endgültig der Herbst anfangen. Das ist auch gut so. Der Wald braucht Regen und ich wünsche mir kühlere Witterung.

Heute, am Samstag (Tag 1200) hat es pünktlich zu Beginn meines Laufens angefangen zu Donnern und zu regnen (16 km). Nach wenigen Kilometern war ich völlig durchweicht. Ich konnte aber die ruhige Atmosphäre des Dauerregens, der nach dem Donnern einsetzte, sehr genießen. Am Endes des Laufes hörte der Regen auf. Die Natur braucht mehr Regen! Mal sehen, wie es weitergeht. Für Sonntag (Tag 1201) habe ich vor, das erstemal im Leben die einhundert Kilometer-Wochen-Marke zu überlaufen. Wie immer empfinde ich die Distanzsteigerung als extrem anstrengend. Ich weiß aber, daß ich nach wenigen Wochen gar nicht mehr verstehe, was eigentlich so anstrengend war. Ich bin also für die weitere Zeit optimistisch.

An der frischen Luft

1193. Der Sommer ging die ganze Woche weiter. Ich ging nicht Schwimmen. Irgendetwas kämpfte in meinem Körper, ließ mich frieren und schwitzen. Da war Schwimmen in kaltem Wasser eine unangenehme Vorstellung. Ein bisschen frische Luft tat allerdings gut. So genoss ich – mal mehr, mal weniger – gemütliche Waldseerunden. Zu meiner großen Verblüffung werde ich, wenn ich morgen nochmals die Waldseerunde mit kleiner Schleife gelaufen bin, in dieser Woche ruhige neunzig Kilometer an der frischen Luft verbracht haben. Derweil erholte ich mich. Vielleicht ist ja was dran, daß Bewegung das Immunsystem stärkt. Jedenfalls treffe ich zur Zeit viele Menschen mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Und irgendetwas in der Art wollte mich in dieser Woche überrennen, schaffte es aber (noch) nicht.

Am Sonntag (1187) schien die Sonne trotz Wetterwarnung vor Starkregen und Blitzen freundlich vom Himmel. Weil ich prognosegläubig bin, bin ich nur kurz gelaufen.

Am Montag (1188) lief ich nur kurz und spazierte die restliche Parkrunde. Ich bekam schlecht Luft. Der Tag war nieselig und grau. Das passte.

Am Dienstag (1189) bin ich die Waldseerunde bei strahlendem Sonnenschein gelaufen (14 km). Es ging sehr gut. Ich war unsagbar erleichtert. Es war also doch kein Infekt. Schwimmen wollte ich aber vorsichtshalber diese Woche nicht mehr.

Am Mittwoch (1190) bin ich die etwas erweiterte Waldseerunde gelaufen (16 km). Es ging sehr schlecht. Ich hatte Kopfschmerzen und in meine Gelenke hatte jemand Sand gestreut. Vielleicht doch ein Infekt?

Am Donnerstag (Tag 1191) lief ich die Waldseerunde in der Frühe (14 km). Der Tag sollte heiß werden, deshalb waren schon viele Menschen unterwegs. Die Sehnsucht nach der Schwimmrunde hielt sich in Grenzen, da es am Morgen doch kühl war. Meine Beschwerden aus den Vortagen machten sich kaum noch bemerkbar. Der vermutete Infekt belastete mich fast gar nicht mehr. Es ging aufwärts. Als ich wieder in die Stadt zurückkam, hatten sich alle Dieselmotoren der Stadt gegen mich in Stellung gebracht. Überall liefen Baumaschinen, Kehrmaschinen, Laubbläser. Autos fuhren herum, die Kinder in Schulen und Kindergärten ablieferten. Lieferwagen mit laufenden Motoren standen vor nahezu jedem Geschäft. Auch die Müllabfuhr erfreute mit ihrer Dienstleistung. Dazu lächelte die Sonne.

Am Freitag (Tag 1192) wurde ich auf der Waldseerunde (15 km) von der strahlenden Sonne begleitet. Ein leichter Wind trug die Hitze hinweg. Der Himmel lud mit blauer Klarheit zum Bade ein. Das aber wagte ich noch nicht. In der Nacht hatten mich Krämpfe geplagt, so daß ich mich noch nicht in den See begeben wollte. Beim Aufstehen hatte ich keine Beschwerden mehr. Der Lauf wurde zu einer wahren Wonne. Ich konnte prima atmen und mich am Laufen selbst erfreuen. Der späte Sommer schmeckte nicht nur mir gut. So nahmen viele Leute dankbar den Nachschlag an. Überall begegneten mir lächelnde, gut gelaunte Menschen und fröhliche Hunde.

Heute am Samstag (Tag 1193) genoss ich wieder die Waldseerunde (14 km). Ich bekam gut Luft und fühlte mich teilweise richtig gut. Da werde ich morgen wohl das erste mal im Leben meine Wochenkilometerzahl auf neunzig hinauflaufen. Dabei gilt für mich immer noch: Das Laufen muss mir Spaß machen. Es soll nichts weh tun. Und um das Körpergewicht geht es mir gar nicht. Ich sehe öfters Damen jeden Alters, die aussehen, als würden sie gleich verhungert sein. Meist schauen sie triumphierend, um nicht zu sagen irre. Mir tut das im Herzen weh. Denn Laufen ist wunderbar befreiend und gesund. Aber wenn man es macht, um mager zu werden ist das ein Missbrauch dieser schönen Fortbewegungsart. In diesem Sinne werde ich jetzt den Mohnkuchen aus dem Backofen nehmen und verspeisen.

Ich wünsche einen schöne Woche!

Der Sommer ist zurück!

1186. In der vergangenen Woche kam der Sommer für ein paar Tage in seiner lieblichsten Form zurück. Die Sonne schien von strahlend blauem Himmel. Es wehte ein leichter lauer Wind. Durch den von der Sonne durchfluteten Wald laufen war für mich wie träumen. Dabei war ich wach und alle Sinne waren aufnahmebereit. Düfte, Geräusche und Farben strömten auf mich ein. Eine wundersame Glückseligkeit bemächtigte sich Meiner. Welch ein Segen, daß es mir gelungen ist, aus dem elenden Tal der Lungenkrankheit hinauf in die Höhen des Glückes zu entkommen. Nicht das Höher, Schneller Weiter ist mein Ziel geworden. Mein Ziel sind die Momente der Glückseligkeit, wenn die Baumwipfel mir freundlich zuwinken und ich fühle, wie der Atem ohne Stocken dahin fließt. Oder wenn ich im See auf dem grünen und doch durchsichtigen Wasser treibe und das zarte plätschern der Wellen mich trägt, während ich in den blauen Himmel schaue, um zu sehen, wie ein Raubvogel im Aufwind kreisend an Höhe gewinnt. Das Leben ist schön!

P.S.: Da finde ich gerade eine Patientengeschichte, die Ärzte aus Kanada berichteten. Die Geschichte handelt von einer 86-jährigen extrem sportlichen Frau mit fortgeschrittener Copd (FEV1/FVC = 34 %, FEV1=51%). Die Copd war durch ein schlecht behandeltes Asthma entstanden. Trotz der schlechten Lungenfunktion lag ihre aerobe Leistungsfähigkeit auf dem Fahrradergometer bei 170 %, wobei sie die Anstrengung als moderat empfand.

Gib niemals auf, kann man da nur lernen. Lass Dich nie einschüchtern! Verzage nicht! Lebe Deinen Traum! Es ist nie zu spät! Man kann viel kompensieren!

Und auch wenn man Sauerstoff bei Belastung braucht, dann geht die Welt auch nicht unter. Man kann damit immer noch Sport machen wie hier berichtet wird.

Nur nicht den Kopf hängen lassen!

Am Sonntag (Tag 1180) lief ich nur kurz.

Am Montag (Tag 1181) lief ich eine etwas größere Runde (21 km). Mein Mann hatte mich am großen Fluß abgesetzt, denn er fand die vier Tag mit kurzen Läufen, die hinter mir lagen, seien genug. Stimmt! Am großen Fluß zogen die Schiffe vorbei. In der kleinen Bucht, von der aus ich meinen Lauf startete, lagen zwei Motoryachten vor Anker. Es roch nicht gut, ja sogar ekelhaft. Woran es lag, konnten wir nicht feststellen. Von der Bucht aus lief ich über den Berg zum verwunschenen Waldsee in der Schlucht. Von dort lief ich zurück über den Berg zum Badesee. Der Badesee roch nach frischem Wasser und lud zum Bade ein. Ich war aber nicht in Stimmung und fühlte mich auch schon zu müde, um noch zu schwimmen. Von dort lief ich direkt nach Hause. Während des ganzen Laufes sah es so aus, als würde es gleich regnen. Dementsprechend begegnete ich nur wenigen Joggern und ein paar Waldarbeitern. Es blieb aber trocken. Ich konnte damit in der Laufstatistik zum fünften Mal in diesem Jahr und in meinem Leben überhaupt dreihundert Kilometer im Monat hinzufügen. Juhu!

Der Dienstag (Tag 1182) verlief ganz anders als geplant. Mein Mann kam mit zum Badesee. Wir fuhren mit dem Auto zum See. Der Parkplatz ist auf der anderen Seite und am anderen Ende des Sees als meine Einstiegsstelle. Die andere Seite ist die Seite, auf die am Morgen die Sonne fällt. Mein Mann genoss am Ufer die Sonne. Ich ging schwimmen. Es wehte ein kühler Wind, so daß die heiße Sonne gerade angenehm war. Das Schwimmen war herrlich. Ich hatte mit der Atmung überhaupt kein Problem! Hätte ich nicht gewusst, daß ich zurückerwartet werde, wäre ich länger als ein halbes Stündchen geschwommen. Aber wir wollten ja noch einkaufen gehen. Nach dem Baden ein bisschen von der Sonne gewärmt zu werden war sehr angenehm. Mein Muskelkater vom Vortag war nach dem Schwimmen gänzlich verschwunden. Da wurde mir klar, daß mir das Schwimmen in diesem Sommer die vielen langen Läufe auf jeden Fall erleichtert, wenn nicht gar überhaupt ermöglicht hatte. Nach dem Besuch am See gingen wir einkaufen. Und ich muss sagen, mir war es nicht einmal, als wir später wieder zu Hause waren, richtig warm geworden. Insofern war dieser Ausflug extrem lehrreich: Erstens: Das Schwimmen nach ca. 10 km hilft der Regeneration der Muskulatur unglaublich gut. Zweitens: Nach dem Schwimmen 10 km zu laufen, wärmt den Körper auf, so daß ich die Kälte des Sees nicht den ganzen Tag mit mir herumschleppte. Drittens: Schwimmen zwischen den Laufphasen ist mir nicht so kraftvoll und flüssig möglich, wie wenn ich es isoliert macht. Viertens: Die Lunge wird durch das Laufen sehr stark belastet. Das merkte ich später, als ich einen kurzen Lauf absolvierte. Beim Schwimmen kann ich sehr viel besser atmen.

Am Mittwoch (Tag 1183) lief ich zum Badesee (19 km). Es war ein herrlicher Sonnentag mit leichter Brise. Die Wärme war angenehm. Das Licht durchflutete den Wald. Im See bin ich die große Runde geschwommen. Das Wasser war kühl und erfrischend. Die Atmung ging gut. Es war einer der schwerelosen Tage. Glück pur – Ich verstumme. Ich will es nicht zerreden.

Am Donnerstag (Tag 1184) bin ich nur kurz gelaufen und habe am Spielplatz ein paar Klimmzüge gemacht. Außerdem habe ich endlich wieder eine längere Dehneinheit gemacht. Wenn ich das Dehnen eine zeit lang vernachlässige, werde ich ganz steif. Wie haltet ihr das mit dem Dehnen?

Am Freitag (Tag 1185) lief ich wieder zum Badesee (19 km). Strahlender Sonnenschein wies mir den Weg. Die Kühle der Luft verriet, daß der Sommer allmählich seine Kraft verliert. Das Wasser im See war etwas kühler geworden. Trotzdem schwamm ich die große Runde und es fühlte sich sehr gut an. Der Heimweg war allerdings recht beschwerlich. Ich hatte mich nämlich beim Schwimmen vollkommen ausgepowert und hing den restlichen Tag müde an meinem Schreibtisch herum. Und als ich meinen Gedanken so nachhing, da sah ich mich plötzlich als 86-jährige zum See laufen und meine Runde schwimmen. Da war ich wieder hellwach. Ha! So wird es kommen!

Heute, am Samstag (Tag 1186) lief ich nur kurz. Die große Schwimmrunde von gestern wollte noch verdaut werden. Ein Weilchen habe ich mich im Park unter einen schattigen Baum gesetzt. Da erschien eine junge Frau mit Pferdeschwanz und packte mitten auf dem grünen, gerade frisch gemähten Rasen ihre Turnmatte aus. Sie machte ihr Krafttraining, angeleitet über Ohrstöpsel. Sie war unermüdlich. Alle Übungen machte sie zwanzig Mal je drei Sätze lang. Sie schien überhaupt nicht zu ermüden. Trotz ihrer zarten Figur führte sie alle Sprungelemente aus, als wäre sei ein Gummiball. Ich dachte, daß ich das mit dem Krafttraining etwas ernster nehmen sollte. Das bringt ja auch für das Laufen viel. Morgen hoffe ich vor dem großen Regen noch eine Lauf-Schwimm-Lauf-Runde zu schaffen. Ich würde nämlich gerne diese Woche wieder etwas über achtzig Laufkilometer verbuchen können. Mal sehen, was mein Körper sagt und wie das Wetter ist, wenn ich morgen zum Fenster hinausschaue.

Einstweilen wünsche ich eine angenehme Woche!