Das keifende Blesshühnchen

Tag 72. Die Sonne schien und der Himmel war blau. Ein leichter Wind strich durch die Blätter. Die Pflanzen grünten saftig. Hier und da entfalteten sich Blütendüfte. Brennnesseln säumten kniehoch die Wegesränder. Die Wiesen waren reif zum Mähen. Glückliche Tage, die aber an der Kraft zehrten. Deshalb blieb ich der prallen Frühlingswelt in der zweiten Wochenhälfte fern. Ich lauschte dem vorbei rauschenden Zeitenstrom, ließ mich aber nicht mitreißen. Ich sammelte Kräfte.

Am letzten Sonntag (Tag 66) ersetzte ich das sonntägliche Dehnen durch etwas, das „Mobility“ heißt. Das war leichter. Das Knie war dankbar und ist nun schon fast wieder gut.

Am Pfingstmontag (Tag 67) lief ich zum Badesee (19 km). Die Lufttemperatur betrug 17 °C, die Wassertemperatur 18 °C. Ich schwamm wie immer in eine Richtung. Dabei beobachtete ich, wie ein Graureiher das Schilf anflog. Ich dachte, der wird dort wohl landen. Aber soweit kam er nicht. Ein kleines Blesshühnchen kam mit weit aufgerissenem Schnabel keifend und flügelschlagend aus dem Schilf. Der Graureiher machte, daß er weg kam und setzte sich weit entfernt neben den Kormoran auf einen Baumstamm. Der Kormoran ließ sich durch diesen Besucher nicht beim Trocknen seines Gefieders stören. Nach einer viertel Stunde wurde es mir kalt und ich drehte um. Nun blies heftiger Wind Wellen auf mich zu. Plötzlich bekam ich Atemnot und schwamm ziemlich gequält an das gerade noch erreichbare Ufer. Von da musste ich mich auf einem kleinen, geschützten Entenpfad über umgefallene Bäume und durch Gesträuch zu meinen Klamotten zurück retten. Aus irgendeinem Grund hatte ich richtig Probleme mit der Atmung. Zu meiner Beruhigung kann ich aber sagen, daß mir in jedem Moment klar war, daß ich es zurück zum Ufer schaffen würde.

Am Dienstag (Tag 68) machte ich morgens das Krafttraining unter anderem mit den einbeinigen Kniebeugen. Diesmal erschienen sie mir gar nicht so schwer. Abends machte ich noch Übungen für den Bauch.

Am Mittwoch (Tag 69) war ich wieder am See (19 km). Es war ein herrlicher Sonnentag. Die Luft war warm (22 °C) und das Wasser kalt (18 °C). Damit ich nicht wieder in Seenot geriet, verließ ich schon nach zehn Minuten das Wasser. Die kurze Abkühlung im Wasser war ein Genuss.

Am Donnerstag (Tag 70) beschränkte ich mich auf die Mehrung der Kraft im Rumpf, am Freitag (Tag 71) in den Armen.

Heute am Samstag (Tag 72) machte ich morgens das Krafttraining unter anderem mit den einbeinigen Kniebeugen. Am frühen Nachmittag widmete ich mich der Kraft im Bauch.

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Frühlingsglück

Tag 65. Herrliches Sonnenwetter half mir beim Laufen, Schwimmen und Krafttraining. Der Badesee gehörte mir allein. Der Wind türmte das doch noch sehr kalte, glasklare Wasser zu Wellen auf. So wurde ich im See wie in einer Wiege auf und ab getragen. Die Bäume um den See herum schaukelten hellgrün und fröhlich im Wind. Eingemummelte Wanderer staunten über meinen Wagemut, so früh im Jahr im See zu schwimmen. Der Kuckuck rief durch den Wald. Die Frösche erhoben ihre Stimmen zum alljährliche Quak-Konzert. Freundliche Sonnenstrahlen beleuchteten das Grün im Wald. Blütendüfte rundeten das Frühlingsglück ab. Die ersten Schwalben kündigten den Sommer an.

Am letzten Sonntag (Tag 59) dehnte ich vorsichtig, denn mein Knie schmerzte. Ich vermute, daß ich irgendwann in den letzten Tagen zu beherzt gedehnt hatte. Das rächt sich schnell. Zum Dehnen muss man wirklich Ruhe haben und besonnen vorgehen.

Am Montag (Tag 60) machte ich abends die Übungen, die ich jetzt schon seit mehr als einem Jahr regelmäßig mache. Von den einbeinigen Kniebeugen schaffe ich elf am Stück. Dann muss ich derart schnaufen, daß ich eine Pause machen muss. Eigentlich sollte man fünfzehn pro Satz schaffen. Warum ich da so schwer atmen muss, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Eigentlich hätte ich mich doch schon längst daran gewöhnen müssen?

Am Dienstag (Tag 61) lief ich zum See (19 km). Es zogen gerade Wolken auf und ein heftiger Wind blies. Die Bäume wurden mächtig durchgeschüttelt. Der See war etwas aufgewühlt. Bei 18 °C Wassertemperatur schwamm ich etwa zwanzig Minuten. Mein Körper wurde erfrischend kalt. Am Seeufer saßen zwei Kormorane und trockneten sich ihr Gefieder. Als ich wieder aus dem Wasser kam, föhnte der Wind mich im Nu trocken. Nach dem Schwimmen im kalten Wasser ging die Atmung besser als vorher.

Am Mittwoch (Tag 62) turnte ich abends Rumpfstabilitäts-Übungen, die ich auch schon seit mehr als einem Jahr turne. An diese Übungen habe ich mich gut gewöhnt und sie fallen mir nicht sehr schwer.

Am Donnerstag (Tag 63) erfreute ich mich am Lauf zum See (19 km). Es war etwas kühler und ein Wind säuselte in den Bäumen. Gelegentlich rauschte er sogar etwas heftiger. In der Nacht hatte er einen Baum umgeworfen, der nun quer auf dem Weg lag, so daß ich darüber klettern musste. Am Ufer schwamm ein Schwarm kleiner Fische, die mich sehr interessant fanden. Während ich in das Wasser ging fühlte und sah ich, wie sie gegen meine Beine stießen. Ich schwamm etwa zwanzig Minuten im 18 °C kalten Wasser. Der See gehörte nur mir und einem Haubentaucher. Die Wellen wurden vom Wind aufgepeitscht. Einmal türmten sich sogar kurzfristig Wolken am Himmel auf, so daß ich schon Blitze fürchtete und doch lieber zurück schwamm. Mein gekühlter Körper wurde auf dem Heimweg langsam wieder warm.

Am Freitag (Tag 64) widmete ich mich der Kraft in den Armen und im Bauch. Am Morgen waren die Arme dran und am Abend der Bauch.

Heute, am Samstag (Tag 65) fing der Tag recht kühl an. Wolken bedeckten den Himmel. Auf dem Weg zum See (19 km) wurde es heller und freundlicher. Bei 18 °C Lufttemperatur und 17 °C Wassertemperatur badete ich ein knappe halbe Stunde im See. Der Kuckuck begleitete mich beim Schwimmen mit seinem Ruf. Nach dem Schwimmen klapperten mir erst mal die Zähne und ich kam ein bisschen ins Zittern. Auf dem Heimweg wärmte mich die Sonne und am Ende wurde es mir sogar richtig warm. Die erste Maihälfte war traumhaft schön. Da richte ich mal ein dickes Dankeschön an den Wettergott.

Enten auf Bäumen

Tag 51. Kühle Luft, heiße Haut, grüner Wald, singende Vögel fanden sich zu einer fantastischen Komposition zusammen. Die Lunge und die Ausdauer stöhnten dazu im Chor. Die Muskeln schnurrten im Takt. Mein neues Spiel „Täglich eine Sporteinheit“ ist ein Experiment. Bis jetzt bin ich damit sehr zufrieden.

Die Statistik für April befindet sich hier. Die Statistik setzte ich monatlich fort. Die tägliche Verteilung kann man dem Lauftagebuch entnehmen.

Am letzten Sonntag (Tag 45) dehnte ich mich ausführlich. Das klingt wenig ambitioniert. Aber es nimmt die Muskeln doch mehr in Anspruch als man meinen möchte. Ansonsten genoss ich die sonntägliche Ruhe.

Am Montag (Tag 46) war ich am Badesee (19 km). Die Sonne schien. Ein heftiger Wind sorgte für Unruhe im Blätterwald. Ein Raubvogel überquerte meinen Weg und ließ sich auf einem Ast nieder, so daß ich ihn genau betrachten konnte. Der See hatte eine Temperatur von 16 °C. Ein Graureiher flog über den See. An meiner Badestelle sprangen drei etwa Achtjährige vom Baum in das Wasser und krähten vergnügt. Mir war es zu kalt. Auf dem Wasser war nur ein Haubentaucher zu sehen. Gerade als ich mich fragte, wo die Enten eigentlich sind, da flog eine vom Baum am Ufer herab. Ich schaute zum Baum hinauf und sah dort noch weitere Enten sitzen. Das wusste ich nicht. Enten sitzen auf Bäumen? Na, jetzt weiß ich wenigstens, wie die den Fuchs, der in einer Höhle unter einem der Bäume am Ufer wohnt, überleben.

Am Dienstag (Tag 47) machte ich am Vormittag Rumpf-Stabilisierungs-Übungen. Und weil ja der 1. Mai war, der Tag der Arbeit, machte ich abends auch noch Übungen für den Bauch.

Am Mittwoch (Tag 48) lief ich zum Badesee (18 km). Der Himmel war bedeckt. Die Luft war kühl. Die Atmung muckte auf dem Hinweg. Auf dem Rückweg nahm ich einen Hub Salbutamol und dann ging es wieder einigermaßen. Glücklich wurde ich aber nicht. Ein Bussard flog auf Augenhöhe vor mir den Weg entlang. Er setzte sich immer wieder auf einen Baum und kaum war ich herbeigelaufen, da flog er wieder etwas weiter und wartete. Beim dritten Mal kam eine Krähe keifend angeschossen und vertrieb den großen Raubvogel.

Am Donnerstag (Tag 49) machte ich am Morgen Rumpf-Stabi-Übungen. Am Abend war das Krafttraining für die Arme dran. Ich werde durch die Übungen tatsächlich stärker. Ich lege mir zur Vorbeugung einen kleinen Vorrat an Muskeln zu, damit ich nach dem nächsten Infekt nicht gar so schwach werde. Ich haben nämlich festgestellt, daß Infekte üble Muskelräuber sind.

Am Freitag (Tag 50) lief ich zum Badesee (19 km). Die Wassertemperatur war auf knapp 15 °C gesunken. Eine Schwimmerin durchpflügte dennoch tapfer das Wasser. Das zarte Grün der Bäume, die Blüten, die Düfte waren ein Feuerwerk für die Sinne. Die Sonne und die kühle Luft auf der vom Laufen heißen Haut machte das Leben lebenswert. Tap, tap, tap jubilierten die Schritte auf dem weichen Waldboden. Das Atmen war beschwerlich.

Heute, am Samstag (Tag 51) war wieder Kraft-Tag. Morgens begann ich mit den Rumpf-Stabi-Übungen. Am Nachmittag war die kurze Baucheinheit dran.

Im Zeitenstrom treiben

Tag 1508. Diese Woche lief ich durch saftig grüne Wälder und schwamm im erfrischenden See. Das sind mir die liebsten Geschenke, die der Sommer so zahlreich vergibt. Ich kann entspannt vor mich hintraben. Das ruhige Grün beglückt. Der blaue Himmel entzückt. In der Frühe ist es meist noch kühl. In der frischen Welt des Morgens kann ich unbekümmert sein. Na ja, vielleicht nicht ganz. Denn im Wald lauern die Wegelagerer auf kleine Momente der Schwäche. Wer auch nur kurz stehen bleibt, der wird ihr Opfer. Man wird angesaugt und mit mindestens einer roten Stelle auf der Haut gekennzeichnet. Teilweise lauern die blutrünstigen Räuber in großen Scharen, so daß die Haut im Nu besetzt ist und nur eiligste Flucht vor weiterem Schaden schützen kann. So wie dieses Jahr habe ich das noch nicht erlebt. Nun ja, ich liebe die Natur.

Am letzten Sonntag (Tag 1502) habe ich morgens geturnt. Abends bin ich nur kurz gelaufen. Der Lauf selbst war schön. Die Luft duftete nach warmem Regen. Hin und wieder fiel ein dicker Tropfen auf die Straße. Die Atmung war trotz vollem Magen (das ist nicht empfehlenswert!) erstaunlich gut.

Am Montag (Tag 1503) konnte ich den Lauf zum Waldsee (14 km) genießen. Die Luft war kühl und angenehm. Die Atmung war nicht schlecht. Nur das Turnen vom Tag zuvor hing mir noch etwas in den Muskeln. Den Kraftzuwachs durch die Turnerei merke ich besonders an den Hügeln. Das möchte ich nicht mehr missen. Die etwas längeren Läufe sollte ich aber doch wieder häufiger laufen. Die Kondition verschwindet so schnell. Und wenn man sie erst mal verloren hat, findet man sie nicht so leicht wieder. Zu Hause angekommen, konnte ich feststellen, daß endlich die Werte für meinen See vorlagen: keine Bedenken! Es kann gebadet werden!

Am Dienstag (Tag 1504) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war ziemlich warm und ziemlich anstrengend. Zudem lauerten an den schattigen Stellen bluthungrige Ungeheuer, die sich ungeniert an meinen Beinen bedienten. Anderen Lebewesen Blut zu rauben ist auch eine Möglichkeit, im Zeitenstrom zu schwimmen. Da gefiel mir dann das Laufen um den Parksee doch sehr viel mehr. „Ja“, dachte ich, „das Laufen ist doch eine schöne Art mit Lebenszeit umzugehen.“ Eigentlich ist das Laufen eine Gelegenheit sich im Strom der Zeit treiben zu lassen. Die Seele baumelt. Der Körper lebt. Man fühlt nur das Ein und Aus des Atems. Die Landschaft fließt träge vorbei. Gelegentlich treibt jemand in der Nähe. Man lächelt und schon geht es weiter. Die Füße muss man heben, damit man nicht von einer Wurzel zu Fall gebracht wird. Mehr wird nicht verlangt. Beim Laufen braucht man sich nicht hetzen lassen. Man kann sich wunschlos glücklich wie im Traum treiben lassen.

Am Mittwoch (Tag 1505) lief ich tagsüber zum See (19 km). Als ich loslief war es noch kühl. Die Sonne lächelte freundlich vor blauem Himmel. Das vom Regen der letzten Zeit beglückte Grün wucherte und glänzte satt und zufrieden. Auf dem Hinweg wärmte die Sonne die Luft allmählich auf. Ich lief durch einen Park zum Wald. Dort wartete ein Mäusebussard bis ich den Parkweg betrat. In dem Moment ließ er sich vom Ast eines Baumes fallen und segelte in Höhe meiner Augen vor mir her. Als ich ihn aus den Augen zu verlieren drohte, setzte er sich auf einen Baum und wartete. Sobald ich aufgeschlossen hatte, wiederholte sich das Flugmanöver. Auf diese Weise lief ich ca. einen Kilometer hinter dem vor mir schwebenden Bussard her. Er hatte eine Flügelspannweite von mehr als einem Meter. Ich fühlte, daß dies eine Einladung an mich war, weiter täglich zu laufen. Der Bussard beendete meine Begleitung erst, als ich die Straße überquerte, die den Park vom Wald trennt. Im Wald war es ruhig und schattig. Als ich zum See kam, war mir die Abkühlung im See willkommen. Auf dem Heimweg verschwand die Kühle, die sich in meinem Körper beim Baden ausgebreitet hatte, zu schnell. Es wurde sehr warm.

Am Donnerstag (Tag 1506) lief ich zum Ententeich. Dort stellte ich die Uhr wegen zu großer Hitze ab. Gemütlich ging ich nach Hause.

Am Freitag (Tag 1507) lief ich nur kurz in der Hitze. Auch zum Turnen war es mir zu warm.

Heute, am Samstag (Tag 1508) lief ich in der Frühe zum See (19 km). Es waren 98 % Luftfeuchtigkeit. Dementsprechend schwer war der Lauf. An meiner Einstiegsstelle im See stand wieder mal der Graureiher. Als er mich kommen sah, flog er sofort ab. Im See waren angenehme 23 °C. Ich war nicht allein. Einige ältere Damen hatten auch die frühen Morgenstunden gewählt, um noch vor dem Wolkenbruch eine kleine Erfrischungsrunde zu schwimmen. Ich bin nur ca. zwanzig Minuten geschwommen, damit ich vor dem angekündigten Gewitter wieder zu Hause sein konnte. Derweil hatte mein Mann Besuch von unserem Eichhörnchen. Es verteidigte seine Nüsschen tapfer gegen „unsere“ Krähe. Erst als die Krähe und die verfressene Taube gemeinsam auf das Eichhörnchen losflatterten, floh das Tierchen, das wir Maria Magdalena nennen. Zunächst rettete es sich in unser Wohnzimmer. Nach einer Wohnungsbesichtigung sprang es vom Balkon in die Kastanie und verschwand.

Ein Gruß vom Wildschwein

Tag 1494. Nach dem Jahrhundertregen wurde vom Baden in Seen dringend abgeraten. So verbrachte ich diese Woche mit Krafttraining, täglichen kleineren Läufen und Schwimmen im Schwimmbad. Ein solche Woche führte mir vor Augen, wie es wäre, wenn ich „Fitness-Sport“ machen würde. Das Laufen träte in den Hintergrund. Ich würde glückliche Stunden im Schwimmbad verbringen. Ich könnte dem Wachstum meiner Muskeln beim Krafttraining zusehen. Die Natur käme in Form eines Eichhörnchens, das uns nun regelmäßig besucht, zu uns nach Hause. Die ersten Tage, als ich noch hoffte, schon in den nächsten Tagen wieder im See baden zu können, habe ich nichts vermisst. Aber heute schmerzte mich der „Bewegungsmangel“. Für morgen habe ich mir vorgenommen, wieder zum See zu laufen, auch wenn ich nicht baden kann. So ein Lauf im Wald, wo manchmal der einzige Gruß von einem Wildschwein kommt, ist eben doch etwas anderes.

Am letzten Sonntag (Tag 1488) regnete es ohne Unterlass. Im See soll man nach Regentagen mit ungewöhnlich heftigem Regen nicht schwimmen. Denn Wasser aus der Kanalisation kann den See verschmutzt haben. Das Wasser wird sich binnen weniger Tage erholen. Bis dahin besteht aber das Risiko von Infektionen. Ich werde daher die neuen Messwerte, die im Laufe der Woche vorliegen sollen, abwarten. Kurz entschlossen lief ich zum Freibad (2 km hin und 2 km zurück). Ich schwamm im warmen Wasser (27 °C). Da ich ja den kalten See gewohnt bin, war das himmlisch. Es war ein bisschen wie einer der immer auf der harten Pritsche schläft, nun aber auf einmal ein warmes, weiches Bettchen bekommt. Die gefürchtete zivilisatorische Enge des Schwimmbades musste ich glücklicherweise nicht auf mich nehmen. Wegen des schlechten Wetters war ich zeitweise allein im Wasser.

Am Montag (Tag 1489) lief ich die Parkseerunde (7 km). Auf dem Rasen stand immer noch das Wasser. Ein Baum war umgefallen. Ansonsten konnte man von dem Jahrhundertregen nichts mehr erkennen. Nach den trüben Gedanken der letzten Woche lief ich wie befreit meine Parkwege rauf und runter. Zum Schluss konnte ich wie so oft eine Flugschule für Jungkrähen beobachten. Dort fliegen unter viel Gekreische junge Krähen. Manche üben Segelflug, andere Jagen. Dazu nehmen sie sich einfach einen Kollegen, den sie jagen. Der Gejagte kann dann gleich Haken schlagen in der Luft üben. Die, die gerade müde sind, sitzen auf immer dem selben Baum und kommentieren lautstark. Wenn ich Flugbewegungen mit den Armen mache und hüpfe, als wollte ich los fliegen, dann fliegen manche Krähen ein, zwei Runden direkt über mir, als wollten sie sehen, wie ich mich in die Luft erhebe. Sicher lachen sie, wenn ich es dann doch nicht kann.

Am Dienstag (Tag 1490) turnte ich am Morgen. Die meisten Übungen fallen mir inzwischen leichter. So habe ich die Wiederholungszahl oder Dauer bei den Übungen erhöht. Bei der einbeinigen Kniebeuge allerdings, habe ich noch nicht einmal die vorgeschlagene maximale Wiederholung erreicht. Beim Laufen bemerke ich den Kraftzuwachs deutlich.

Am Mittwoch (Tag 1491) bin ich zum Schwimmbad geloffen und beinahe abgesoffen. Was ein quatsch, aber es reimt sich so schön. Bei 15 °C Lufttemperatur und regnerischem Wetter hatte ich das 50 m-Becken wieder zeitweise für mich allein. Das Wasser soll 27 °C warm sein. Ich könnte mich glatt an die Bequemlichkeit gewöhnen. Zumal das Freibad auf einem Berg im Grünen liegt. Während ich meine Bahnen zog, schwamm plötzlich auf halber Strecke eine Biene auf meiner Bahn. Ich habe sie auf meine Hand klettern lassen. Da hat sie sich festgekrallt, bis ich sie am Rand unter dem Startblock im Trockenen absetzte. Als ich das nächste mal zu dem Startblock kam, krabbelte sich noch am Boden herum. Beim darauf folgenden mal war die kleine Biene verschwunden.

Am Donnerstag (Tag 1492) war ich auf der Parkseerunde (7 km).

Am Freitag (Tag 1493) habe ich gleich am Morgen geturnt. Abends bin ich nur kurz gelaufen. Im Moment als ich zurück war, brach das erwartete Gewitter los.

Heute, am Samstag (Tag 1494) bin ich nur kurz gelaufen. Die Werte über die Qualität des Wassers sind leider für meinen Badesee noch nicht erhoben worden. Also muss ich noch warten, bis ich wieder im See baden kann. Ab morgen will aber wieder zum See laufen. Mir fehlt das.

Der Schülerlotse

Tag 1466. Die Kühle des Morgen ist derweil meine beste Freundin geworden. Die Luft ist noch sauber. Über der Stadt liegt Stille. Die Autos schlafen in ihren Parkbuchten. Die Menschen liegen in ihren Betten. Zu dieser Zeit begegnen mir viele wilde Tiere. Die Füchslein schauen neugierig und etwas ängstlich. Der Bussard macht sich davon, wenn er mich sieht. Mit den Wildschweinen kann ich mich ganz gut verständigen. Sie schicken ein dickes Riesentier auf meinen Weg. Dieses grunzt mir ein „Halt an und warte!“ zu. Sobald die Familie den Weg überquert hat, verschwindet das Riesenschwein behände und fast lautlos im Wald. Das Riesenschwein nenne ich den ‚Schülerlotsen‘. Erst wenn es den Weg frei gibt, kann ich weiter laufen.

Am Sonntag ( Tag 1453), acht Tage vor dem Jubiläumstag, lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war brutal heiß. Die Wege waren teilweise weiß zugeschneit von Wattefetzen, an denen ein kleiner Samen hängt. Selbst im Schatten der Bäume war es heiß. Auf dem Rückweg war an der Adidas-turnbar etwas Platz. Zwei Männer machten ihre Übungen. Sie sahen aus wie Schreibtischarbeiter. So wagte ich Kraftübungen für Arme und Rumpf. Nach meiner ersten Übung atmeten die beiden erleichtert auf und turnten weiter.

Am Montag (Tag 1454) war ich früh am Badesee (18 km). Da für den Tag über 30°C Hitze angesagt war, tauchten bald vereinzelt Leute auf. Hin und wider trabte auch schon ein Jogger am See entlang. Ich schwamm zehn Minuten in die eine Richtung und zehn Minuten zurück. Es war kalt, aber die Windschutz-Jacke reichte völlig, um mich nach dem Baden warm zu halten. Auf dem Heimweg traf ich einen Graureiher. Er stand fünf Meter vor mir und schaute mich freundlich an. Ich machte einen großen Bogen und er schaut zu. Ich rief ihm ein fröhliches „Guten Morgen!“ zu und lief nach Hause.

Am Dienstag (Tag 1455) beschränkte ich mich auf einen kurzen Lauf.

Am Mittwoch (Tag 1456) lief ich nach dem Turnen zum Ententeich. Erst am Ende der Strecke hatte ich mich eingelaufen. Die Strecke war also letztlich zu kurz. Ich bin aber noch vorsichtig, weil ich nicht einschätzen kann, wie ich Laufen + Schwimmen + Turnen zusammen verkrafte.

Am Donnerstag (Tag 1457) lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Atmung ging sehr gut. Der Schwan lag auf seiner Insel in der Sonne. Ein Graureiher stolzierte im flachen Wasser um die Schwaneninsel herum.

Am Freitag (Tag 1458) erschlich ich die Parkseerunde (7 km). Die Atmung wollte gar nicht. AmTurnpark von Adidas war niemand. So konnte ich auf halber Strecke eine Turnpause einlegen. Später kamen zwei junge Frauen hinzu. Die waren ungefähr auf meinem Kraftniveau. Das hat Spaß gemacht.

Am Samstag (Tag 1459) war ich schwimmen (19 km). Ich traf kurz nach Sonnenaufgang im Wald ein. Kaum hatte ich das enge Tal betreten, da hörte ich schon das bekannte Grunzen und es knackte laut im Unterholz. Ich konnte das Wildschwein nicht sehen, nur hören. Aber ich legte keinen Wert auf näheren Kontakt, so kehrte ich um und nahm den Höhenweg. Auf dem Weg zum See hinunter lief mir ein anderes Wildschwein mit mehreren Jungen entgegen. Der Weg war breit genug, so daß das Wildschwein mit den Kindern in einer Entfernung von zwanzig Metern an mir vorbeiziehen konnte. Die Bache schaute aufmerksam in meine Richtung und ich in ihre. Beide fühlten wird uns aber nicht bedroht und so war die Begegnung schön. Auf dem gleichen Weg kam mir wenig später ein Fuchs entgegen. Im kalten See war ich noch nicht weit geschwommen, da flog der Graureiher genau über mir. Er flog niedrig und wollte offensichtlich sehen, wer da in aller Frühe schwimmt. Ein kleiner Graureiher wartete schon an dem Sonnenfleckchen in meiner Einstiegsbucht als ich wieder aus dem Wasser kam. Mir war sehr kalt, so daß ich froh war, als der kleine den Sonnenfleck ganz freiwillig räumte.

Am Sonntag (Tag 1460) machte ich das Krafttraining zuerst. Später lief ich zum Ententeich. Der Tag war verregnet und genauso fühlte ich mich auch.

Am Montag, dem Jubiläumstag (1461) lief ich nur kurz. Damit waren die vier Jahre erfüllt.

Am Dienstag (Tag 1462) hat das fünfte Jahr begonnen. Nachdem ich das vierte Jahr so schmählich beendet hatte, begann ich das fünfte Jahr schon im Morgengrauen mit einem Lauf zum Badesee (19 km). Es hatte die ganze Nacht geregnet. Der Regen hörte unmittelbar vor meinem Aufbruch auf. So war die Luft sauber. Die Straßenlaternen spiegelten sich im blitzenden Straßenbelag. Ganz allmählich begannen die Vögel zu singen. Einer Wildschweinrotte begegnete ich auf dem Weg hinunter zum Badesee. Ich hörte ein Grunzen und sah auf. Da stand schon ein ziemlich großes und schwarzes Tier vor mir. Ich lief ein paar Meter zurück. Das Schwein blieb mitten auf dem Weg stehen und schaute in meine Richtung, schien aber zufrieden mit der Distanz. Ein paar Meter hinter dem Tier überquerte dann ein weiteres Wildschwein den Weg. Hinter ihm hoppelten lauter hellbraune kleine Fellchen über den Weg. Das Schwein, das mich so angegrunzt hatte, hatte die Funktion eines Schülerlotsen. Als die Rotte den Weg gequert hatte, verschwand es ebenfalls im Wald. Am Ufer des Badesees schlich sich ein Fuchs etwa zwei Meter hinter mir in seinen Bau. Hätte es nicht im Unterholz geknackt, hätte ich es gar nicht bemerkt. Der Fuchs hatte ein kleines Blesshühnchen im Maul. Nach dem Schwimmen kam der Fuchs noch einmal an mir vorbei. Ich schien ihn überhaupt nicht zu stören. Das Wasser war 19 °C warm. Draußen an der Luft waren es 13 °C. Über dem Wasser schwebten Nebelschwaden. Am Horizont kam die goldene Sonne hinter den Bäumen hervor. Mit mir war nur der Haubentaucher und zwei kleine Haubentaucher im Wasser. Auf dem Heimweg kam mir ein anderer Fuchs auf dem Weg entgegen. Der war scheu. Er versteckte sich im Unterholz, als er mich sah und ihm klar wurde, daß wir den selben Weg benutzten.

Am Mittwoch (Tag 1463) lief ich wieder nur kurz.

Am Donnerstag (Tag 1464) eröffnete ich den Tag mit Krafttraining. Es ist mir eine Freude zu erleben, wie der Körper sich anpasst. Während ich das schreibe, ruft meine Mann: „Komm! Schnell!“. Auf unserem Großstadtbalkon im dritten Stockwerk saß im Balkonkasten ein karottenrotes Eichhörnchen! Wir legen immer etwas für die Vögel in den Balkonkasten. Offensichtlich war das Eichhörnchen neugierig geworden. Es war zwanzig Minuten im Balkonkasten. Dann kletterte es am rauhen Putz des Hauses hinauf auf das Dach und entschwand unseren Blicken. Später lief ich die Parkseerunde (7 km).

Am Freitag (Tag 1465) lief ich zum Ententeich.

Heute, am Samstag (Tag 1466) lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Sonne strahlte. Ein kühler Wind kräuselte den See. Wenn es nicht allzu heiß wird, werde ich gegen Abend noch turnen. Am Morgen war das Eichhörnchen wieder auf dem Balkon. Es saß eine Weilchen rechts auf dem Balkonkasten und genoss ein Nüsschen. Dann hoppelte es nach rechts auf den nächsten Blumenkasten und dort hoppelte es weiter und verschwand im Nichts. Es konnte nur vom Balkon in die Tiefe gestürzt sein! Ich war schockiert. Das Eichhörnchen war vom dritten Stock gestürzt! Oh Gott, oh Gott! Panik stieg in mir auf. Dann sah ich es auf der Kastanie, deren Ast zwei bis drei Meter entfernt und einen Stock tiefer in Richtung Balkon reicht. Es ging unbeschadet seiner Wege. Mir fiel ein Stein vom Herzen!

Vergnügliche Läufe am Morgen

Tag 1452. Vergnügliche Läufe am Morgen? Ja, tatsächlich. Ich kam gut aus dem Bett und die Atmung war auch extrem freundlich zu mir. In der frischen, kühlen Morgenluft konnte ich fröhlich vor mich hin traben. Das satte saftige Grün der Natur schien mich vorwärts zu tragen. Das Krafttraining kann ich nach gut drei Monaten recht gut mit der normalen Lauferei vereinbaren. Am 5. Juni werde ich vier Jahre täglich gelaufen sein. Am nächsten Samstag, dem 3. Juni, werde ich den Vier-Jahre-Jubiläumsbericht im Vorgriff auf den 5. Juni und im Vertrauen darauf, daß ich bis zum 5. Juni weiter laufe, schicken. Ganz leise jubelt es in mir jetzt schon.

Am letzten Sonntag (Tag 1446) war ich nur kurz laufen.

Am Montag (Tag 1447) war ich am Badesee (18 km). Die Morgendämmerung fing gerade an, als ich vor die Haustür trat. Es war menschenleer. Nur eine Nebelkrähe begrüßte mich. Es war ein kühler Morgen (8 °C), genau richtig zum Laufen. Im Park, durch den ich auf dem Weg zum See lief, traf ich einen Fuchs. Der Wald war erfüllt von Vogelgezwitscher. Vom See stieg Dampf auf. Zwei Menschen badeten. Das Wasser hatte 17 °C. Es fühlte sich lauwarm an. Ich ging nicht in das Wasser, denn ich hatte nur eine kurze Hose und ein kurzärmeliger T-shirt an. Ich fürchtete, niemals wieder warm zu werden, wenn ich in das Wasser gehen würde. Auf dem Heimweg gewann die Sonne fast minütlich an Kraft und es wurde immer wärmer. Zum Frühstück war ich wieder zu Hause.

Am Dienstag (Tag 1448) habe ich schon im Morgengrauen geturnt. Danach lief ich zum Ententeich. „Laufen“ ist natürlich übertrieben. Nicht nur weil ich diesen Begriff sowieso nie im Sinne der Leichtathleten benutze, sondern weil der Körper sich nach dem Turnen nur zu einem regenerativen Traben erweichen lässt.

Am Mittwoch (Tag 1449) war mal wieder die Parkseerunde angesagt (7 km). Es gab zwei Neuerungen: Adidas hat eine kleine Trimm-Dich-Station gespendet. So kann man eine Reckstange, einen Barren und eine Affenleiter benutzen. Außerdem stehen zwei „Hocker“ für Sprünge dort. Sehr viele junge Männer trainierten dort. Die Anlage wird also sehr gut angenommen. Die zweite Neuerung: im Parksee in der Mitte befand sich eine Insel, auf der für jedermann sichtbar ein Schwan brütete.

Am Donnerstag (Tag 1450) turnte ich am Morgen. Am Nachmittag lief ich die Parkseerunde (6 km). Zur Zeit vergesse ich häufig die Uhr an zustellen. So erscheint die Parkseerunde geschrumpft – ist sie aber nicht. Auf der kleinen Insel im Parksee habe ich den Schwan beim Brüten gesehen. Der/Die Partner/in stand daneben und putzte sich ausgiebig. Ein Mäuslein rannte über meinen Weg. Ansonsten waren viele Leute unterwegs. Außerdem flog die weiße Watte durch die Gegend, von der ich immer Schnupfen bekomme, husten und weinen muss. Schön war es aber doch. Die Sonne schien. Es war warm, aber nicht zu warm. Ein kühler Wind erfrischte.

Am Freitag (Tag 1451) war ich wieder auf der Parkseerunde (7 km). Ein Eichhörnchen lief mir über den Weg. Es trug ein kleines Fellbällchen in seinem Maul. Als es sich auf den Zaun setzte und kurz verschnaufte, konnte ich sehen, daß es ein winziges Eichhörnchen war. Offensichtlich zog die Mutter mit ihren Kindern um. Der Schwan brütete im Sonnenschein. Der Wind brachte Kühlung.

Heute, am Samstag (Tag 1452), bin ich wieder in der Morgendämmerung zum Badesee gelaufen (19 km). Zum ersten Mal in diesem Jahr bin ich im See geschwommen. Draußen waren es 12 °C, im Wasser 18 °C. Ich bin nur kurz geschwommen, weil ich befürchtete, daß ich danach nicht warm werden würde. Im Wasser war es kühl bis kalt. Die Atmung ging im Wasser viel besser als an Land. Auf dem Heimweg wurde ich schnell wieder warm. Ich hatte allerdings nach dem Schwimmen einen Pullover, einen Windschutz und eine lange Leggins angezogen. Stück um Stück verschwanden die Teile wieder im Rucksack. Die Sonne hatte viel Kraft, so daß mir zum Schluss schon fast zu warm wurde. Noch neun mal Laufen, dann sind vier Jahre vergangen, an denen ich täglich gelaufen bin.