Kalter Regen

Tag 507. In den letzten drei Wochen bin ich zweimal in der Woche jeweils eine Stunde im Schwimmbad geschwommen. Beim Schwimmen habe ich derzeit viel weniger Atemprobleme als beim Laufen. Ich kann auf der für sportliches Schwimmen vorgesehenen Bahn mit allen anderen, die sich auf diese Bahn trauen, mithalten. Nach dem Schwimmen bin ich natürlich richtig kaputt und das Laufen fällt dann extrem schwer. Am Tag nach dem Schwimmen kann ich aber meist schon wieder einen längeren Weg laufen. Allerdings steckt die Müdigkeit dann doch noch im Körper, vor allen Dingen sind die Atemmuskeln erschöpft. Auch wenn ich langsam laufe, muß ich schwer atmen und an ein „Die-Hügel-hinauf-und-hinunterfliegen“ ist nicht zu denken. Am Mittwoch (Tag 504) kam erschwerend hinzu, daß es der erste Tag mit kaltem Dauerregen war. Die Temperatur lag unter 10 °C. Ich bin zum Waldsee gelaufen. Die Wege waren teilweise kniehoch mit kaltem Wasser bedeckt. Ich bekam klamme Hände und nasse Füße. Zu Hause mußte ich heiß duschen, um wieder Gefühl in die kalten, steifen Finger zu bekommen. Und trotzdem: Es war ein herrlicher Lauf: Die Nässe brachte das Laub zum glänzen, die Wege waren menschenleer und das Geräusch des fallenden Regens war die Begleitmusik. Heute (Tag 507), am Samstag, stand wieder ein langer Lauf nach dem Schwimmtag an. Es war bedeckt und wieder unter 10 °C. Wenigsten gab es keinen kalten Regen. Diesmal war ich so schlau, leichte Handschuhe mitzunehmen und den Weg oberhalb des Sees zu laufen, so daß die Füße trocken blieben und die Hände warm. Das hat der Atmung etwas geholfen, aber die Schwimmeinheit von gestern steckte noch in allen Muskeln, so daß der heutige Lauf wirklich mühsam war, obwohl ich sehr langsam unterwegs war. In dieser Woche hatte ich insgesamt zwei lange Läufe und zwei Schwimmeinheiten, ansonsten nur Läufe zwischn 3 km und 6 km, insgesamt wieder 50 km. Mehr wäre nicht möglich gewesen. Ich bin gespannt, ob meine Körper sich in den nächsten Wochen anpassen kann.

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500 Tage täglich gelaufen

Tag 500. Nun habe ich also in den letzten 500 Tagen an 500 Tagen meine Laufklamotten angezogen, habe das Haus verlassen und bin draußen gelaufen. Das hat schon was. Auch wenn jeder einzelne Lauf ein einzelner Lauf ist, so hat die Reihe der Läufe doch auch eine eigenständige Bedeutung. Ich denke, erst die kontinuierliche Reihe der Läufe macht das Laufen zu einem Teil meiner Person. Mein Inneres ist reicher geworden. Laufen ist für mich erlebte Freiheit. Es gibt keine Vorschriften, die ich befolgen muß, keine Erwartungen, die ich erfüllen muß. Ich laufe, das ist alles. Laufen hat etwas animalisches. Wenn ich laufe bin ich. Es gibt kein Gestern und kein Morgen. Es gibt nur das Hier und Jetzt. Es gibt nur das Dasein. Anders gesagt: „Curro ergo sum“. Das täglich Laufen breitet in meinem Inneren eine gütige, milde Stimmung aus, die mich manchen Alltagskonflikt gelassen begegnen läßt. Mancher mag sagen, jetzt fehlt dir aber der „Biß“, wenn ich ich in Alltagskonflikten nur die Aufregung der kleinen Terrier sehe, die mit viel Gekläff zum Kampf um Nichts herausfordern. Manchmal muß ich dann laut lachen, was die kleinen Terrier dann auch nicht beruhigt. Vielleicht ist die innere Freiheit, die ich gewonnen habe das Wichtigste am täglich Laufen. Plötzlich lache ich herzlich an Stellen, an denen ich früher aggressiv und verbissen gekämpft habe. Ab und zu kann ich sogar über mich selber lachen. Zu Ehren eines echten täglich Läufers hier noch einen Link:

http://blacksensei.wordpress.com/

 

Glück gehabt!

Tag 494. Heute ist Sonntag und seit dem letzten Bericht ist schon wieder eine Woche vergangen. Nach dem anstrengenden Berg rauf, Berg runter von Samstag letzter Woche wollte ich diese Woche den Muskeln etwas gutes tun. Ich bin Dienstag und Freitag zum Schwimmbad geradelt und bin je eine Stunde geschwommen. Ich mag das Bahnenschwimmen, hasse aber die Damen, die mit hoch erhobenem Kopf ihre gerade mit Haarspray eingesprühte Frisur durch das Becken tragen. Das geht mir unheimlich auf die Nase. Nach dem Schwimmen waren die Muskeln wunderbar locker als hätte jemand die Muskeln massiert. Anstrengend war es auch, aber die Belastung ist ganz anders als beim Laufen. Diesmal ist meine Atmung beim Schwimmen immer besser geworden. Gelaufen bin ich meist abends mit Lampe und nur bis zum Ententeich. Oft hat der Lichtkegel meiner Lampe Karnickel erfasst und einmal einen Igel, der über den Weg rannte. Zweimal bin ich in der noch warmen Sonne zum Waldsee gelaufen. Im Wald blühten am Wegesrand weiße und gelbe Löwenmäulchen. Am Samstag bin ich dann wieder im Hellen die Parkrunde zum kleinen See gelaufen. Ein paarmal bin ich fast über ein Eichhörnchen gestolpert, weil es so emsig darin vertieft war, Löcher in den Waldboden zu graben, um Nüsse zu verstecken. Der dort ansässige Graureiher hat vor meinen Augen zwei Rundflüge über den See geflogen. Glück gehabt! Heute bin ich noch 17 km im Wald an den Seen entlang gelaufen. Ein Fischreiher saß auf einem im Wasser liegenden Baumstamm.

Schön war’s aber doch

Tag 486. Heute ist Samstag und herrlicher Sonnenschein. Ich bin vom großen Fluß durch den Wald zum See gelaufen. Dabei habe ich einen Trail entdeckt, der Berg rauf und Berg runter führt und außerdem im Kreis. Der ganze Weg war nie gerade, ging rechts rum und links rum und ich habe vollständig die Orientierung verloren: also genaus so wie man es sich nur wünschen kann. Weil es so schön war bin ich den Trail zwei mal gelaufen. Damit hatte ich die ersten gut sechs Kilometer schon hinter mir, ohne der Heimat näher zu sein. Bei Kilometer 13 war mir dann klar, daß ich fertig bin. Ich hätte noch 7 km bis nach Hause laufen müssen. Das wäre eine echte Quälerei geworden. Glücklicherweise fährt auf der Straße, über die ich normalerweise nur husche, um schnell im ruhigen Park zu verschwinden, ein Bus. Er fährt fast bis vor meine Haustür. Der Bus kam, ich sah ihn und stieg ein. Nie war eine Busfahrt so schön. Ich hätte nicht gedacht, daß so ein bißchen Steigung mich so fertig macht. Schön war’s aber doch.