Ein bisschen Schweineglück

Tag 449. Am Wochenende (Tag 444) bin ich das erstemal vom großen Fluß aus durch den Wald zu dem kleinen See in der Schlucht gelaufen. Es war mein hügeligster Lauf und wurde ohne Absicht mein bisher weitester Lauf (18 km). Als ich auf dem Rückweg von der Schlucht noch damit beschäftigt war, den  verwunschenen Anblick vor meinem inneren Auge zu bewahren, da standen plötzlich wie aus dem Nichts ein paar Wildschweine auf der kleinen sonnendurchfluteten Lichtung am Wegesrand: drei kleine braune, drei schwarze in mittlerer Größe und eine große kohlrabenschwarze Bache. Während die jungen Wildschweine eifrig Eicheln oder was auch immer vom Boden fraßen und nicht einmal den Kopf anhoben, schaute die Bache mit ihren kleinen schwarzen Knopfaugen sehr wach und aufmerksam zu mir herüber. Ihre großen runden Ohren waren auf mich gerichtet und der erstaunlich schlanke, muskulöse Körper durch und durch angespannt. Als ich vor Schreck langsamer wurde, stampfte sie mit dem Vorderfuß auf und grunzte mir ein „Hau ja ab!“ zu. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen und bin von Glück durchflutet nach Hause geflogen. Nachts konnte ich kaum schlafen, weil mir das Wildschwein immer wieder erschienen ist, sobald ich die Augen zugemacht habe. Heute war Tag 449 und ich bin zum Baden an den See gelaufen und wieder nach Hause (14 km). Ich habe das erstemal zu dem morgendlichen und abendlichen Hub Foster vor dem Schwimmen einen Hub Salbutamol benötigt. Hoffentlich hat das nichts zu bedeuten?

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Geht es weiter?

Tag 442. Na klar geht es weiter. Die Temperaturen sind auf angenehme Weise kühler geworden. Seit dem letzten Bericht bin ich zweimal um den Waldsee (14 km) gelaufen. Die Strecke ist lang genug, um sich einzulaufen. Da haben Ruhe und Entspannung genug Zeit sich als Begleiterinnen einzufinden. Ich kann es dem Tempo überlassen, mich zu finden. Laufen ist für mich nach wie vor das Leben mit der Natur. Ein sonnendurchfluteter Weg im Laubwald, auf dem ich vor mich hin trabe, ist pures Glück. Laufen ist der Blick hinter der nächsten Kurve auf den See, der gekräuselt von leichtem Wind, in der Sonne glitzert. Laufen ist der knallgelbe Pilz, der aus dem Baumstumpf herauswächst. Laufen ist der grüne Rasen auf der Lichtung zwischen den Birken. Laufen ist das rote Glühen der Kiefernstämme im Sonnenlicht. Laufen ist der weiche Waldboden, der federnd nachgibt. Ob es weiter geht? Na klar! Die Freiheit nehm‘ ich mir. Ich erlaufe mir weiterhin ein kleines Stückchen sorgenfreie Welt. Jeden Tag.

Es war ein Uhu

Tag 435. Seitdem ich morgens und abends je einen Hub Foster 100/6 nehme, läuft es sich noch leichter als je zuvor. Ich habe das Gefühl, daß die Lunge in Bereichen belüftet wird, in denen sich schon jahrelang kein Lüftchen mehr bewegt hat. Glücklich ist, wer das zu ihm passende Medikament gefunden hat. An Tag 431 bin ich wieder ganz früh zum See gelaufen, um die bernsteinfarbenen Augen, die -wie ich jetzt weiß- einem Uhu gehören, wieder zu sehen. Das Geländer an der Treppe war leer: kein Uhu saß da. Erst nachdem ich um den See herumgelaufen war, sah ich ihn, wie er seinen großen plumpen Körper mit Hilfe seiner riesigen Schwingen elegant durch die Baumwipfel steuerte. Ha, 14 km gelaufen, den Uhu gesehen und der ganze Sonntag lag noch vor mir. Ja das Leben kann nicht schöner sein! An Tag 432 unf 433 abends nur kurz gelaufen. An Tag 434 bin ich am Vormittag in strahlendem Sonnenschein wieder um den Waldsee (14 km) gelaufen. Es war warm aber nicht heiß und so war es ein Lauf, der jubelierende Hymnen und Gesänge verdient hätte. Heute wieder nur kurz gelaufen.

Bernsteinfarbene Augen

Tag 428. Vor Sonnenaufgang bin ich in das kühle Grau des aufkeimenden Morgens gelaufen. Auf dem Weg zum Waldsee bin ich an einem Feld vorbeigelaufen und aus der Ferne konnte ich einen Hahn krähen hören. Als Großstädter ist man sehr viel gewohnt, aber den Hahnenschrei am Morgen zu hören, das ist eigentlich unglaublich. Da ich den Hahn aber auch auf dem Rückweg noch einmal gehört habe, gehe ich nicht von einer Sinnestäuschung aus. Am Waldsee angekommen bot sich mir der romantische Blick über den See von dem die Nebelschwaden aufstiegen. Damit aber noch nicht genug. Als ich an der alten halb verfallenen Holztreppe vorbeilief schauten mich zwei große bernsteinfarbene Augen an. Auf dem Holzgeländer saß in ca. 3 m Entfernung ein ziemlich großer Greifvogel und schaute mir gelassen in die Augen. Mit den -so aus der Nähe- riesig und sehr kräftig anmutenden Krallen hielt er sich an dem Geländer fest und der Schnabel wirkte auch ziemlich scharf. Während ich an ihm vorbeilief und mich nochmal umschaute, um mir den Anblick möglichst genau einzuprägen, saß er friedlich auf seinem Geländer und schaute mir nach. Auf den letzten Kilometern kam dann die Sonne über die Baumgipfel, so daß die Hitze des Tages sich ankündigte und ich mit meinem Morgenlauf doppelt glücklich war.