Vergnügliche Läufe am Morgen

Tag 1452. Vergnügliche Läufe am Morgen? Ja, tatsächlich. Ich kam gut aus dem Bett und die Atmung war auch extrem freundlich zu mir. In der frischen, kühlen Morgenluft konnte ich fröhlich vor mich hin traben. Das satte saftige Grün der Natur schien mich vorwärts zu tragen. Das Krafttraining kann ich nach gut drei Monaten recht gut mit der normalen Lauferei vereinbaren. Am 5. Juni werde ich vier Jahre täglich gelaufen sein. Am nächsten Samstag, dem 3. Juni, werde ich den Vier-Jahre-Jubiläumsbericht im Vorgriff auf den 5. Juni und im Vertrauen darauf, daß ich bis zum 5. Juni weiter laufe, schicken. Ganz leise jubelt es in mir jetzt schon.

Am letzten Sonntag (Tag 1446) war ich nur kurz laufen.

Am Montag (Tag 1447) war ich am Badesee (18 km). Die Morgendämmerung fing gerade an, als ich vor die Haustür trat. Es war menschenleer. Nur eine Nebelkrähe begrüßte mich. Es war ein kühler Morgen (8 °C), genau richtig zum Laufen. Im Park, durch den ich auf dem Weg zum See lief, traf ich einen Fuchs. Der Wald war erfüllt von Vogelgezwitscher. Vom See stieg Dampf auf. Zwei Menschen badeten. Das Wasser hatte 17 °C. Es fühlte sich lauwarm an. Ich ging nicht in das Wasser, denn ich hatte nur eine kurze Hose und ein kurzärmeliger T-shirt an. Ich fürchtete, niemals wieder warm zu werden, wenn ich in das Wasser gehen würde. Auf dem Heimweg gewann die Sonne fast minütlich an Kraft und es wurde immer wärmer. Zum Frühstück war ich wieder zu Hause.

Am Dienstag (Tag 1448) habe ich schon im Morgengrauen geturnt. Danach lief ich zum Ententeich. „Laufen“ ist natürlich übertrieben. Nicht nur weil ich diesen Begriff sowieso nie im Sinne der Leichtathleten benutze, sondern weil der Körper sich nach dem Turnen nur zu einem regenerativen Traben erweichen lässt.

Am Mittwoch (Tag 1449) war mal wieder die Parkseerunde angesagt (7 km). Es gab zwei Neuerungen: Adidas hat eine kleine Trimm-Dich-Station gespendet. So kann man eine Reckstange, einen Barren und eine Affenleiter benutzen. Außerdem stehen zwei „Hocker“ für Sprünge dort. Sehr viele junge Männer trainierten dort. Die Anlage wird also sehr gut angenommen. Die zweite Neuerung: im Parksee in der Mitte befand sich eine Insel, auf der für jedermann sichtbar ein Schwan brütete.

Am Donnerstag (Tag 1450) turnte ich am Morgen. Am Nachmittag lief ich die Parkseerunde (6 km). Zur Zeit vergesse ich häufig die Uhr an zustellen. So erscheint die Parkseerunde geschrumpft – ist sie aber nicht. Auf der kleinen Insel im Parksee habe ich den Schwan beim Brüten gesehen. Der/Die Partner/in stand daneben und putzte sich ausgiebig. Ein Mäuslein rannte über meinen Weg. Ansonsten waren viele Leute unterwegs. Außerdem flog die weiße Watte durch die Gegend, von der ich immer Schnupfen bekomme, husten und weinen muss. Schön war es aber doch. Die Sonne schien. Es war warm, aber nicht zu warm. Ein kühler Wind erfrischte.

Am Freitag (Tag 1451) war ich wieder auf der Parkseerunde (7 km). Ein Eichhörnchen lief mir über den Weg. Es trug ein kleines Fellbällchen in seinem Maul. Als es sich auf den Zaun setzte und kurz verschnaufte, konnte ich sehen, daß es ein winziges Eichhörnchen war. Offensichtlich zog die Mutter mit ihren Kindern um. Der Schwan brütete im Sonnenschein. Der Wind brachte Kühlung.

Heute, am Samstag (Tag 1452), bin ich wieder in der Morgendämmerung zum Badesee gelaufen (19 km). Zum ersten Mal in diesem Jahr bin ich im See geschwommen. Draußen waren es 12 °C, im Wasser 18 °C. Ich bin nur kurz geschwommen, weil ich befürchtete, daß ich danach nicht warm werden würde. Im Wasser war es kühl bis kalt. Die Atmung ging im Wasser viel besser als an Land. Auf dem Heimweg wurde ich schnell wieder warm. Ich hatte allerdings nach dem Schwimmen einen Pullover, einen Windschutz und eine lange Leggins angezogen. Stück um Stück verschwanden die Teile wieder im Rucksack. Die Sonne hatte viel Kraft, so daß mir zum Schluss schon fast zu warm wurde. Noch neun mal Laufen, dann sind vier Jahre vergangen, an denen ich täglich gelaufen bin.

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Muh!

Tag 1445. Eine strahlende Woche ging lächelnd ins Land. Die Atmung war gut. Das Laufen durchflutete mich mit Glück. Neuerdings stehen auf der Weide am Forschungs-Bauernhof, an dem ich auf dem Weg zum Wald vorbeikomme, zwei junge Kühe. Ich habe mit freundlichstem Muhen versucht, ihnen einen kleinen Blick abzutrotzen. Aber das Gras schmeckte so gut, daß sie nicht für ein kleines Sekündchen den Blick hoben. Bei einer hatte ich den Eindruck, daß sie zumindest ihre Augen in meine Richtung drehte, während sie mit der Zunge ein Grasbüschel abriss und genüsslich verkostete. Da von mir aber Nichts als ein „Muh!“ kam, verlor sie das Interesse. Daneben stehen Schafe, ganz normale Schafe, die aussehen, wie die Schafe, die man zum Einschlafen zählt. Die gucken kurz, wenn ich „Hallo!“ rufe. Aus einem der Wirtschaftsgebäude höre ich hin und wieder den Hahn krähen. Gesehen habe ich ihn noch nicht.

Am letzten Sonntag (Tag 1439) war ich in strahlendem Sonnenschein am Ententeich. Endlich ist es warm! Juhu! Jetzt geht es wieder los!

Am Montag (Tag 1440) turnte ich am Morgen. Der Lauf zum Ententeich fiel in den Abend. Die Allee zum Park mit den mächtigen Kastanienbäumen wurde von einer Blechlawine überrollt. Die Stadtautobahn war nach einem Unfall gesperrt worden. Erschöpfte und entkräftete Autofahrer versuchten nach Hause zu kommen.

Am Dienstag (Tag 1441) und am Mittwoch (Tag 1442) lief ich eine etwas erweiterte Ententeichrunde. Plötzlich war der Hochsommer hereingebrochen. Die stolzen Kastanienblüten, die meinen ganzen Weg zum Park schmücken, dünsteten den Geruch überparfümierter Damen aus. Die Luft war schwül. Der Kreislauf war schlapp. Kurz: Es war ein Wetter zum unter den Teppich kriechen.

Am Donnerstag (Tag 1443) sollte es noch heißer werden. So lief ich noch vor Sonnenaufgang zum Badesee (19 km). Es war eine herrliche Ruhe in der Stadt. Erst im Wald wurde es laut. Von den Bewohnern des Waldes wurde gerade ein Vogelkonzert gegeben. Der Badesee war 17 °C warm. Ich ging bis zu den Oberschenkeln ins Wasser und machte eine kleine Kneippkur. Es war verdammt kalt und nachher brauchte ich ein Weilchen, um warm zu werden. Dann erwachten die Mücken und ich wurde als Blutkonserve auf zwei Beinen erkannt. Zum Trost quakten unzählige Frösche hinter mir her, als ich den Wald verließ.

Am Freitag (Tag 1444) turnte ich am Morgen. Danach war es schon so heiß, daß die etwas erweiterte Ententeichrunde schwer war. Das Sonnenlicht im Spiel mit dem Schatten der Bäume wurde von einem leisen Wind beflügelt und milderte die staubige Hitze.

Heute, am Samstag (Tag 1445), wollte ich wieder vor Sonnenaufgang zum Badesee laufen. Aber ich ich konnte mich nicht aus Morpheus Umarmung befreien. Ich kämpfte mit mir selbst den alljährlichen Kampf, die hellen Morgenstunden zu nutzen. Heute verlor ich leider. Morgens war es kalt, windig und dicke Wolken schienen Regen zu verheißen. So verschob ich die nächste Runde meines Kampfes. Heute ging es auf die Ententeichrunde. Morgen, am Sonntag, soll das Krafttraining den Vorrang haben und so bleibt für den nächsten Versuch der Montagmorgen.

Sonnenfinger

1438. Ich laufe zum See. Ich bin lebendig. Im Wald sprießt das Grün. Die Vögel singen. Der See wogt grau und kalt in seinem Bett. Junge Fische spielen im Wasser. Die Sonne schiebt die Wolkendecke zur Seite und wärmt mit ihren Strahlenfingern. Ein Blesshühnchen stößt einen markerschütternden Warnschrei aus – nur so – nichts ist passiert. Ein Zitronenfalter setzt sich am Wegensrand ins Gras. Saftiger Löwenzahn und Gänseblümchen schauen zur Sonne. Doch die Sonne zieht sich die Wolkendecke über den Kopf. Es wird kühl. Nach so einem Lauf schmeckt Essen doppelt gut. Wenn ich die Augen schließe stehe ich wieder am See und die Szene wird real. Das Leben da draußen bereichert mich. Innerer Frieden breitet sich aus. Ich träume.

Am letzten Sonntag (Tag 1432) und am Montag (Tag 1433) war ich auf der Ententeichrunde. Die Atmung ging gut. Am Montag turnte ich am Abend. Die Turnübungen, die mir vor 12 Wochen noch so schwer erschienen, werden von Mal zu Mal leichter. So habe ich die berechtigte Hoffnung, daß ich den Sommer über Laufen und Schwimmen werde, ohne die Übungen zu vernachlässigen. Insofern war das schlechte Wetter ein Glücksfall. Bei dem Mistwetter fiel es mir nicht schwer zu Hause zu turnen, statt durch den Wald zu laufen.

Am Dienstag (Tag 1434) war ich wieder am Badesee (19 km). Es war bewölkt und nieselte. Nur kurz kam die Sonne zum Vorschein. Der Wind wehte die ganze Zeit. Das prachtvolle Grün des Frühlings wurde gemütlich vom kühlen Wind gewiegt. Der Lauf war sehr ruhig und sehr entspannt. Die Muskeln konnten sich noch gut an das Turnen vom Vorabend erinnern. Und trotzdem hatte der Kraftzuwachs aus den letzten Wochen so manchen Hügel geschrumpft. Die Hügel werden immer flacher. Hoffentlich kann ich das Kraftelement noch weiter ausbauen. Innerlich jubelte es in mir, auch wenn ich weiß, daß noch Arbeit vor mir liegt. Im Wald waren nur wenige Menschen. Am See entledigte sich, gerade als ich ankam, ein Herr seiner Kleider. Er ging im kalten See Schwimmen – Brhh. Auf dem Heimweg flogen zwei Eichelhäher über meinem Weg. Einer hatte Futter im Schnabel. Als ich schon fast zu Hause war, huschte ein Eichhörnchen über die Straße.

Am Mittwoch (Tag 1435) turnte ich am Morgen. Erst am Abend lief ich zum Ententeich. An diesem Tag vor einem Jahr konnte ich das erstemal im Jahr im See schwimmen. Das schlechte Wetter hilft mir, mich weiter an das Krafttraining zu gewöhnen, ohne auf das Schwimmen verzichten zu müssen.

Am Donnerstag (Tag 1436) war ich wieder am Badesee (19 km). Das Wetter war ein Traum. Die Sonne schien. Der Himmel war blau. Ein kühler Wind wehte. Als ich auf dem Weg zum See hinunter war, flog der Schwarzspecht, den ich nur ein Mal vor langer Zeit gesehen hatte, über den Weg. Er setzte sich an einen Baumstamm, wie es die kleinen Spechte auch tun. Im See waren es schon 12 °C. Im Wasser sah ich den Haubentaucher und junge Fische. Auf dem Heimweg konnte ich im kurzärmeligen T-Shirt laufen. Die Leute lächelten und riefen: „Endlich! Endlich wird es warm!“.

Am Freitag (Tag 1437) lief ich zum Ententeich. Ich lief in der kurzen Hose und dem kurzärmeligen T-Shirt! Die Atmung ging gut. Die Wärme ging auf den Kreislauf.

Heute, am Samstag (Tag 1438) turnte ich am Morgen. Später lief ich zum Ententeich. Es war noch wärmer als gestern. Regen lag in der Luft. Regeneration nach dem Turnen tat gut. Ach ja, die Laufstatistik hatte ich letzte Woche vergessen. Jetzt habe ich es nachgetragen. Die Lungenfunktion hat sich kaum geändert. So geht es weiter mit frohem Mut hinaus in die schöne Welt!

Es grünt so grün

1431. Die grüne Welt umfängt alle Sinne beim Laufen. Mal verbreitet Regen seinen Glanz, mal durchflutet die Sonne das Grün. Hin und wieder bringt sich der kalte Wind in Erinnerung. Leider husten und schnupfen die Menschen. Noch behält mein Immunsystem die Oberhand. Mal ist die Atmung ausgesprochen gut, mal anstrengend. Wechselhaft wie das Wetter ist mein Laufmut. Bald werden die Eisheiligen durch die Lande gefegt sein. Bis dahin braucht es Geduld. Ich warte auf warme Sonnentage und laue Winde.

Am letzten Sonntag (Tag 1425) turnte ich am Morgen. Die Übungen habe ich nun dreißig mal geturnt. Ich fühlte mich dabei schon recht souverän. Nur die einbeinigen Kniebeugen fallen mir noch unverhältnismäßig schwer. Später lief ich im Sonnenschein zum Ententeich. Es war aber kalt und windig. Dennoch war die Atmung sehr gut.

Am 1. Mai (Tag 1426) lief ich die Ententeichrunde. Die Sonne schien und es wehte ein nicht allzu kalter Wind. Die Atmung ging gut.

Am Dienstag (Tag 1427) lief ich im Wald (10 km). Es war stürmisch. Die Bäume bogen sich im Wind. Es waren nur wenige Menschen unterwegs. Auf dem Heimweg fing es an zu tröpfeln. Die grüne Pracht der Pflanzen wird sich am Regen erfreuen. Ich war froh, vor dem großen Regen wieder zu Hause zu sein.

Am Mittwoch (Tag 1428) lief ich zum Badesee (19 km). Zum ersten Mal in diesem Jahr saß ein Fischreiher mit ausgebreiteten Flügeln da und trocknete sich in der Sonne. An meiner Einstiegsstelle in den See tauchten acht kleine Federbällchen auf. Zunächst waren sie ganz allein. Dann kam der Erpel hinzu und später auch die Ente. Das Wasser hatte für mich zu kalte 8 °C. Die Luft war wärmer als an den Tagen zuvor. Aber der erwartete Regen blieb weitgehend aus. So war die Erde recht staubig. Die Pflanzen waren noch grün, aber warteten auf richtigen Regen.

Am Donnerstag (Tag 1429) lief ich zum Ententeich. Es regnete stark. Es grünte so grün! Ich hörte zwei verliebte Krähen. Sie machten ein Geräusch, das zwischen Gurgeln und einem sehr lauten Schnurren einer Katze lag. Sie befanden sich auf einem Dach und waren pudelnass. Der Regen störte das Liebespärchen überhaupt nicht. Abends turnte ich die erste Hälfte der Übungen.

Am Freitag (Tag 1430) plagte mich Muskelkater. Auf der Ententeichrunde überfiel mich ganz unverhofft die Atemnot. Ich hatte kein Salbutamol dabei. So beließ ich es bei einem sehr kurzen Lauf. Abends ließ ich die zweite Hälfte der Turnübungen ausfallen. Ich ging früh ins Bett. Schade!

Heute, am Samstag (Tag 1431), war alles wieder gut. Ich lief zum Ententeich. Die Kastanien hatten sich über Nacht mit weißen Kerzen geschmückt. Die Sonne verbarg sich hinter Hochnebel. Am Nachmittag wird geturnt.