Meine Atmung ist so leicht geworden

Tag 421. Heute bin ich wieder vom großen Fluß über den Berg an den beiden Seen vorbei nach Hause gelaufen. Meine Atmung ist so leicht geworden, die Beine so flink und die Wege so kurz. Na ja, das ist ein bißchen gesponnen. Aber mir sind die 14 km erstaunlich leicht gefallen und ich war hinterher noch frisch und fröhlich. Allerdings fordert die Euphorie der letzten drei Wochen mit dem anderen Medikament (Foster 100/6, tgl. 1 x) jetzt doch als Tribut eine gewisse mentale und körperliche Erschöpfung. Man kann sich ja nicht ewig freuen und sich täglich immer wieder beweisen, daß nicht die Atmung sondern die Beinmuskeln die Leistungsfähigkeit begrenzen. Die Beine sind jetzt müd‘ geworden von dem auf und ab der Hügel. Sicher hat auch das 9 mal früh Aufstehen in den letzten zwei Wochen zu meiner Ermattung beigetragen. Ich habe mir deshalb erstmal wieder etwas Geduld und ruhiges Laufen verordnet: ja nicht übertreiben, immer schön auf den Körper hören, hab‘ Spaß beim Laufen, aber nach dem Laufen muß noch genug Energie für den restlichen Tag vorhanden sein. Dieser Vorsatz ist heute voll erfüllt worden. 

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Immer noch Laufen am Morgen

Tag 413. Wegen der Hitze bin ich jetzt schon sechs Mal in Folge sehr früh morgens aufgestanden und losgelaufen. Nach dem ersten sehr schweren Morgen viel es mir zunehmend leichter und ich konnte immer mehr genießen, daß kein Auto unterwegs war und nur ganz wenige Menschen. Außerdem konnte ich mit der veränderten Medikation jetzt wieder locker und vergnügt laufen. Das Herz mußte weniger arbeiten und weil das Schnaufen beim Laufen so viel leichter ist, legte ich hin und wieder mal einen Zwischenspurt ein und hängte hier und da mal eine kleine Runde dran. Zweimal stand plötzlich ein Fuchs in meinem Weg und heute morgen habe ich im Ententeich einen Reiher stehen sehen. Die Karnickel, an denen ich vorbeilaufe, kann ich gar nicht zählen. Wenn ich auf dem letzten Kilometer wieder auf dem Bürgersteig an der Wohnstraße nach Hause laufe, freue ich mich schon auf eine kühle Dusche und noch ein Stündchen Zeit zum Schlafen, bevor der Tag wirklich beginnt. Nach diesem einen Stündchen Schlaf fühle ich mich fast vollständig regeneriert. Vielleicht werde ich doch noch zum Morgenläufer. Auf jeden Fall aber ist es eine sehr schöne Abwechslung, weil die Stimmung am sehr frühen Morgen vor einem heißen Tag etwas ganz besonderes, ja, fast etwas heiliges hat.

In der morgendlichen Ungestörtheit

Tag 408. Aus Furcht vor der drohenden Hitze bin ich heute mal wieder bei Sonnenaufgang losgelaufen. Kühle, feuchte Luft, die schon herbstliche Nebelschwaden ahnen lassen, umgab mich. Mein Herz blieb im Schlafmodus, die Herzfrequenz wollte einfach nicht ansteigen. Also wurde es ein einstündiger langsamer Regenerationslauf. Dank der veränderten Medikation fließt ja nun Atem da, wo er sonst jäh von verengten oder gar zusammenfallenden Bronchien gestoppt wurde. Nachdem ich in den letzten Tagen die neugewonnene Luft voll ausgekostet habe, sind Bein- und Atemmuskeln von der zusätzlich anflutenden Luft ermüdet. Jedenfalls wollte heute morgen der ganze Körper weiterschlafen. So schön der frühe, unberührte Morgen ist, er schien heute meinen ganzen Körper zu lähmen. Nicht einmal die Frau, die in der morgendlichen Ungestörtheit Weitwurfübungen mit Hundeleckerli machte, so daß abwechselnd ihr dicker Hund und zwei Krähen losrannten um Hundeleckerli zu erhaschen, konnten mich aus dem Halbschlaf reißen. Morgen wird es wieder heiß. Hoffentlich wache ich morgen wieder auf.

Laufwetter vom Feinsten!

Tag 405. Es war eine gute Woche. Ich habe einen anderen Lungenarzt. Der neue Lungenarzt zeigte sich sogar wohlwollend und interessiert an meiner Lauferei. Sogar für meine Empfindlichkeit gegen Nebenwirkungen von Medikamente hatte er Verständnis und machte geduldig Vorschläge. Mit einem Medikament, das ich jetzt seit ein paar Tagen nehme, kann ich frei durchatmen, locker laufen und es fühlt sich sehr gut an. So bin ich am Samstag endlich mal wieder vom großen Fluß durch den Wald über den Berg am See vorbei nach Hause gelaufen und -weil es so schön war- heute, am Dienstag, gleich nochmal. Die Hitze hielt sich in Grenzen. Die Luft war durch nächtliche Gewitter und Regen reingewaschen. Der Himmel war strahlend blau. Die Sonne wurde immer wieder von weißen Wolken verdeckt. Ein leichter Wind verschaffte etwas Kühlung. Laufwetter vom feinsten! Mehr Genuß kann man für kein Geld der Welt erhalten. Manchmal denke ich, ein Mensch, der nicht läuft, der verfehlt sein Menschsein. Freier und mehr in der Welt fühlte ich mich nur sehr selten.

Laufen am Morgen

Tag 394. Heute bin ich schon vor 5.00 Uhr aus dem Bett gefallen. Nach ein paar Tassen Kamillentee bin ich in den Morgen gelaufen. Die Luft war kühl und klar. Es wehte ein zarter Wind. Spatzengrüppchen pickten schon eifrig auf dem Bürgersteig herum und die Amseln flohen vor meinen Schritten ins Gebüsch. Im Park war auf dem Rasen jeder Quadratmeter von Karnickeln besetzt und die Krähen zerrten den Müll aus den Papierkörben. Eine kleine Krähenfamilie war gerade als ich vorbeilief andächtig in den Genuß einer Portion Pommes Frites vertieft. Scheinbar also ein Morgen wie jeder andere. Am kleinen See stand heute allerdings kein huldvoll blickender Graureiher. Als aber die riesige imposante Weide am Ufer in mein Blickfeld geriet konnte ich es kaum Glauben. Wie zwei große graue Flecke saßen zwei Graureiher friedlich nebeneinander auf der Weide und genossen den Sonnenaufgang. Die riesigen Tiere auf der riesigen Weide friedlich hockend wie ein altes Ehepaar zu sehen, war fast absurd. Unmittelbar hinter diesem idyllischen Bild erheben sich Hochhäuser und die Schornsteine einer Heizkraftanlage. Laufen am Morgen hat was, spätestens nach diesem Anblick habe ich daran keinen Zweifel mehr.