Wildgänse am Wegesrand

1389. Entspanntes Trotten durch die Natur und Turnen, vornehm: Krafttraining, erfreute diese Woche Körper und Seele. Insgesamt hatte eine unaufgeregte Zuversicht in mir ihr Zuhause gefunden. Eine Grundstärke verdrängt allmählich die Grundmüdigkeit, die mich befallen hatte. Wenn mir die Infekte vom Leibe bleiben, die derzeit die Leute zu Dauerhustern mutieren lassen, dann sind die Aussichten für die kommenden Zeiten erfreulich. Gute Besserung allen Kranken!

Am letzten Sonntag (Tag 1383) lief ich bei Regen und kalter Luft zum Ententeich. Nur ein paar Jogger und ein paar Leute mit Hund waren unterwegs. Morgens hatte ich geturnt.

Am Montag (Tag 1384) trottete ich um den Waldsee (14 km). Es war ein lauwarmer Tag und auch der Regen war lauwarm. Der Wald schimmerte moosgrün. Die Seele ließ ich baumeln. Es war eine gute Einleitung für einen guten Tag.

Am Dienstag (Tag 1385) war ich auf der Ententeichrunde. Es regnete und ein kalter Wind trieb mich an. Die beiden Schwäne am „Füttern Verboten“-Schild waren nicht mehr da. Dafür hat das Eichhörnchen auf dem Birnenbaum vor dem Küchenfenster an seinem Nest weiter gebaut.

Am Mittwoch (Tag 1386) ging es auf die Ententeichrunde. Die Sonne schien. Der kalte Wind riss die aufkommenden Frühlingsgefühle mit sich. Die beiden Bettel-Schwäne waren wieder auf dem Ententeich und ließen sich von den Passanten füttern. Am Morgen hatte ich geturnt.

Am Donnerstag (Tag 1387) war ich auf der etwas erweiterten Waldseerunde (15 km). Es regnete und es war kalt. Der Wald war ruhig und moosig. Am Waldsee standen zwei beige-braun-gemusterte Wildgänse drei Meter neben dem Weg. Sie sahen gesund und herrlich aus mit ihren orangefarbenen Schnäbeln. Ich habe das erstemal solche Wildgänse aus unmittelbarer Nähe gesehen. Auf dem See schwammen neben den üblichen Enten und Blesshühnern chinesische Kaiserenten, was auch ungewöhnlich war.

Am Freitag (Tag 1388) war der schönste Sonnentag. Morgens hatte ich geturnt und unmittelbar danach genoss ich die Ententeichrunde. Für einen kurzen Moment konnte ich den Windschutz ausziehen und im kurzärmeligen T-Shirt die Sonne auf der Haut spüren. Es war aber doch sehr kalt und windig, so daß ich ziemlich bald den Windschutz wieder überstreifte.

Heute, am Samstag (Tag 1389) begleitete mich wieder die lächelnde Sonne auf der Ententeichrunde. Anfangs konnte ich sehr gut atmen, dann aber war der Wind doch wieder schneidend. Es ist das ewige Auf und Ab, wobei sich jetzt gerade das Auf am Horizont abzeichnet.

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Zauberkräfte

1382. Das Turnen wird allmählich zur Gewohnheit, ist aber immer noch anstrengend. Nachdem ich in knapp sechs Wochen fünfzehn mal die neuen Aufgaben durchgeturnt habe, erahne ich den Vorzug der Muskelkraft, auf die die Übungen abzielen. Ich bin geneigt, der anstrengendsten Übung, der einseitigen Kniebeuge, eine Zauberkraft zuzuschreiben. Denn wo ich bisher der Schwerkraft unter Ächzen entgegen wirken musste, fühlt es sich nun an, als ob eine unsichtbare Kraft den Körper nach oben katapultiert. Wenn das so weiter geht, werde ich wohl bald die Treppe in den dritten Stock hochsprinten können!

Am letzten Sonntag (Tag 1376) lud freundlicher Sonnenschein zur Parkseerunde plus (8 km) ein. Wo es windstill war, war es warm. Meist wehte ein kalter Wind. Er konnte aber die Knospen nicht davon abhalten, erste Blättchen der Sonne entgegen zu schicken. Hoch oben auf einem Baum saß der Park-Habicht und ließ sich seinen fast weißen Bauch von der Sonne bescheinen. Ein Eichhörnchen nutzte die sonntägliche Ruhe auf dem Spielplatz des Kindergartens zur Nahrungssuche.

Am Montag (Tag 1377) war ich auf der ein wenig erweiterten Ententeichrunde (4 km). Jemand hat an einem Baum einen Nistkasten angebracht. Der Nistkasten hat ein flaches Dach. Auf diesem Flachdach schlief ein Eichhörnchen tief und selig. Geturnt hatte ich schon am Morgen.

Am Dienstag (Tag 1378) machte mir auf der Parkseerunde (8 km) gleich zu Anfang ein Bussard Sorgen. Er versuchte im Segelflug Höhe zu gewinnnen. Eine johlende Krähe, die etwa halb so groß war wie der edle Segler, flog neben und über ihm und verhinderte so seinen Aufstieg. Als ich am Nistkasten vorbei kam, rannte gerade eine Eichhörnchen in den Nistkasten und kam sofort wieder heraus. Es wirkte, als sei das Eichhörnchen in dem Häuschen auf den wahren Besitzer gestoßen und verjagt worden. Als ich am Parksee ankam, hörte ich reisende Kraniche oder Wildgänse in luftigen Höhen singen. Zunächst konnte ich keine Vögel sehen. Ich glaubte schon, sie flögen über den Wolken. Der für reisende Vögel typische Singsang wurde immer lauter und ich war schon ganz beunruhigt. Als ich über die Brücke lief und einen freieren Blick hatte, da sah ich am Himmel ca. zehn Keilformationen mit etwa je zwanzig Vögeln. Abends turnte ich.

Am Mittwoch (Tag 1379) war der Tag der kurzen Strecke. Auf dem Birnbaum im Garten baute ein karotten-rotes Eichhörnchen auf Höhe unseres Küchenfensters (dritter Stock) ein neues Eichhörnchen-Nest. Vor Jahren hatte schon einmal eine Eichkatzen-Mama im Birnbaum gewohnt. Damals schauten wir ihr jeden Mittag zu, wenn sie sich zum Ausgehen fein machte. Nun hoffen wir auf eine Wiederholung.

Am Donnerstag (Tag 1380) turnte ich am Morgen. Später lief ich zum Ententeich. Dabei lief ich an dem Niestkasten mit Flachdach vorbei. Der Ausgang des Nistkasten war mit einem braunen Kegel verstopft. Ich ging ganz nah an den Kasten heran. Auf dem Kegel befanden sich braune Knopfaugen. Es stellt sich heraus, daß der Kegel das Schnäuzchen des Eichhörnchens, das aus dem Häuschen herausschaute, war! Für wen auch immer das Häuschen gedacht war. Nun war es ein Eichhörnchenhäuschen.

Am Freitag (Tag 1381) lief ich die Waldseerunde (14 km). Die Luft war feucht und es war dämmerig, als ob in den nächsten Minuten ein Unwetter losbrechen würde. Es blieb aber auf dem ganzen Weg trocken. Nur die kalten Windböen passten zu den dunklen Wolken. Am Rand der Parkwege zum Wald erfreuten Krokusse aller couleur das Auge. Ein Eichhörnchen und ein Specht huschten geschäftig vorbei. Ansonsten war es still und friedlich.

Heute, am Samstag (Tag 1382) ging es durch kalten, brausenden Wind am Ententeich vorbei. Der Wind riß die Wärme der vereinzelten Sonnenstrahlen mit sich. Die beiden Schwäne halten sich immer noch am „Füttern verboten!“-Schild auf.

Ein Eimer fiel vom Himmel

1375. Anfang der Woche wollte mich das Selbstmitleid noch in einen Abgrund schlechter Laune reißen. In der Mitte der Woche entdeckte ich dann den Weltrekordhalter der Frontstütz, Mao Weidong. Ich erfuhr, daß Krafttraining für Kranke und für Supermänner das selbe Training ist. Das hob meine Laune. Gut gestimmt wagte ich mich wieder auf die etwas längere Waldseerunde. Es war ein schönes Erlebnis. Ich fühlte die Kraft aus dem Training der letzten Wochen. Es bestärkte mich darin, das Krafttraining unbedingt und vorrangig weiter zu betreiben. Im weiteren Verlauf der Woche hielt meine gute Laune an und nichts konnte sie schmälern.

Am Sonntag (Tag 1369) waren die Wege voller großer und kleiner hustender Leute. Da bin ich gar nicht tapfer gewesen und habe nach läppischen 4 km abgebrochen. Geturnt hatte ich schon am Morgen.

Am Montag (Tag 1370) lief ich wieder die Parkseerunde plus (8 km). Es war graues Wetter und zum Schluss fing es sogar an zu regnen. Aber die Luft war angenehm. An einer Stelle blühten schon die Krokusse. Mir ging es gut und der Lauf war locker. Trotzdem hatte ich schlechte Laune.

Am Dienstag (Tag 1371) war ein Tag der Erledigungen. So lief ich nur 4 km.

Am Mittwoch (Tag 1372) turnte ich morgens. Das Turnen klappte schon etwas besser. Die Frontstütze (engl. plank) schaffe ich gerade mal eine Minuten am Stück, bevor ich anfange zu zittern, zu schwitzen und zu schnaufen. Die Weltrekordhalterin Maria Kalimera aus Zypern schafft eine Frontstütz ohne Pause 3 Stunden und 31 Minuten lang. Der chinesische Polizist Mao Weidong hält den Weltrekord mit acht Stunden, einer Minute und einer Sekunde. Ich glaube, für so einen Weltrekord braucht es keine besonders starke Lunge. Starke Muskeln und Sehnen dürften reichen? Das wäre doch mal ein Wettbewerb? Abends ging ich auf die Ententeichrunde plus (4 km).

Am Donnerstag (Tag 1373) wollte ich herausfinden, ob ich je wieder die 14 km um den Waldsee laufen kann. Es ging. Und es war nicht einmal besonders anstrengend. Das Wetter war kühl. Die Sonne zeigte sich nicht. Dafür hatten es einige Hunde auf mich abgesehen. Ich wurde so oft wie selten bekläfft und besprungen. Keine Situation war bedrohlich. So beruhigte ich die jeweiligen Herrchen und Frauchen mit einem „Ach, macht doch nichts!“.

Kurz vor zu Hause sah ich, wie Bauarbeiter an einem ziemlich wagemutig angebrachtem Seilzug hantierten. Ich versicherte mich, daß gerade keine Last transportiert wurde und ging auf dem Gehsteig an dem Haus mit dem Gerüst vorbei. Da hörte ich ein Brüllen: „Achtung!“. Ich dachte noch, das „Achtung!“ kann mich nicht meinen. Aber kraft irgendeiner Eingebung fing ich doch an zu sprinten. Da krachte es schon und ich stand in einer Staubwolke. Als sich der Staub gelegt hatte, war ich umringt von mehreren Menschen, die mir ihre Hilfe anboten. Ich lachte und sagte: „Ist doch nichts passiert!“. Die Leute sagten mir dann, daß ich von oben bis unten mit Dreck bedeckt sei. Unmittelbar hinter mir lag ein zerborstener Eimer und der ganze Gehsteig war von Schutt bedeckt. Die Bauarbeiter gaben mir eine Visitenkarte und drückten mir ihr Mitleid aus. Zu Hause steckte ich meine Kleidung in die Waschmaschine und wusch mich selbst von Kopf bis Fuß. Ich sah aus, als hätte ich in einem Katastrophenfilm die Rolle des Todeskandidaten gespielt.

Am Freitag (Tag 1374) war ich auf der Parkseerunde plus (8 km). Es war kalt. Ein unfreundlicher Wind wehte. Die Weiden am See trugen kleine Kätzchen. Die Kätzchen ließen das Ufer seidig weiß schimmern.

Heute, am Samstag (Tag 1375) turnte ich gleich am Morgen. Danach ging ich auf die Parkseerunde plus (8 km). Es war ein schöner Tag. Gelegentlich schaute die Sonne aus ihrer Wolkendecke hervor. Den Habicht, den ich meist nur höre, konnte ich heute sehen. Er saß in großer Höhe auf einem Baum. Zwei Schwanzmeisen, die ich noch nie gesehen hatte, spielten am Wegesrand. Die zwei Schwäne aus dem Parksee sind inzwischen im Ententeich angekommen. Dort schwimmen sie erwartungsfroh neben dem Schild „Füttern Verboten“. Denn dort stehen nicht nur die Omas mit den Enkeln und füttern die Wasservögel. Auch die riesigen Goldfische kommen im Schwarm herbei. Denn sie wollen ebenfalls an der verbotenen Fütterung teilhaben.

Der Frühling ist da!

1368. Der Winter-Tunnel ist durchlaufen. Das Licht am Ende ist sichtbar. Die Tage werden länger. Die Vögel singen. Es wird wärmer. Das tägliche Laufen habe ich den Winter über beibehalten, wenn auch mit deutlich verkürzten Läufen. Häusliches Krafftraining hat mich in diesem Winter über die Tage mit schneidenden Eiswinden hinweg getröstet. Dabei konnte ich wieder einmal erleben und erlebe es noch, wie sich der Körper anpasst. Die Anpassung ist eine (un)endliche Spirale nach oben. Wenn man bedenkt, daß bei der Krankheit die übliche Spirale abwärts geht, dann ist jeder Zugewinn ein doppelter Gewinn. Und wenn ich hier schon ein Kalkül anstelle, dann muß ich sagen, daß der Gewinn durch die Körperertüchtigung exponentiell steigt, wenn die Lebensqualität bedacht wird. Einen Körper zu besitzen, der befähigt ist, den Alltag nahezu problemlos zu bewältigen, kann man gar nicht hoch genug veranschlagen. Es schafft Freiheit! Ob man es nun Sport, Spaß an der Bewegung, Training oder was auch immer nennt: Es lohnt sich.

Am letzten Sonntag (Tag 1362) war es nur kalt, ohne Eiswind. Auf dem Weg zum Badesee sangen die Vögel und die Spechte klopften um die Wette. Der Badesee war schon aufgetaut. Auf dem Waldsee dagegen schwammen noch große Eisschollen herum.

Am Montag (Tag 1363) lief ich die Parkseerunde. Die Sonne schien. Es war nicht mehr so kalt wie an den Tagen zuvor. Ein Falke flog direkt auf mich zu und setzte sich zum Greifen nah auf einen Ast neben mir. Im Parksee schwamm ein Schwanenpaar. Der eine oder andere Busch in sonnigem Windschatten hatte schon erste grüne Blättchen. Bei den Blüten der Haselnußbäume sind die Männchen schon bereit, die Weibchen aber noch nicht. Abends turnte ich.

Am Dienstag (Tag 1364) war ich wieder auf der Parkseerunde. Das Schwanenpaar war immer noch auf dem See. Die Sonne schien. Der Himmel war bis auf große weiße Wolkenschiffe blau. Der immer noch kalte Wind pfiff. Er riss die Körperwärme an sich.

Am Mittwoch (Tag 1365) hatte ich wieder Lust auf die Parkseerunde. Die Sonne schien, aber es war kalt. Immer wieder regnete es kalte Tropfen, die mir der Wind in das Gesicht trieb. Schön war es. Mein Körper nach zwei Kilometern bleischwer. Geturnt hatte ich schon am Morgen.

Am Donnerstag (Tag 1366) pfiff auf der Parkseerunde ein kalter Wind, der die Luft zum Atmen vor dem Mund weg zu reißen schien. Außerdem wurde mir der Regen in das Gesicht geweht. Es war anstrengend aber abenteuerlich, denn die Bäume bogen sich im Wind und der kleine See war aufgewühlt. Yippie Yeah! So fühlt sich Leben an!

Am Freitag (Tag 1367) war ich wieder auf der Parkseerunde. Die Sonne schien und es wäre ohne den Wind der erste Frühlingstag gewesen. Die weiblichen Haselnuss-Blüten schlüpften gerade aus der Knospe. Ein Spatz trug Nistmaterial herum und eine Krähe flog das Nest hoch oben in der Pappel an. Abends turnte ich.

Am Samstag (Tag 1368) war die Parkseerunde die Krönung einer anstrengenden Woche. Es war windstill und warm. Ein Habicht flog mit seinen Jagdrufen über meinen Weg. Die beiden Schwäne strahlten im Sonnenschein. Zwei bunte Entenmänner stritten sich um ein unscheinbares braunes Weibchen. Ein dürres Eichhörnchen flitzte einen Stamm hinunter und saß wie erstarrt am Boden. Lauter fröhliche Jogger und sonstige Bewegungsmutige waren unterwegs, ein älterer Herr sogar mit Sauerstoff. Der Frühling ist da!