Weiter geht’s!

Tag 1025. Morgen fängt das fünfte Jahr sportliches, gesundes Leben an. Mir geht es tausendmal besser als im März 2012. Vier Jahre habe ich überhaupt nicht geraucht, null, nada. Dazu kam Sport und seit Juni 2013 täglich Laufen. Das macht nicht nur gute Laune. Es hilft dabei, die Krankheit etwas in Schach zu halten, so daß sie vorerst nicht wagt, ihre grässliche Fratze zu zeigen. Anfangs konnte ich nur spazieren gehen und musst dabei immer wieder stehen bleiben und um Atem ringen. Heute ärgere ich mich, wenn ich beim Joggen an einem längeren steilen Hügel außer Atem komme. Und dabei glaube ich, daß die Trainingseffekte noch lange nicht ausgereizt sind.

Neulich habe ich bei Mike Prevost, einem Captain der amerikanischen Navy gelesen, daß beim Laufen im steady-state, also zwischen 60 – 80 % der maximalen Herzfrequenz, d.h., gefühlt nicht leicht, aber auch nicht schwer, über sehr viele Jahre gleichmäßige Steigerungen der körperlichen Leistungsfähigkeit möglich sind. Der Soldat nannte das „recreational running“. Genau das mache ich ja. Nämlich Laufen, um mich zu erholen, um eine gewisse Fitness zu haben, um Bewegungsmangel auszugleichen. Dabei belaste ich mich, aber ich erschöpfe mich nicht. Er empfahl um die 100 Wochenkilometer zu laufen. O.k, bis ich das laufen kann, dauert es noch eine Weile. Und wenn man also 100 km in der Woche eher locker läuft, findet über viele Jahre eine Veränderung in der Art statt, daß man bei gleichbleibender Intensität schneller wird. Für Elite-Läufer ist das natürlich nicht genug. Aber mit dem Wort recreational running hat er mich sehr gut beschrieben. Und er meinte sogar, daß diese Beschreibung wohl auf fast alle Läufer zutrifft.

Andreas Wiesinger ist da schon eher ein Elite-Läufer. Er ist hier erwähnenswert, weil er in den Jahren 2009 und 2010 mit dem Vereinsnamen „COPD und Jetzt Erst Recht!“ angetreten ist. Auf dem Blog des Berchtesgadener Land kann man seine ganze Geschichte lesen.

Diese Woche bin ich an mehreren Tagen eher wenig gelaufen. Manchmal tut das einfach gut. Mein Körper war müde und ich gönnte ihm diese Regenerationstage. So könnte es sein, daß ich diesen Monat die 300 Kilometer nicht erreichen werde. Aber wie gesagt, ich trainiere nicht, sondern ich erhole mich durch Laufen.

Am letzten Sonntag (Tag 1019) bin ich vier Kilometer durch den Park geschlichen und habe damit die achtziger Wochenkilometermarke erstmals überschritten. Das war für mich eindeutig zu viel. Die Kraft hatte mich verlassen. Ich konnte nur in Zeitlupe laufen. Aber es hatte etwas sehr angenehmes, beschauliches. Die körperliche und mentale Schwäche erlaubte es mir, wirklich regenerativ zu laufen. Der Lauf blieb in allen Teilen leicht und gerade deshalb fühlte es sich gut an.

Am Montag (Tag 1020) bin ich wieder nur die vier Kilometer im Park gelaufen. Ich war im Regenerationsmodus und das war sehr angenehm. Eine leise Erschöpfung spürte ich noch. So lief ich im langsam und fühlte mich, während ich immer nasser wurde, leicht wie eine Tänzerin im Regen.

Am Dienstag (Tag 1021) ging es dann wieder auf die Seerunde (20 km). Es fühlte sich gut an, aber eine Grundmüdigkeit wollte nicht verfliegen.

Am Mittwoch (Tag 1022) gönnte ich mir dann wieder einen ruhigen Tag auf der vier Kilometer kurzen Parkrunde.

Am Donnerstag (Tag 1023) schien der Akku immer noch ziemlich leer. So wollte ich wieder langsam und gemütlich die vier Kilometer im Park laufen. Eine auf einem Fahrrad rasende Frau mit Sauerstoff-Rucksack und Nasenbrille überholte mich. Ich war beeindruckt, wie vital die Frau wirkte. Irgendwie hat mich das beflügelt und mein Parkläuflein bekam richtig Schwung.

Am Freitag (Tag 1024) war noch einmal Ausruhen angesagt und ich lief nur die Meile. Das Ausruhen fühlte sich nicht mehr so gut an. Aber zu mehr fehlte mir der Schwung.

Heute, am Samstag (Tag 1025) fiel ich ganz früh aus dem Bett. Ich fühlte mich gut erholt. So konnte ich noch vor der Dämmerung zum Wald und Badesee laufen (19 km). Nach den ruhigen Tagen fühlte sich das gut an. Als der Tag heraufdämmerte, kamen mir im Wald zwei Wildschweine und ein kleines braunes Kinderschweinchen entgegen. Das Führungsschwein grunzte mich an und schaute sehr aufmerksam. Da wir genug Platz hatten, konnten wir ohne große Aufregung aneinander vorbeilaufen. Jeder trottete unter genauer Beobachtung des anderen weiter in seine Richtung. Am See flog der männliche Graureiher eine Runde. Gut, denn ich hatte ihn seit der Kälteperiode, als der See zugefroren war, vermisst.

Ich wünsche allen frohe Ostern!

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Täglich Laufen! Atmen! Glücklich sein!

Tag 1018. Täglich Laufen! Atmen! Glücklich sein! In dieser Woche gelang mir das hin und wieder. Das Wetter war schön. Die Tage werden immer heller. Herrliche Sonnenstunden machten es dem Glücksgefühl leicht, mich auf meinen Wegen zu begleiten. Da aber kalter Wind teilweise meine Freude trübte, wird diese Woche keinen bevorzugten Platz im Schatzkästlein meiner Erinnerungen finden. An die zwanzig Kilometer pro Lauf bin ich noch nicht wirklich gewöhnt. Auch das Krafttraining fällt mir noch nicht wirklich leicht. Es bleiben für dieses Jahr noch Wünsche übrig. Ich sehe mit gelassener Neugier und Zuversicht auf die kommende Zeit.

Am letzten Sonntag (Tag 1012) bin ich nur kurz im Park gelaufen.

Am Montag (Tag 1013) ging es dann wieder zum See im Wald (20 km). Zwar schien die Sonne, aber es wehte ein sehr kalter Wind. Jeden Tag gibt es neue Blättlein an Büschen und Blütlein am Boden. Die Bäume sind aber noch nicht soweit, daß sie grün werden. Da braucht es noch ein wenig Geduld. Auf einem Baum saßen vier Eichelhäher zusammen. Am See trockneten sich gerade beide Kormorane die Flügel. Zwei Mäusebussarde schraubten sich allein durch den Aufwind in unglaubliche Höhen. Beim Laufen habe ich wieder vermehrt auf den Laufstil geachtet. Dazu gehört die Atemtechnik, die Körperhaltung und das Laufen selbst. Es macht Spaß und fühlt sich sehr entspannt und gut an.

Am Dienstag (Tag 1014) bin ich gleich früh zur kleinen Parkrunde aufgebrochen (4 km). Auf einem Teil meiner Runde liefen Schulkinder, die gerade Sportunterricht hatten. Ein Junge lief vorneweg. Dann kamen zwei weitere Jungs und in einem deutlichen Abstand ein schnelles Mädchen. Ab dann wurde gekeucht. In dieser Art sehe ich das sogar schon bei Kindergartenkindern. Und ich sehe es auch bei den Hundegruppen, die ich im Wald treffe. Es berührt mich. Aber ich kann es nicht einordnen.

Am Mittwoch (Tag 1015) bin ich wieder die 20 km gelaufen. Es war ein herrlicher Sonnentag. Ein Teil des Weges konnte ich im Pullover laufen. Dann kam sehr kalter Wind auf. Ich brauchte doch wieder Handschuhe, Stirnband und Windschutz. Am See war die Stimmung sonnig. Der Haubentaucher hatte sich verdoppelt und die beiden konnten nicht voneinander lassen. Kampf oder Liebe? Ich weiß es nicht. Zehn Meter neben mir landete ein Bussard und pickte etwas auf. Ich blieb stehen und schaute dem Vogel zu. Der guckte mich zwischen dem Picken immer wieder an und entschied sich dann für den Abflug. Es ist beglückend und auch unheimlich einen so großen Raubvogel aus nächster Nähe zu betrachten. Auf dem Heimweg hätte ich Salbutamol gebraucht. Die Atmung wurde immer schwerer. Ich hatte aber gehofft, ich würde mich von alleine erholen. Leider passierte das nicht. Ich glaube, es war ein Fehler auf das Medikament zu verzichten. So habe ich mir am Ende den Lauf schwer gemacht, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. Die Lehre von der Geschicht‘: „Vergiss das Salbutamol nicht!“

Am Donnerstag (Tag 1016) war wieder die kleine Parkrunde dran. Ich bin erst nachmittags gelaufen. Die Sonne schien und es war warm. Ich konnte im T-Shirt laufen. Sehr schön!

Am Freitag (Tag 1017) bin ich die Waldseerunde mit Schlenker (15 km) gelaufen. Die zwanzig Kilometer erschienen mir an diesem Tag zu viel. So beschloss ich, am Freitag und am Tag darauf die Waldseerunde (14 km) zu nehmen. Es ist für mich leichter zwei mal 14 km zu laufen als einmal 20 km, zumal auf der Runde mit den 20 Kilometern mehr Hügel zu erlaufen sind. Das Laufen auf der Ebene ist für mich locker und entspannt möglich. Sobald aber ein Hügel zu erlaufen ist, kommt meine Lunge sofort an ihre Grenze. Auf der Waldseerunde konnte ich gut entspannen. Ich fühlte die kühle Luft und freute mich an erfrischendem Nieselregen, der gelegentlich vom Himmel fiel. Ich konnte loslassen. Wärme durchfloss meinen Körper. Die Gedanken versiegten. Der Wald flog an mir vorbei. Ja, so fühlt sich das Glück an. Am See war es sehr still. Der Nieselregen hatte wohl die Menschen vertrieben. Die Wasservögel waren mit sich selbst beschäftigt. Die zwei Schwäne hatten sich im Schilf ein ruhiges Plätzchen gesucht. Zwei Erpel warben um eine Ente. Plötzlich konnte ich mir vorstellen, wie es sich anfühlen würde, wenn diesen Erdenbewohnern die Wasserflächen allein gehören würden. Für diesen Moment schien eine friedliche Welt möglich.

Heute, am Samstag (Tag 1018) ging es noch einmal auf die Waldseerunde (15 km). Diesmal lief ich früh los. Die Finsternis wurde gerade eben vom ersten Licht vertrieben. Es war ein einsamer Lauf. Kühle umfing mich. Ich fühlte die kranke Lunge. In Gedanken ließ ich mich törichterweise wiedermal verführen, die Nähe zur Sterblichkeit mit einer Marathondistanz zu bemessen. Gerade wollte ich mich in Sicherheit wiegen, daß die Zeiten, in denen das geeignete Maß die tägliche Meile war, definitiv vorbei seien. Da fühlte ich plötzlich, welch herrlicher Wahnsinn das Laufen in meiner Situation ist. Brechts Mahnung gegen Verführung kam mir in den Sinn: „Laßt euch nicht verführen! Es gibt keine Wiederkehr. Der Tag steht in den Türen; Ihr könnt schon Nachtwind spüren; Es kommt kein Morgen mehr. Laßt euch nicht betrügen, daß Leben wenig ist. Schlürft es in vollen Zügen! Es wird euch nicht genügen. Wenn ihr es lassen müßt! Laßt euch nicht vertrösten! Ihr habt nicht zu viel Zeit! Laßt Moder den Erlösten! Das Leben ist am größten: Es steht nicht mehr bereit. Laßt euch nicht verführen zu Fron und Ausgezehr! Was kann euch Angst noch rühren? Ihr sterbt mit allen Tieren. Und es kommt nichts nachher.“
Und da war wieder das wunderbare reine Gefühl des Daseins, des inneren Jubels über das Laufen: Täglich laufen! Atmen! Schnaufen! Glücklich sein! Wie soll mich da Angst noch rühren? Fron und Ausgezehr verführen? Ich laufe! Ich lebe! Ich fühle! Ich bin! Was für ein schöner Tag!

In diesem Sinne wünsche ich schöne Tage!

Schön war’s!

Tag 1011. Eine doch mehr winterliche Woche liegt hinter mir. Die Atmung war gut, die Läufe überwiegend angenehm. Nächste Woche soll der Frühling wirklich kommen. Ich wäre nicht böse darüber.

Am letzten Sonntag (Tag 1005) bin ich abends in der Dämmerung nur ganz kurz gelaufen. Am Himmel ballte sich ein riesiger Vogelschwarm und tanzte hoch oben über meinem Weg. Ich fühlte mich gut. Denn ich hatte mir die Ruhe gegönnt, die mein Körper gefordert hatte. Die kühle, frische Abendluft konnte meine Lungen gut belüften und so entfachte das kleine, abendliche Läuflein Vorfreude für den Lauf am nächsten Tag.

Am Montag (Tag 1006) war die Lauffreude verschwunden und kam erst am Dienstag (Tag 1007) zurück. Also beschränkte ich mich am Montag noch einmal auf den super kurzen Lauf.

Am Dienstag (Tag 1007) ging es dann wieder in den Wald. Es war kalt, aber die Sonne schien. Ich lief um den Waldsee (14 km). Das Schwanenpaar schwamm erhaben auf dem See. Trotz der kürzeren Läufe an den Vortagen war ich immer noch ein bisschen müde und kraftlos. Auf dem Heimweg bin ich beinahe auf ein Amselmännchen getreten. Das saß am Straßenrand und schaute mich an. Ich bemerkte es erst im letzten Moment, als der Fuß schon direkt neben dem Tier aufgekommen war. Zum Glück ist nichts passiert. Das Amselmännchen hat verträumt hinter mir hergesehen und sich weiterhin nicht von der Stelle gerührt.

Am Mittwoch (Tag 1008) bin ich wieder um den Waldsee gelaufen (14 km). Die Sonne schaute aus blauem Himmel herunter. Es wehte kein Wind und so fühlten sich die 0 °C angenehm und frühlingshaft an. Die lila Krokusse blühten und an einer Stelle bildeten sie einen lila Frühlingsteppich. Am Bahndamm waren Büsche schon ziemlich grün. Der Wald wird täglich blickdichter, denn die Knospen an den Bäumen werden immer dicker. Es kann nicht mehr lange dauern bis der Wald in einem zarten Hauch von Frühlingsgrün erscheinen wird. Das Aufkeimen des Neuen hat mich angeregt, stilistisch etwas schöner zu laufen. Das ist ganz schön herausfordernd.

Am Donnerstag (Tag 1009) ging’s am Waldsee entlang und weiter einige Hügelchen hinauf und hinunter (16 km). An einer etwas steileren Stelle gibt es eine Holztreppe für den Aufstieg zum Höhenweg. Ich dachte: „Wie gut, da kann ich ja mit geschlossenen Beinen die Stufen hochspringen“ (mit Pausen). Gedacht, getan. Erstaunt über mein seltsames Verhalten waren wieder mal die Hunde. Mehrere Hunde verließen ihre Besitzer um zu schauen, was da wohl unerhörtes geschieht. Je nach Temperament des Hundes wurde ich beglotzt, bewedelt oder ausgebellt.

Am Freitag (Tag 1010) konnte ich 22 km zum und durch den Wald und am Badesee laufen. Es war sehr kalt und eine dicke Wolkenschicht sorgte dafür, daß es auch kalt blieb. Der Lauf war leicht und ich konnte fast die ganze Zeit sehr gut atmen. So war es ein reines Vergnügen und ich lief den einen oder anderen Schlenker mehr. Manchen Hügel flog ich geradezu hinauf. Auf dem See schwamm der Haubentaucher. Er hatte gerade einen Fisch erjagt und versuchte ihn in die richtig Position zum Verschlucken zu bringen. Dabei entkam das Fischlein kurzfristig, wurde aber gleich wieder eingefangen. Zwei Enten gründelten auf der Suche nach Grünzeug. Später stieß ich fast mit zwei Amselherren zusammen, die gerade in einen Luftkampf verstrickt waren. Lautes Gezeter war die Folge. Zu guter Letzt flog auch noch ein riesiger Eichelhäher direkt vor mir auf und schaute dann schimpfend von einem Baum herunter hinter mir her. Zu Hause angekommen war ich kein bisschen müde. Schön war’s!

Heute am Samstag (Tag 1011) konnte ich die 70 Kilometermarke mit einem kurzen Lauf erreichen. Es ist doch erstaunlich, daß diese Wochenstrecke mir vor kurzem noch extrem schwer fiel und in dieser Woche fühlte es sich fast leicht an.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein leichte Woche!

Angemüdet

Tag 1004. Die immer höher stehende Sonne wird nun bald den heiteren Winter verblassen lassen. Es liegen schon herrliche Frühlingsdüfte in der Luft. Kleine, vorsichtige Blütlein schauen aus dem Unterholz hervor. Das Holz riecht holzig und die Duftmarken der Wildschweine dringen scharf in die Nase. Die vom Wind zerzausten Nester aus dem Vorjahr nehmen wie von Zauberhand wieder Form an. Manchmal scheinen es Märchenschlösser zu werden, in denen Königskinder in schwindelnden Höhen wohnen werden. Überall ist emsiges Treiben. Es wird gebaut und gehämmert. Beschauliche Läufe durch Wald und Flur in dieser Zeit heben meine Stimmung.

Am letzten Sonntag (Tag 998) bin ich in der Sonne zum Waldsee gelaufen (14 km). Es war zwar kalt, aber der Winter zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Sonne wärmte schon und es kam ein Ahnen von Frühling auf. Dementsprechend füllte sich der Wald schnell mit zahlreichen Spaziergängern. Ich wich auf Nebenwege aus und entdeckte so einen menschenleeren, extrem hügligen, schnurgeraden, sonnendurchfluteten Weg durch ein kleines Kiefernwäldchen hindurch. An einer Kiefer machten sich gerade zwei Buntspechte an einem Baumloch zu schaffen. Die Hintergrundgeräusche waren kläffende Hunde in der Ferne, zwitschernde Vögel in der Nähe und über allem lag das Hämmern der Spechte. Das munterte mich auf, denn ich war zwar von meinem Eifer, die 300 Kilometer zu erlaufen, beseelt, aber auch schon ziemlich müde. Zu Hause angekommen fehlten noch knapp 14 km. Das sollte am letzten Tag des Monats zu schaffen sein.

Am Montag (Tag 999) ging es noch einmal in den Wald (14 km). Es war kein erhebender Lauf. Es wehte ein eiskalter Wind bei 0 °C. Nicht ein einziger Sonnenstrahl kam durch die dicke, graue Wolkendecke. Die 300 Kilometermarke habe ich mit dem Lauf überlaufen. Unterwegs fühlte ich mich mal stark und konnte gut laufen, dann wieder überkam mich die Schwäche. Nur eine Krähe fiel mir auf. Sie trug ein Ästlein in ihrem Schnabel. Es ist die Zeit des Nestbaus. Neues Leben ist in Arbeit.

Am Dienstag (Tag 1000) wartete ich auf die Sonne, um meinen tausendsten Lauf in Folge zu feiern. Und tatsächlich schob über Mittag eine unsichtbare Hand die dicke Wolkendecke beiseite. Die Sonne strahlte vor blauestem Himmel. Sogar die Kälte fühlte sich nicht eisig sondern gut an. Ich genoss eine kleine gemütliche Runde im Park ( 4 km). Im Garten des Nachbarn hängt neuerdings ein Meisenkasten. Und schon sah ich ein Meislein, das den Kasten wohl zum Wohnquartier auserkoren hat, darin verschwinden.

Am Mittwoch (Tag 1001) spürte ich eine große Müdigkeit. So verschob ich den nächsten 20 km Lauf auf Donnerstag. Ich beließ es bei einer Rund im Park bei Dunkelheit (4 km). Außer mir traf ich vor allem auf vorbeihuschende Karnickelchen. Noch vor Mitternacht raffte ich mich dann doch noch zum Krafttraining auf.

Am Donnerstag (Tag 1002) ging es bei mäßigem Sonnenschein und knackiger Kälte auf die 20-Kilometer-Runde. Der Wald wirkte friedlich und war ziemlich leer. Ein Vogelkonzert begleitete meinen ganzen Weg. Im See schwamm und tauchte ein Kormoran. Er wirkte so eifrig und so sehr bei der Sache, daß ich ganz neidisch wurde. Nach ein paar Minuten setzte er sich neben einen anderen Kormoran auf einen Baumstamm am Schilf und trocknete sein Gefieder.

Am Freitag (Tag 1003) lief ich wieder mal abends durch die Dunkelheit die kurze Runde im Park gelaufen (4 km).

Heute, am Samstag (Tag 1004) lief ich 4 km im Park. Ob ich die 70 Wochenkilometer noch erreiche, entscheidet sich erst morgen. Heute fühlte es sich einfach nicht nach der 20-Kilometer-Runde an. Vielleicht morgen?