Es fängt gut an.

Tag 1697. Der Winter ist mild. Die Vögel üben schon ihre Frühlingslieder. Das Laufen ist leicht und die Atmung geht gut. Die Tage werden länger. Das Jahr fängt gut an.

Am letzten Sonntag (Tag 1691) lief ich nur kurz.

Am Montag (Tag 1692) lief ich zum Badesee (19 km). Die Luft war kalt. Das Wasser war teilweise gefroren. Auf dem Rückweg flog eine keilförmig geordnete Schar Graureiher am Himmel. Vor ein paar Tagen hatte ich schon einen einzelnen Graureiher am Himmel gesehen. Für Januar ist das ungewöhnlich. Die Feenuhr schätzte nach diesem Lauf mein Fitness-Alter auf 33 Jahren. Puh!

Am Dienstag (Tag 1693) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war kalt und nebelig. Einmal schaffte die Sonne beinahe den Durchbruch. Dann kam aber sofort eine Nebelbank herbeigeschwebt und es wurde wieder dunkelgrau. Erstaunlicherweise macht mich auch solches Wetter froh.

Am Mittwoch (Tag 1694), Donnerstag (Tag 1695) und Freitag (Tag 1696) lief ich nur kurz. Denn ich hatte mich festgelesen. Diesmal war es „Das Marsprojekt“ von Andreas Eschbach. Das ist ein fünfbändiges Jugendbuch. Die Geschichte spielt auf dem Mars, der gerade erst besiedelt wird. Sehr spannend!

Heute, am Samstag (Tag 1697) lief ich zum Badesee (19 km). Für einen Wintertag war das Wetter mild. Der Himmel war grau. Die Atmung ging gut. Überall im Wald hörte ich Vogelstimmen. Ein Bussard thronte auf einem Baum am Rande des Sumpfes. Ich sprach den Bussard an. Er schaute zu mir herab, wollte aber nichts mit mir zu tun haben. Er breitete seine Schwingen aus und segelte gelassen davon.

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Täglich Pilgern

Tag 1690. Laufen, die Gedanken fliegen lassen, mit der Welt, die einen umgibt, verschmelzen hat etwas magisch mystisches. Der ökonomisierte, rationalisierte, kontrollierte, zivilisierte, politisierte und ich weiß nicht was noch …ierte Alltag verschwindet aus dem eigenen Kopf. Man schreitet durch die Welt und ist so sehr in der Welt wie selten. Und, so widersprüchlich das ist, fühlt man zugleich die Freiheit von der Welt. Zurück zu Hause stellt man fest, daß eine Aufräumaktion im eigenen Inneren stattgefunden hat und man ist wieder offen für den Alltag.

Am letzten Sonntag (Tag 1684) lief ich die Parkseerunde (8 km). Ich lief einen Kilometer mehr, weil meine Feenuhr drängte, damit ich mein Fitness-Alter weiter verbessere. Dann war ihr aber der eine zusätzliche Kilometer nicht genug. Der Lauf war erfrischend. Die Sonne schien. Die Luft war kalt. Viele Menschen genossen den schönen Wintertag. Im Sonnenlicht wirkten die Fruchtstände der Haselsträucher noch dicker als an grauen Tagen. Abends absolvierte ich Tag 3 der ersten Woche im Einsteigerprogramm.

Am Montag (Tag 1685) turnte ich gleich am Morgen. Später lief ich die Parkseerunde (7 km). Das war schwer. Ich hätte wohl zwischen beiden Aktivitäten statt den Wocheneinkauf zu erledigen, etwas essen sollen. Mit leeren Kohlehydratspeichern ist der Körper nämlich bleischwer.

Am Dienstag (Tag 1686) lief ich die Waldseerunde (15 km). In der Nacht hatte ich die letzten hundert Seiten von Rachel Joyce „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ gelesen. So war ich nicht nur müde, sondern in Gedanken begleiteten mich Harold, die todkranke Queenie und Maureen. Harold wollte eigentlich nur einen Brief an Queenie einstecken. Dann dachte er: „Ach, gehe ich doch zum nächsten Briefkasten.“ So ging er weiter bis Harold in neunzig Tagen an das andere Ende von Schottland gelaufen war, um dort an der Tür von Queenie zu klingeln. Für die ganze Geschichte brauchte ich gut zwei Päckchen Tempotaschentücher. Es war so rührend. Am liebsten würde ich nicht mehr vom täglich Laufen sondern nur noch vom täglich Pilgern reden. Wie Harold beim Laufen seine innere Welt entdeckt, wie er Freiheit und Frieden innen und außen erlangt, ist eine Variation dessen, warum ich das tägliche Laufen so schätze. Schluchz!

Am Mittwoch (Tag 1687) lief ich nur kurz. Vorher hatte ich Tag 4/Woche 1 geturnt. Es schneite gerade und die Landschaft war mit einem weißen Hauch überzogen. Schön!

Am Donnerstag (Tag 1688) lief ich kurz.

Am Freitag (Tag 1689) lief ich zum Badesee (19 km). Erst fühlte ich mich elend. Aber nach ein paar Kilometern wurde ich immer glücklicher. Das Wetter war grau. Im Wald war ich fast allein, was ich sehr genossen habe. Ein Bussard überquerte meinen Weg. Ein kleiner Buntspecht krallte sich an einen Baum und schaute zu mir her. Als ich zurück in die Stadt kam, hörte ich schon von Weitem das „Hallo!“, das die Krähen von den Dächern jubelten.

Heute, am Samstag (Tag 1690) turnte ich am Morgen. Danach lief ich die Parkseerunde (7 km). Erst schneite es, dann schien die Sonne. Der Schnee blieb nicht liegen. Die Vögel zwitscherten und wieder kam eine Ahnung von Frühling auf, auch wenn die Luft noch winterlich kalt war.

Verrücktes, graues Scheißwetter

Tag 1683. Ich berauschte mich am kühlen Grau dieser Laufwoche. Ich war frei und glücklich, während die kalte Winterlandschaft an mir vorbei flog. Das Laufen war anstrengend und ich fühlte mich stark und lebendig. Ich spürte die Landschaft, den Boden, auf dem ich lief, die kalte Luft, die mich berührte. Ja, die Seele sang ihre Lieder und gab den Rhythmus vor. Ich nahm wieder ein Krafttraining auf. Jahr, Du fängst gut an!

Am letzten Sonntag (Tag 1677) lief ich zum Badesee (17 km). Ein kalter Wind pfiff. Der Himmel war bedeckt. Es regnete nicht. Der Weg war eine schöne Abwechslung zur Parkseerunde. Die steilen Teile des Weges hatte ich in unangenehmer Erinnerung. Jetzt waren sie anstrengend, aber nicht schlimm. Der Blick über den See erfüllte mich mit Wehmut. Bis zum Sommer dauert es noch ein Weilchen. Einstweilen war der See von kahlen Bäumen umstellt. Sie sahen aus wie Soldaten, denen man die Uniform geklaut hat. Aber keine Angst Jungs, ihr bekommt eure Kleider bald zurück.

Am Montag (Tag 1678) lief ich die Parkseerunde bei Sonnenschein (7 km). Der Wind war so eisig, daß die Sonne keine Wärme ausstrahlte. Die Atmung ging auf den ersten drei Kilometern sehr gut. Danach setzte mir die Kälte zu.

Am Dienstag (Tag 1679) ging es wieder auf die Parkseerunde (7 km). Die Sonne schaute hinter einem dünnen Schleier zu. Wieder war es sehr kalt. Diesmal erholte sich die Atmung während des Laufes.

Am Mittwoch (Tag 1680) konnte man am Morgen die Hand nicht vor den Augen sehen, so dick war der Nebel. Solcher Nebel plus die Kälte stört mich beim Atmen ungemein. So nutzte ich die Gelegenheit, um endlich wieder in das Krafttraining einzusteigen. Aus dem Einsteigerprogramm von Mark Lauren, Fit ohne Geräte, turnte ich Tag 1 in Woche 1. Am späten Nachmittag hatte sich die Sonne endlich durch den Nebel gefressen. Als ich zur Parkseerunde (7 km) aufbrach, war schon wieder Nebel und es wurde dunkel. Unterwegs hoppelte ein Karnickel über meinen Weg.

Am Donnerstag (Tag 1681) turnte ich Tag 2. Danach lief ich die Parkseerunde (7 km).

Am Freitag (Tag 1682) lief ich die Parkseerunde (7 km). Ich lief mich in einen Rausch. Es war kalt und grau. Die Atmung ging gut. Weiter, weiter laufen, im Rhythmus bleiben. Juhu! Ein zehnjähriger Junge sprang mir in den Weg und sagte auf englisch: „Hey, kleine Biene!“. Er lachte etwas irre und gab den Weg frei. Verrücktes, graues, Scheißwetter!

Heute, am Samstag (Tag 1683) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war kalt und grau. Ich lief vorsichtig, denn ich hatte einen Kater vom Turnen und vom Laufrausch.

Tschüss, altes Jahr. Hallo, neues Jahr.

Tag 1676. Locker trabend verließ ich das alte Jahr. Locker trabend begrüßte ich das neue Jahr. Nach dem kurzen Schrecken in der letzten Woche hat sich die Atmung gebessert. Ich konnte meine Aufmerksamkeit wieder mehr auf die frische, kühle Luft richten. Die winterliche Stille hüllte mich in ihren kalten Zauber ein. Beim Laufen stellte sich Entspannung ein und mir wurde froh ums Herz. Die Laufstatistik für Dezember befindet sich hier. Die dreihundert Monats-Kilometer habe ich knapp verpasst.

Am letzten Sonntag (Tag 1670) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es regnete sanft und kalt. Das Laufen erwärmte mich. Ich rief dem alten Jahr ein „Tschüss, altes Jahr“ zu. Das Jahr blieb stumm. Ein Eichelhäher-Pärchen kreischte aufgeregt. Die Enten platschten im Wasser. Das Blesshuhn stieß seinen markanten Warnruf aus. Ein Grünspecht ging auf der alten Eiche spazieren.

Am Montag (Tag 1671) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war der Neujahrsmorgen. Ich rief dem neuen Jahr ein „Hallo neues Jahr“ zu. Das Jahr lächelte. Die Sonne schien. Es wehte ein starker Wind. Die Luft schmeckte nur ganz wenig verbrannt. Das war an anderen Neujahrstagen schon sehr viel stärker. Alle Wege waren mit Raketenresten, ausgebrannten Knallfröschen und leeren Flaschen übersät. Durch den ganzen Müll trabte ein unaufhörlicher Strom von Menschen mit guten Vorsätzen. Am Himmel hatten sich acht Krähen zusammengerottet und jagten zwei Raubvögel.

Am Dienstag (Tag 1672) turnte ich am Morgen. Später lief ich die Parkseerunde (7 km). Der Regen hatte gerade aufgehört. Die Luft war feucht. Der Himmel blieb grau. Meine Herzfrequenz pendelte so um die 130. Damit war ich zufrieden. Die Atmung war so na ja. Damit war ich nicht ganz zufrieden, aber nicht mehr besorgt.

Am Mittwoch (Tag 1673) lief ich wieder die Parkseerunde (7 km). Es war ein Orkan und starker Regen angekündigt. Ich hatte aber Glück und es blieb trocken. Nur ein paar schwarze Wolken türmten sich gelegentlich drohend auf. Sie verschwanden schnell und nahmen ihr Wasser mit.

Am Donnerstag (Tag 1674) lief ich die Parkseerunde (7 km). Das Wetter war grau. Die Luft war angenehm. Meine Atmung klemmte teilweise. Teilweise ging es auch ziemlich gut. Die Tage, an denen ich mich auf die Parkseerunde beschränkte, schienen mir gut zu tun.

Am Freitag (Tag 1675) lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Luft war frisch. Der Regen hörte auf. Die Sonne kam zum Vorschein. Mir ging es gut. Ein Eichhörnchen lief über den Weg und kletterte auf eine Erle, um dort zu frühstücken.

Heute, am Samstag (Tag 1676) lief ich wieder die Parkseerunde (7 km). Die Sonne schien. Die männlichen Haselnuss Blütenstände waren schon bereit. Die Vögel sangen ihre Revierlieder. An einigen Sträuchern waren zarte, grüne Blättchen zu sehen. Ja ist denn schon Frühling?