Erholung für die Muskeln

Tag 1515. Nach tagelangem Regen scheint die Sonne wieder. Trotz Sonnenschein ist es kühl. Eine Einladung zum Laufen. Mich plagt Zahnschmerz. So leide ich und schlage die Einladung bis auf kurze Läufe aus. Das ist Erholung für die Muskeln und Anstrengung für die Nerven. Mir bleibt nichts, als das Elend auszusitzen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Am letzten Sonntag (Tag 1509) habe ich am Morgen geturnt. Spät am Nachmittag lief ich nur kurz.

Am Montag (Tag 1510) lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Luft war frisch und kühl. Die Sonne ließ die letzten Regentropfen der Nacht auf den Blättern glitzern. Die Atmung ließ sich nach ca. 5 km herab, mitzumachen und war dann den Rest des Tages freundlich. Ich staune immer wieder, wie quälend sich die Atmung anfangs querstellen kann. Wenn ich trotzdem nicht abbreche, gibt die Atmung nach. Es wird nicht immer wundervoll, aber zumindest erträglich.

Am Dienstag (Tag 1511) hat es den ganzen Tag geregnet. Es gab genau eine kurze Unterbrechung. Die habe ich für einen kurzen Lauf genutzt.

Am Mittwoch (Tag 1512) regnete es weiter. Ich lief nur kurz. Abends turnte ich.

Am Donnerstag (Tag 1513) erfreute ich mich an der Badeseerunde (18 km). Morgens schien die Sonne. Die Waldwege waren weich und feucht. Der Wald war warm und dunstig. Der Lauf war unsagbar wunderschön. Abends turnte ich.

Am Freitag (Tag 1514) lief ich nur kurz. Ein Zahnschmerz quälte mich. Am Montag hatte ich zwei alte Kronen aus der Kindheit entfernen lassen. Neue, bessere Kronen sollen es werden. Von Montag bis Donnerstag war alles gut. Am Freitag setzte der Schmerz ein. Ich nehme Schmerztabletten und kühle. Nächsten Montag ist der nächste Termin bei der Zahnärztin. Solange heißt es Kühlen, Tabletten und nur kurz laufen.

Heute, am Samstag (Tag 1515) lief ich auch nur kurz. Zur Zeit sieht es so aus, daß ich bis Montag leiden werde. Eine kleine glückliche Begebenheit gab es dennoch. Als ich vom Lauf zurückkam, war gerade das Eichhörnchen zu Besuch. Ganz manierlich hat es die bereitgelegten Nüsschen verspeist. Dann hat es noch eine kleine Runde durch unser Wohnzimmer gedreht und ist wieder verschwunden.

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Im Zeitenstrom treiben

Tag 1508. Diese Woche lief ich durch saftig grüne Wälder und schwamm im erfrischenden See. Das sind mir die liebsten Geschenke, die der Sommer so zahlreich vergibt. Ich kann entspannt vor mich hintraben. Das ruhige Grün beglückt. Der blaue Himmel entzückt. In der Frühe ist es meist noch kühl. In der frischen Welt des Morgens kann ich unbekümmert sein. Na ja, vielleicht nicht ganz. Denn im Wald lauern die Wegelagerer auf kleine Momente der Schwäche. Wer auch nur kurz stehen bleibt, der wird ihr Opfer. Man wird angesaugt und mit mindestens einer roten Stelle auf der Haut gekennzeichnet. Teilweise lauern die blutrünstigen Räuber in großen Scharen, so daß die Haut im Nu besetzt ist und nur eiligste Flucht vor weiterem Schaden schützen kann. So wie dieses Jahr habe ich das noch nicht erlebt. Nun ja, ich liebe die Natur.

Am letzten Sonntag (Tag 1502) habe ich morgens geturnt. Abends bin ich nur kurz gelaufen. Der Lauf selbst war schön. Die Luft duftete nach warmem Regen. Hin und wieder fiel ein dicker Tropfen auf die Straße. Die Atmung war trotz vollem Magen (das ist nicht empfehlenswert!) erstaunlich gut.

Am Montag (Tag 1503) konnte ich den Lauf zum Waldsee (14 km) genießen. Die Luft war kühl und angenehm. Die Atmung war nicht schlecht. Nur das Turnen vom Tag zuvor hing mir noch etwas in den Muskeln. Den Kraftzuwachs durch die Turnerei merke ich besonders an den Hügeln. Das möchte ich nicht mehr missen. Die etwas längeren Läufe sollte ich aber doch wieder häufiger laufen. Die Kondition verschwindet so schnell. Und wenn man sie erst mal verloren hat, findet man sie nicht so leicht wieder. Zu Hause angekommen, konnte ich feststellen, daß endlich die Werte für meinen See vorlagen: keine Bedenken! Es kann gebadet werden!

Am Dienstag (Tag 1504) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war ziemlich warm und ziemlich anstrengend. Zudem lauerten an den schattigen Stellen bluthungrige Ungeheuer, die sich ungeniert an meinen Beinen bedienten. Anderen Lebewesen Blut zu rauben ist auch eine Möglichkeit, im Zeitenstrom zu schwimmen. Da gefiel mir dann das Laufen um den Parksee doch sehr viel mehr. „Ja“, dachte ich, „das Laufen ist doch eine schöne Art mit Lebenszeit umzugehen.“ Eigentlich ist das Laufen eine Gelegenheit sich im Strom der Zeit treiben zu lassen. Die Seele baumelt. Der Körper lebt. Man fühlt nur das Ein und Aus des Atems. Die Landschaft fließt träge vorbei. Gelegentlich treibt jemand in der Nähe. Man lächelt und schon geht es weiter. Die Füße muss man heben, damit man nicht von einer Wurzel zu Fall gebracht wird. Mehr wird nicht verlangt. Beim Laufen braucht man sich nicht hetzen lassen. Man kann sich wunschlos glücklich wie im Traum treiben lassen.

Am Mittwoch (Tag 1505) lief ich tagsüber zum See (19 km). Als ich loslief war es noch kühl. Die Sonne lächelte freundlich vor blauem Himmel. Das vom Regen der letzten Zeit beglückte Grün wucherte und glänzte satt und zufrieden. Auf dem Hinweg wärmte die Sonne die Luft allmählich auf. Ich lief durch einen Park zum Wald. Dort wartete ein Mäusebussard bis ich den Parkweg betrat. In dem Moment ließ er sich vom Ast eines Baumes fallen und segelte in Höhe meiner Augen vor mir her. Als ich ihn aus den Augen zu verlieren drohte, setzte er sich auf einen Baum und wartete. Sobald ich aufgeschlossen hatte, wiederholte sich das Flugmanöver. Auf diese Weise lief ich ca. einen Kilometer hinter dem vor mir schwebenden Bussard her. Er hatte eine Flügelspannweite von mehr als einem Meter. Ich fühlte, daß dies eine Einladung an mich war, weiter täglich zu laufen. Der Bussard beendete meine Begleitung erst, als ich die Straße überquerte, die den Park vom Wald trennt. Im Wald war es ruhig und schattig. Als ich zum See kam, war mir die Abkühlung im See willkommen. Auf dem Heimweg verschwand die Kühle, die sich in meinem Körper beim Baden ausgebreitet hatte, zu schnell. Es wurde sehr warm.

Am Donnerstag (Tag 1506) lief ich zum Ententeich. Dort stellte ich die Uhr wegen zu großer Hitze ab. Gemütlich ging ich nach Hause.

Am Freitag (Tag 1507) lief ich nur kurz in der Hitze. Auch zum Turnen war es mir zu warm.

Heute, am Samstag (Tag 1508) lief ich in der Frühe zum See (19 km). Es waren 98 % Luftfeuchtigkeit. Dementsprechend schwer war der Lauf. An meiner Einstiegsstelle im See stand wieder mal der Graureiher. Als er mich kommen sah, flog er sofort ab. Im See waren angenehme 23 °C. Ich war nicht allein. Einige ältere Damen hatten auch die frühen Morgenstunden gewählt, um noch vor dem Wolkenbruch eine kleine Erfrischungsrunde zu schwimmen. Ich bin nur ca. zwanzig Minuten geschwommen, damit ich vor dem angekündigten Gewitter wieder zu Hause sein konnte. Derweil hatte mein Mann Besuch von unserem Eichhörnchen. Es verteidigte seine Nüsschen tapfer gegen „unsere“ Krähe. Erst als die Krähe und die verfressene Taube gemeinsam auf das Eichhörnchen losflatterten, floh das Tierchen, das wir Maria Magdalena nennen. Zunächst rettete es sich in unser Wohnzimmer. Nach einer Wohnungsbesichtigung sprang es vom Balkon in die Kastanie und verschwand.

Eine abwechslungsreiche Woche

Tag 1501. Schwimmen, Laufen, Turnen und Trimm-Dich-Pfad standen in dieser Woche auf dem Plan. Laufen und Trimm-Dich-Pfad haben mir diese Woche richtig Spaß gemacht. Ich bin fest entschlossen, die Freude daran in die nächste Woche hinüber zu tragen. Es ist seltsam wie das heitere Vergnügen des Laufens für einige Zeit in grauer Trübnis versinken kann. Über solche Tage hilft das tägliche Laufen hinweg. Selbst wenn man sich nur auf die kurze Strecke begibt, bleibt man mit seinem Körper in Kontakt. Sobald die Lauffreude zurückgekehrt ist, kann man das Laufen auch wieder genießen. Denn eine Gewissheit gibt es ganz bestimmt: „Die Lauffreude kommt zurück!“ Man wartet nicht vergebens.

Am letzten Sonntag (Tag 1495) lief ich noch in der Morgendämmerung zum Badesee (19 km). Unterwegs traf ich an zwei verschiedenen Stellen ein Wildschwein, einmal mit hellbraun-weiß-gestreiftem Kind. Vom ersten Wildschwein sah ich nur noch einen fetten, haarigen, schwarzen Schenkel im Gebüsch verschwinden. Das andere Wildschwein mit dem Kleinen stellte sich mir in den Weg. Ich wartete und nach einer Weile verschwand es. Der Weg war wieder frei. Des weiteren traf ich einen Fuchs bei den Schafen. Die Schafe schliefen auf der Wiese. Nur ein Schaf stand wachsam vor der schlafenden Gruppe und schaute sich aufmerksam um. Im See badeten drei Damen. Alle hielten ihre Köpfe über Wasser, um ja kein Wasser zu schlucken. Schließlich ist das Gewässer nach dem Starkregen noch nicht freigegeben. Ich ging nicht ins Wasser. Es hatte über Nacht wieder geregnet. Auf den Blättern lagen noch dicke Tropfen. Die Wege waren weich vor Nässe. Als die Sonne aufging, fing alles an zu dampfen und die Regentropfen glitzerten in der Sonne. Zum Frühstück war ich wieder zu Hause.

Am Montag (Tag 1496) lief ich nur kurz.

Am Dienstag (Tag 1497) turnte ich am Morgen. Danach lief ich nur kurz.

Am Mittwoch (Tag 1498) lief ich zum Schwimmbad auf dem Berg. Diesmal gab es mehr Badegäste, so daß mir wieder klar wurde, warum ich im See schwimmen möchte, auch wenn der See kalt ist.

Am Donnerstag (Tag 1499) lief ich nur kurz. Neue Messwerte der Wasserqualität für meinen See lagen immer noch nicht vor. Na ja, da es ohnehin ungemütlich kalt war, hielt sich mein Gram in Grenzen. Am Behördentelefon erhielt ich die freundliche Auskunft: „Morgen, wahrscheinlich, es hängt vom Labor ab!“ Ich gehe davon aus, daß etwas schiefgegangen ist. Da kommen so schnell keine Werte.

Am Freitag (Tag 1500) bin ich durch kühle Luft zum Waldsee gelaufen (14 km). Sanft legte sich die Frische des Sommermorgens auf die Haut. Die Atmung war willig. Das Laufen ging fast von allein. Die kühle Witterung lud geradezu ein, mal wieder den Trimm-Dich-Pfad zu testen. Durch die Trimm-Übungen sind die vierzehn Kilometer in zwei Einheiten von je sieben Kilometer aufgebrochen. Hinlaufen dient dem Erwärmen der Muskeln. Zurücklaufen ist Auslaufen. Die Übungen im Wald zeigten mir, daß zum Ninja Warrior noch ein weiter Weg ist. Spaß machte es aber doch.

Heute, am Samstag (Tag 1501) lief ich nur kurz. Ein sanfter Regen ließ warmen Duft aufsteigen. Dicke, warme Sommertropfen fielen zu Boden. Kurz, aber schön war‘s!

Ein Gruß vom Wildschwein

Tag 1494. Nach dem Jahrhundertregen wurde vom Baden in Seen dringend abgeraten. So verbrachte ich diese Woche mit Krafttraining, täglichen kleineren Läufen und Schwimmen im Schwimmbad. Ein solche Woche führte mir vor Augen, wie es wäre, wenn ich „Fitness-Sport“ machen würde. Das Laufen träte in den Hintergrund. Ich würde glückliche Stunden im Schwimmbad verbringen. Ich könnte dem Wachstum meiner Muskeln beim Krafttraining zusehen. Die Natur käme in Form eines Eichhörnchens, das uns nun regelmäßig besucht, zu uns nach Hause. Die ersten Tage, als ich noch hoffte, schon in den nächsten Tagen wieder im See baden zu können, habe ich nichts vermisst. Aber heute schmerzte mich der „Bewegungsmangel“. Für morgen habe ich mir vorgenommen, wieder zum See zu laufen, auch wenn ich nicht baden kann. So ein Lauf im Wald, wo manchmal der einzige Gruß von einem Wildschwein kommt, ist eben doch etwas anderes.

Am letzten Sonntag (Tag 1488) regnete es ohne Unterlass. Im See soll man nach Regentagen mit ungewöhnlich heftigem Regen nicht schwimmen. Denn Wasser aus der Kanalisation kann den See verschmutzt haben. Das Wasser wird sich binnen weniger Tage erholen. Bis dahin besteht aber das Risiko von Infektionen. Ich werde daher die neuen Messwerte, die im Laufe der Woche vorliegen sollen, abwarten. Kurz entschlossen lief ich zum Freibad (2 km hin und 2 km zurück). Ich schwamm im warmen Wasser (27 °C). Da ich ja den kalten See gewohnt bin, war das himmlisch. Es war ein bisschen wie einer der immer auf der harten Pritsche schläft, nun aber auf einmal ein warmes, weiches Bettchen bekommt. Die gefürchtete zivilisatorische Enge des Schwimmbades musste ich glücklicherweise nicht auf mich nehmen. Wegen des schlechten Wetters war ich zeitweise allein im Wasser.

Am Montag (Tag 1489) lief ich die Parkseerunde (7 km). Auf dem Rasen stand immer noch das Wasser. Ein Baum war umgefallen. Ansonsten konnte man von dem Jahrhundertregen nichts mehr erkennen. Nach den trüben Gedanken der letzten Woche lief ich wie befreit meine Parkwege rauf und runter. Zum Schluss konnte ich wie so oft eine Flugschule für Jungkrähen beobachten. Dort fliegen unter viel Gekreische junge Krähen. Manche üben Segelflug, andere Jagen. Dazu nehmen sie sich einfach einen Kollegen, den sie jagen. Der Gejagte kann dann gleich Haken schlagen in der Luft üben. Die, die gerade müde sind, sitzen auf immer dem selben Baum und kommentieren lautstark. Wenn ich Flugbewegungen mit den Armen mache und hüpfe, als wollte ich los fliegen, dann fliegen manche Krähen ein, zwei Runden direkt über mir, als wollten sie sehen, wie ich mich in die Luft erhebe. Sicher lachen sie, wenn ich es dann doch nicht kann.

Am Dienstag (Tag 1490) turnte ich am Morgen. Die meisten Übungen fallen mir inzwischen leichter. So habe ich die Wiederholungszahl oder Dauer bei den Übungen erhöht. Bei der einbeinigen Kniebeuge allerdings, habe ich noch nicht einmal die vorgeschlagene maximale Wiederholung erreicht. Beim Laufen bemerke ich den Kraftzuwachs deutlich.

Am Mittwoch (Tag 1491) bin ich zum Schwimmbad geloffen und beinahe abgesoffen. Was ein quatsch, aber es reimt sich so schön. Bei 15 °C Lufttemperatur und regnerischem Wetter hatte ich das 50 m-Becken wieder zeitweise für mich allein. Das Wasser soll 27 °C warm sein. Ich könnte mich glatt an die Bequemlichkeit gewöhnen. Zumal das Freibad auf einem Berg im Grünen liegt. Während ich meine Bahnen zog, schwamm plötzlich auf halber Strecke eine Biene auf meiner Bahn. Ich habe sie auf meine Hand klettern lassen. Da hat sie sich festgekrallt, bis ich sie am Rand unter dem Startblock im Trockenen absetzte. Als ich das nächste mal zu dem Startblock kam, krabbelte sich noch am Boden herum. Beim darauf folgenden mal war die kleine Biene verschwunden.

Am Donnerstag (Tag 1492) war ich auf der Parkseerunde (7 km).

Am Freitag (Tag 1493) habe ich gleich am Morgen geturnt. Abends bin ich nur kurz gelaufen. Im Moment als ich zurück war, brach das erwartete Gewitter los.

Heute, am Samstag (Tag 1494) bin ich nur kurz gelaufen. Die Werte über die Qualität des Wassers sind leider für meinen Badesee noch nicht erhoben worden. Also muss ich noch warten, bis ich wieder im See baden kann. Ab morgen will aber wieder zum See laufen. Mir fehlt das.

Regen und noch mehr Regen

Tag 1487. Weiter täglich laufen? Diese Woche war anstrengend. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob ich weiter täglich laufen will. Wie wäre es, wenn ich nicht täglich liefe? Ich könnte einen Tag in der Woche pausieren. Oder ich könnte nur laufen, wenn ich gerade unbändige Lust dazu habe. Wie würde sich meine Ausdauer und meine Gesundheitszustand entwickeln? Könnte ich noch den inneren Frieden erleben, der sich beim täglichen Trab einstellt? Ich könnte mich in einem Fitnessclub anmelden. Oder ich könnte regelmäßig ins Schwimmbad gehen. Ich könnte in einen Laufverein eintreten. Da könnte ich dann in der Behindertenabteilung dem Sport nachgehen. Ich könnte mir Trainingspläne erstellen lassen. Will ich so etwas machen? Würde mir das Freude bringen? Am Ende aller Überlegungen wurde mir klar, daß nichts leichter würde. Alle Alternativen wären viel umständlicher und ich würde sie nicht durchhalten. Die Seele wäre eingeklemmt zwischen Sportterminen. Das einfache Hinaustreten in die Welt vor der Haustür gäbe es nicht mehr. Möglichst locker zu laufen, die Bewegung zu genießen, die Seele baumeln lassen, ganz ohne Ehrgeiz vor sich hin zu traben, all das würde ich aufgeben. Mich macht es glücklich frei zu sein. Ich will mich mit niemandem vergleichen müssen. Ich will locker bleiben und mich unverkrampft erfreuen an der Abwechslung, die die Welt da draußen bietet. Und so breche ich weiterhin täglich auf zum Läuflein.

Am letzten Sonntag (Tag 1481) bin ich gleich in der Frühe zum See gelaufen (19 km). Unterwegs begegnete ich zwei Füchsen und einem Wildschwein mit Kindern. Beide Begegnungen liefen ruhig ab. Die Tiere haben mich neugierig betrachtet und ich die Tiere. Im See bin ich nur recht kurz geschwommen. Ich hatte vergessen, mir ein Brot einzupacken. Ohne Zusatznahrung reicht bei mir die Kraft nicht zum längeren Schwimmen und Laufen. Das Schwimmen war schön, denn es regnete in Strömen, während ich im Wasser war. Das hatte etwas Friedliches. Ich war wieder zu Hause, bevor der Bäcker aufmachte!

Am Montag (Tag 1482) schleppte ich mich durch die Parkseerunde (7 km). Es gab gar keinen Grund für meine Schlappheit. Und dennoch war die Runde beschwerlich.

Am Dienstag (Tag 1483) war es recht kühl. Ich turnte die zweite Hälfte vom letzten Freitag. Später lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Atmung ging gut. Der eine oder andere Kilometer lief locker und leicht.

Am Mittwoch (Tag 1484) lief ich wieder die Parkseerunde (7 km). Es war warm. Die Sonne schien. Die Parkwege lagen noch im Schatten. Mitten auf dem See ließ sich der Schwan gemütlich treiben. Er leuchtet in der Sonne blendend weiß.

Am Donnerstag (Tag 1485) turnte ich meine Übungen vollständig durch. Später lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war der Tag der Sintflut. Es regnete so stark wie seit sechzig Jahren nicht mehr. Die Parkwege hatten sich in reißende Ströme verwandelt. Bis zum Schienbein stand mir das Wasser. An manchen Stellen hörte sich das strömende, glucksende Wasser wie ein Gebirgsbach an, der zu Tal stürzt. Der Rasen war überschwemmt. Die Bäume am Ufer des Sees standen bis zur dritten, teilweise vierten Reihe im Wasser. Die Schwäne und Enten schwammen auf dem See herum, denn ihre Aufenthaltsplätze lagen unter Wasser. Die Pflanzen schienen stündlich zu wachsen und grüner zu werden.

Am Freitag (Tag 1486) wollten die sintflutartigen Regenfälle nicht enden. Ich entschied mich für einen kurzen Lauf. Ich hatte sogar Glück. Als ich lief, traf ich auf die einzige Lücke zwischen den Wolkenbrüchen des Tages.

Heute, am Samstag (Tag 1487) lief ich nur zum Ententeich. Der Park war überschwemmt und es fing wieder an zu regnen. Außerdem hat mich ein kleiner Infekt angesprungen. So machte ich kehrt und kam noch einigermaßen trocken zu Hause an.