Hangeln

Tag 815. Diese Woche war durchwachsen. An manchen Tagen hatte ich Atemnot beim Laufen. Trotzdem laufe ich an solchen Tagen auch. Wenn ich in den Wald eintauche, verschwindet der Straßenlärm hinter mir. Das Grün der Blätter an den Bäumen und der Büsche am Wegesrand hüllt mich beruhigend ein. Ich trete in eine Welt der Zeitlosigkeit ein. Es gibt keine Zeit und damit auch keine Geschwindigkeit. Ich laufe und ich fühle meinen Körper, ich fühle das Atmen. Das Laufen passt sich an die Tagesform an. Die Atemwege weiten sich und allmählich ist nur noch der Atem wahrnehmbar, die Atemnot verschwindet. Das Laufen geschieht von allein, es fühlt sich leicht an. Glückliche Gelassenheit macht sich im Inneren breit. Das Laufen erzeugt eine erholsame Entspannung, die ich in den Alltag hinüber retten kann.

Am Sonntag (Tag 809) bin ich die Parkseerunde (7 km) gelaufen. Ich fühlte mich sehr schlecht, bekam nicht gut Luft, mußt an den Hügeln gehen. Während des Laufens suchte ich nach den verrücktesten Erklärungen. Irgendwann ist mir dann plötzlich klar geworden, daß ich vergessen hatte, einen Hub Foster vor dem Laufen zu nehmen. Der Morgenhub Flutiform mit seiner atemwegseerweiternden Komponente lag beim Laufen schon 4 Stunden zurück. Die atemwegserweiternde Komponente wirkte also nur noch mäßig. Außerdem fehlte die speziell durch Foster bewirkte Erweiterung der kleinen Atemwege. Und das spürte ich. Der Unterschied war drastisch. Am Montag (Tag 810) bin ich lustlos die Krankenmeile gelaufen. Ich hatte das Gefühl, eine Erkältung kommt. Eine sich abzeichnende Erkältung könnte auch eine Mitursache für die Atemnot vom Sonntag gewesen sein.

Am Dienstag (Tag 811) fühlte ich mich wieder besser und bin mit Badesachen zum See gelaufen (18 km). Am See wurde ich von stürmischem Wind, der sich auch noch kalt anfühlte begrüßt. Dicke, dunkle Wolken türmten sich am Himmel. Ich bin nicht ins Wasser gegangen, sondern gleich wieder nach Hause getrottet. Zu allem Überfluß war auf dem Rückweg der Akku der GPS-Uhr leer, so daß die 9 km vom Rückweg nicht aufgezeichnet wurden. Ich werde sie in der Monatsabrechnung aber hinzurechnen. Den Weg bin ich ja im Sommer 18 mal gelaufen. Da wird die Entfernung beim 19ten mal wohl nicht geschrumpft sein. An den nächsten beiden Tagen (Tag 812, 813) bin ich wieder die Krankenmeile gelaufen, weil ich mich elend fühlte und sich die Luft beim Einatmen rauh anfühlte. Jedes Gelenk und jeder Muskel hat mir wehgetan.

Am Freitag (Tag 814) ging es mir wieder gut. Ich bin die Waldseerunde gelaufen (14 km). Dort gibt es einen Trimm-Dich-Pfad. Da ich das Krafttraining im Sommer sehr vernachlässigt habe, dachte ich, es wäre eine schöne Idee die Waldseerunde zu laufen und zusätzlich dort den Trimm-Dich-Pfad zu absolvieren. Im Herbst und Winter könnte das eine schöne Ergänzung zum Laufen sein. Der Trimm-Dich-Pfad ist eine ca. 1,5 km lange sehr hügelige Strecke. Auf der Strecke werden verschiedene Übungen vorgeschlagen. Ich habe alle gemacht und fand sie sehr schwer. Zum Beispiel war es mir unmöglich mich an einer horizontal angebrachten Sprossenwand entlangzuhangeln. Ich mußte feststellen: in den Armen habe ich ziemlich wenig Kraft. Zum Hangeln hätte ich an einer Hand hängend mit der anderen Hand die nächste Sprosse ergreifen müssen. Es war mir aber unmöglich meine Körpergewicht mit einer Hand zu tragen. Dann auch noch die nächste Sposse zu erhaschen war undenkbar. Außerdem haben meine zarten Schreibtischhändchen Schmerz gemeldet. Mir ist eingefallen, daß ich als Kind eigentlich immer Schwielen an den Händen hatte.
Heute, am Samstag (Tag 815) bin ich wieder die Parkseerunde gelaufen (7km). Vom gestrigen Trimm-Dich-Pfad waren meine Muskeln noch müde und ein ansehnlicher Kater wollte nicht weichen. Der Lauf war aber sehr schön. Nach dem zweiten Kilometer war die Atmung gut und es lief sich gut. Morgen soll noch einmal richtig Sommer werden. Falls nichts dazwischen kommt, werde ich zum See laufen und schwimmen.

Eins muß ich noch sagen: Heute lag im Spiegel eine Beilage über Asthma und Copd. Natürlich ist in der Beilage von Sport keine Rede. Als Titelbild dient der Schauspieler Heiner Lauterbach. In der Beilage bewirbt Heiner Lauterbach das intermittierende (gelegentliche) Rauchen als gefahrlos. Das ist falsch! Es ist ein Verbrechen so etwas zu behaupten. Der Schauspieler hat keine Ahnung! Wer nämlich empfindlich gegen Zigarettenrauch ist, der bekommt eine Entzündung in den Atemwegen. Wenn man nur einmal in der Woche raucht, dann heizt man trotzdem die Entzündung an. Es ist so, als würde jemand sagen, wenn ich mir nur einmal in der Woche mit dem Hammer auf den Daumen haue, dann ist alles gut. Nein! Es ist nicht gut! Der Mann hat keine Copd und kein Asthma, sonst würde er nicht so einen Quatsch erzählen.

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Duft von Harz und frischem Holz

Tag 808. Nach einem kurzen Lauf am Sonntag (Tag 802) bin ich am Montag (Tag 803) zum See gelaufen (18 km). Im See bin ich geschwommen. Nach der bleiernen letzten Woche fühlte sich das Laufen wieder sehr viel besser an. Das eintauchen in den Wald war wie immer am Tag nach dem Regen besonders. Der warme, feuchte Waldboden strömte einen Duft von Harz und frischem Holz aus. Der Boden war weich und empfing den Fuß freundlich und federnd. Ab und zu fiel eine kleine erfrischende Regendusche von den Blättern. Die Pflanzen am Wegesrand, die beim letztenmal schon recht schlapp aussahen, waren wieder erstarkt und strotzten von grüner Kraft. Das Wasser im See war kühl und erfrischend. Das Wasser wird immer grüner und ist nicht mehr so klar, wie am Anfang des Sommers. Die Rotfedern, die sich an den seichten, sonnigen Stellen in Ufernähe wärmen, sind schon ca. 20 cm groß. Sie weichen dem Badenden ruhig, gelassen und ohne Hektik aus.

Am Dienstag (Tag 804) bin ich über Mittag die Parkseerunde gelaufen (7 km). Zu Beginn hatte ich das Gefühl, der Lauf würde beschwerlich und die Luft sei knapp. Aber mit jedem Schritt wurde das Atmen leichter und nach wenigen Kilometern konnte ich frei atmen. Nachdem sich dieser Zustand eingestellt hatte, wäre ich gerne noch weiter gelaufen. Am Mittwoch (Tag 805) bin ich erst am Nachmittag gelaufen. Wie oft auf der Parkseerunde kam der große gravitätische Rabe am Eingang des Parkes neugierig über den Rasen herbeimarschiert, um mich mit einem tiefen Blick in die Augen zu begrüßen. In der Mitte der Parkseerunde kann man auf die Wasseroberfläche des baumbestandenen Sees sehen. Ein leiser Windhauch kräuselte die Oberfläche und die Sonne brachte ein Glitzern hervor. Der Wind trug den Geruch von frischem Wasser heran. Am Ende der Parkseerunde bat ein Eichhörnchen jemanden, der auf einer Bank sitzend in seinem Rucksack kramte, um eine kleine Spende. Die Atmung war etwas behindert, da ich vor dem Lauf etwas gegessen hatte. Es wurde aber im Laufe der Zeit immer besser.

Am Donnerstag (Tag 806) bin ich wieder zum See gelaufen (18 km). Es war perfektes Badewetter, also bin ich mit dem Rucksack für die Badesachen gelaufen. Meine Muskulatur hat sich über den Sommer an den Rucksack (ca. 2 kg) gewöhnt. Beim Laufen war ich richtig glücklich. Sonne, Schatten, Wärme, Kühle im See, lächelnde Menschen, wedelnde Hunde habe ich erlebt. Ein schwarzer Frosch, so winzig wie ein Daumennagel, hüpfte und ein Mäusebussard schwebte quer über meinen Weg. Außerdem konnte ich zwei Mistkäfern, die auf dem Rücken lagen und hilfesuchend mit ihren Beinchen in der Luft strampelten wieder auf ihre Füßchen helfen. Die sind dann ganz eifrig losmarschiert. Es war wieder einmal so ein Tag, an dem ich vor Glück die ganze Welt umarmen könnte. Die Atmung war anfangs nicht so gut, hat sich aber beim Schwimmen entspannt. Gegen Ende fühlte sich die Luft beim Atmen etwas rauh an.

Am Freitag (Tag 807) bin ich abends die Parkseerunde gelaufen. Es war ein lauer Sommerabend. Die Gartenlokale, an denen ich auf dem Weg zum Park vorbeilaufe, waren bis auf den letzten Platz besetzt. Das Raunen der Menschen, das man im Vorbeilaufen hörte, verbreitete eine friedliche Stimmung. Im Park saßen die Menschen in Grüppchen auf dem Rasen. Die Mondsichel war hell genug, um weghuschende Karnickel erkennen zu können. Die Atmung hat sich nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten gut angefühlt. Heute, am Samstag (Tag 808) bin ich die Parkseerunde gleich am Morgen gelaufen. Ich konnte beobachten, wie ein Falke einer Krähe nachstellte. Nach einigem Hin und Her hat die Krähe den Falken abgehängt. Die Atmung war wieder ziemlich gut.

Ich hoffe, daß die etwas rauhe Atmung in dieser Woche nicht der Auftakt zu einem neuen Infekt war. Ich werde auch morgen nur die Parkrunde laufen, damit ich mir vor der nächsten Badeseerunde mit Schwimmen wirklich ganz sicher sein kann, daß kein Infekt auf der Lauer liegt. Diese Woche werde ich wieder 70 km gelaufen sein. Meine Stimmung ist hervorragend und ich bin guter Dinge. Ich wünsche allen Lesern ein schönes Wochenende und eine schöne Woche.

Zu früh am Morgen

Tag 801. Die Zahl der gelaufenen Tage, Wochen, Monate, Jahre interessiert mich irgendwie überhaupt nicht. Der ursprüngliche Wunsch, durch das Laufen die Atemnot im Alltag erträglich zu machen, ist erfüllt. Sogar die Sauerstoffsättigung ist bei Alltagsbelastungen unbedenklich geworden. Ich mache aber immer mal wieder die Erfahrung, daß die Atemwege mindestens nach der Parkseerunde (7 km) verlangen. Alltagsatemnot stellt sich in solchen Wochen ein, in denen ich an mehreren Tagen nicht wenigstens die Parkseerunde laufe. Ohne die Lauferei helfen die Medikamente nicht so gut. Ich würde sagen, Lauferei und Medikamente unterstützen sich gegenseitig. Beide Säulen sind notwendige Voraussetzung für Beschwerdefreiheit.

Darüberhinaus ist für die Stimmung und das innere Gleichgewicht das Lauferlebnis ein Quell des Glücks, den man nirgends kaufen kann. Ich fühle den Körper, die Atmung, die Wärme und das erzeugt ein Glücksgefühl, das mindestens bis zum nächsten Tag Bestand hat. Manchmal gelingt es, den Körper leicht vom Boden abfedern und nach dem Flug wieder sanft auf dem Boden landen zu lassen, um sogleich das Spiel vorn Vorne zu beginnen. Dabei entsteht eine schwebende Empfindung, die keine Schwerkraft kennt. Der laue Sommerwind weht den Körper vorwärts. Die innere und die äußere Welt verschmelzen, der Wald fliegt vorbei und ein Staunen liegt in der Leichtigkeit. Ja, das ist Laufen – manchmal. Dieses Gefühl verhindert es, daß einen der Alltag mit seinen mißmutigen Krallen hinabzieht in seinen grauen Käfig. Das bißchen Freiheit, das bißchen Leichtigkeit das man sich erlaufen hat, läßt die Krallen abrutschen und zaubert ein Lächeln in die Welt.

Ich möchte gerne regelmäßig 70 km wöchentlich laufen und/oder mindestens 250 km im Monat. Im letzten Monat habe ich die 250 km überschritten. In der vorletzten und in der letzten Woche habe ich jeweils die 70 km erreicht. Am letzten Sonntag (Tag 795) bin ich fünf mal um den Ententeich gelaufen (9 km), um meine Wochenkilometerzahl auf 70 zu bringen. Das war eine interessante Erfahrung. Die Runde unmittelbar um den Ententeich (ca. 1 km) weist ein sehr unebenes Profil auf. Es geht ständig hügelauf und hügelab. Dieses Profil fünf mal hintereinander zu laufen war eine immense Anstrengung. Das hätte ich nicht gedacht. Hügel bin ich ja gewohnt, aber so kurz hintereinander, das ist etwas völlig anderes.
Ab Montag lag dann aber eine bleierne Müdigkeit über meinem Körper. In der Berichtswoche bin ich lediglich 30 km gelaufen. Von Montag bis Samstag (Tag 796801) bin ich zwei mal die Parkseerunde (7 km) und vier mal ca. 2 km gelaufen. Es war kein Infekt. Für längere Läufe hätte ich morgens aufstehen müssen und das ist mir nicht gelungen. Ich bin kein Frühaufsteher aus Leidenschaft. Ich stand ein paar mal vor dem Wecker auf dem Balkon. Dann schien es mir aber zu früh am Morgen oder zu kalt oder… Macht nichts. Das Monatsziel kann ich immer noch erreichen.

Ich glaube, diese sehr ruhige, erholsame Woche stärkt das Pflänzchen namens Laufglück, das nach wie vor in meinem Inneren wächst und gedeiht.

Ein Wildschwein am Morgen

Tag 794. Die Atmung ist gut! Am Sonntag (Tag 787) bin ich vom Ententeich zum kleinen See im Park gelaufen (7 km). Damit habe ich das erstemal im Leben die 70 km Wochenmarke überlaufen. Zur Zeit kann ich viel Luft ein- und ausatmen. Beim Einatmen lässt sich das Zwerchfell wie ein Ballon aufblasen und der Brustkorb hebt sich. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell vollständig der Brustkorb senkt sich. Die Luft strömt ungestört durch die Atemwege. Es ist ein gutes Gefühl. Das Laufen ist fast ein Fliegen, der Bodenkontakt ist nur kurz, fast zart. Beim Laufen scheinen sich die Muskeln in kleine Federn zu verwandeln, die den Körper überraschend weich am Boden abfangen und unverzüglich vom Boden wegschnalzen lassen. Es bedarf keiner Kraft, um vorwärts zu schnellen. Man muß es nur geschehen lassen. Der Körper treibt fast von allein schwerelos vorwärts. Am Montag (Tag 788) bin ich vor Sonnenaufgang die Parkrunde (7 km) gelaufen, um der Hitze zu entkommen. Außer Karnickeln und einigen jungen Leuten in Schlafsäcken auf Parkbänken gab es nicht viel zu sehen. Die Atmung war etwas eng, was aber so früh ja eigentlich kein Wunder ist. Am Dienstag (Tag 789) bin ich in brütender Hitze wieder die Parkrunde gelaufen. Diesmal stand sogar eine kleines Zelt am See. Die Hitze war noch trocken, also nicht schlimm. Die Atmung war auch gut. Nur die Hügel konnte ich nicht vollends hochrennen. Irgendwie haben sich die Muskeln auf halbem Weg in Pudding verwandelt. Könnte es am Krafttraining vom Vortag gelegen haben? Am Mittwoch (Tag 791) war ich wieder am Badesee zum Schwimmen. Während der Nacht war eine Kaltfront mit Regen vorbeigezogen. So war der Lauf kühl und die Luft staubfrei. Erst auf den letzten Kilometern hat sich die Sonne unbarmherzig gezeigt und mit sengender Hitze die letzten Reste der Seekühle aus meinem Körper vertrieben. Der Lauf war insoweit ein sehr besonderer, als ich locker durchlaufen konnte und so mancher Hügel, der mich sonst ausbremste irgendwie gar nicht vorhanden war. Ein wirklich schöner Lauf (18 km). Am Donnerstag (Tag 792) war wieder die Parkseerunde dran (7 km). Am Freitag (Tag 793) bin ich vor Sonnenaufgang zum See gelaufen. Plötzlich stand ein Wildschwein in der Morgendämmerung mitten auf meinem Weg. Ich lief einfach weiter, da galoppierte es grunzend mit einem Affenzahn auf mich zu. Ich wendete, lief ein Stückchen zurück und blieb dann stehen. Ich schaute nach dem Schwein. Es ging seiner Wege. Da dachte ich, ich kann jetzt meinen Weg fortsetzen. Als ich aber kaum hundert Meter gelaufen war, stand das Schwein wieder da und rannte auf mich zu. Da bin ich wieder weggelaufen. Ich habe das Schwein weiträumig umlaufen und einen Umweg von 2 Kilometern gemacht, um zum See zu kommen. Auf dem Weg dorthin lief ich ein Stückchen über eine Lichtung. Da stand wenige Meter neben mir ein Wildschwein und schaute stumm, wie ich aus dem Wald auf die Lichtung trat. Als es sicher war, daß ich seinen Wald verließ, wendete es und galoppierte den Hügel hoch zurück in den Wald. Ob es das Wildschwein war, das ich umlaufen hatte, weiß ich nicht. Auf der Lichtung stand ein Fuchs. Auch er schaute zu, wie ich die Lictung überquerte. Meine Uhr hat mir später gesagt, daß meine Herzfrequenz maximal 230 war und während eines Kilometers 185 im Schnitt. Ob das stimmt? Am See angekommen schwamm dort eine schneeweiße Ente zwischen den anderen braunen. Das Schwimmen im See war nach der ganzen Aufregung beruhigend. Auf dem Heimweg liefen mir noch einmal zwei Füchse über den Weg. Außerdem hüpfte eine kleine braune Kröte über den Weg und eine rosa Raupe, die so groß wie mein Zeigefinge war, kroch auf dem Weg herum. Weiß jemand, was das für eine Raupe war? Als sich die Hitze des Tages einstellte, war ich schon längst wieder zu Hause (20 km). Heute, am Samstag (Tag 795) habe ich bei Kilometer 2 die Ententeichrunde abgebrochen. Die Aufregung von gestern und die Hitze hatten alle Kraft aufgezehrt. Also ist heute mal ein ruhiger Tag und das tut gut.

Keiner schießt!

Tag 787. Schon ist der August gekommen. Die heißen Tage fliegen nur so dahin und ich kann ahnen, wie schnell der August vergehen wird. Jetzt heißt es die hellen Sonnentage zu genießen. Man darf keine Trauer aufkommen lassen. Noch ist der Abschied vom Sommer fern. Der August fängt doch gerade erst an. Ich lasse mich laufender Weise durch den lauen Sommerwind treiben wie grünes Blattwerk an Büschen und Bäumen. Die Atmung ist sanft. Der Wind streichelt zart die Haut. Das Wasser im See kühlt wohltuend den vom Laufen heiß gewordenen Körper. Jetzt muß man in Flüssen liegen oder Teichen wie die Gewächse, worin Hechte hausen. Das Leben ist schön!

Am Sonntag (Tag 781) bin ich ein Stück mit einem älteren Herrn gelaufen. Er sagte: „Das Leben ist so schön! Leben!, das reicht doch. Hier schießt keiner auf uns, es ist Frieden. Das reicht mir.“ Recht hat er. Leben! Ist das nicht wunderbar? Viel zu selten mache ich mir das klar. Es ist wunderbar locker und leicht durch die Natur zu traben, lächelnden Menschen zu begegnen und zu beobachten, wie sich an den Holunderbüschen die Blüten in Früchte verwandeln. Und dann rennt man vollgeladen mit solchen Eindrücken einen Hügel hoch und fühlt das Leben im Körper, den Atem, das Herz und die Muskeln. Der Laib wird leicht und der Körper hebt sich federnd ab vom Boden. Laufglück, Lebensglück, ich erlebe Glück! Keiner schießt! Alles ist gut.

Am Montag (Tag 782) war Dauerregen angesagt. Ich habe trotzdem den Rucksack mit den Badesachen mitgenommen. Man kann ja nie wissen. Am See angekommen bin ich noch im Wind und Nieselregen ins Wasser gegangen. Die Wanderer, die den See umrundeten hatten dicke Jacken und warme Schuhe an. Nach einer schönen Schwimmrunde ging der Himmel auf und die Sonne hat mich gerade solange beschienen, wie nötig war, damit ich warm wurde. Auf dem Heimweg nieselte es dann wieder (18 km).

Am Dienstag (Tag 783) bin ich vor der Tagesschau am Abend noch die Parkseerunde gelaufen (6 km). Es lief wie geschmiert. Am Mittwoch (Tag 784) ging es auf die Parkseerunde mit Ententeich (7 km) und am Donnerstag (Tag 785) wieder auf die Parkseerunde (6 km). Am Donnerstag habe ich die 250 Kilometer-Monatsmarke das erstemal im Leben überlaufen. An Stelle des angekündigten Regens hat dann auch zur Feier des Tages die Sonne während meines Laufes und zwar nur während meines Laufes geschienen. Am Freitag (Tag 786), dem letzten Tag des Juli wollte ich wieder zum Schwimmen im Badesee laufen. Aber es pfiff ein kalter Wind und die Wolken ließen die Sonne kaum durch, bestes Erkältungswetter. Da meine Atmung seit Tagen gut ist, wollte ich nichts riskieren, zumal für heute, Samstag (Tag 787) sonnige Wärme angekündigt war.

So habe ich den August mit der Badeseerunde eröffnet (18 km). Ich war kurz Schwimmen. Das Wasser war unangenehm kalt, aber das Wetter war sehr schön. Ein lauwarmer Wind war mein ständiger Begleiter.

Die Atmung ist die ganze Woche ausgesprochen angenehm gewesen. Nur am Donnerstag habe ich einmal mit einer Spiriva-Kapsel nachgeholfen. Sonst ist die Medikation wie seit längerem: 3 Flutiform und vor dem Laufen Foster.