Gelber Regen

1242. Die feuchte Kühle des Herbstes ist bunt. Täglich verfärben sich eben noch grüne Blätter. Einmal bin ich durch gelben Blätterregen gelaufen. Das grelle Gelb schmerzte fast in den Augen. Die Sonne mag dieses Jahr das Feuerwerk an Farben nicht beleuchten. Aber vor dem eintönigen Grau der Wolken wirkt die Farbenpracht fast noch stärker. Das Nieseln läßt die Blätter glänzen. Satt und bunt segeln sie durch die Luft. Überall bedecken sie den Boden. Rascheln können sie nicht. Viel zu viel Leben steckt noch in ihnen.

Nach einem kurzen Lauf am Sonntag (Tag 1236) bin ich am Montag (Tag 1237) die Waldseerunde gelaufen (14 km) und habe den Trimm-Dich-Pfad absolviert. Kühle, feuchte Herbstluft erfrischte. Im See gründelte ein Schwanenpaar. Ob es das vom letzten Jahr war, weiß ich nicht. Ein Hund wagte noch eine Schwimmrunde im kalten Wasser. Alle anderen Hunde hielten ihre Zunge oder maximal ein Pfötchen ins Wasser.

Am Dienstag (Tag 1238) bin ich wieder die Waldseerunde gelaufen (14 km). Es war ein regnerischer Herbsttag. Gleich im ersten Park saß auf der Parkbank, wie eigentlich immer, ein Obdachloser. Diesmal kam eine Dame mit einem Pappbecher, gefüllt mit heißem Kaffee, und einer Tüte vom Bäcker zu dem Obdachlosen und gab diesem beides. Sie ging in meine Richtung und so hatte ich Gelegenheit zu fragen, ob sie dem Mann tatsächlich Kaffee gebracht hatte. „Ja“ sagte sie, fast um Entschuldigung heischend, „und ein Croissant“ ergänzte sie fast trotzig. Der Bäcker ist knapp zweihundert Meter entfernt. Diese Dame war also spontan fast einen halben Kilometer gegangen, um einem „Penner im Park“ eine Frühstücksfreude zu bereiten. Ich war beeindruckt und sagte dies der Dame. Gerade jetzt in den Zeiten, in denen so viele Leute vom Hass getrieben sind, berührte mich diese altruistische Geste. Mein Lauf begann dementsprechend beschwingt und frohgemut. Bunte Blätter lagen auf dem Boden und hingen an den Bäumen. Die Hunde und die Menschen, die mir begegneten waren freundlich. Wie so oft legte mir ein Hund einen Ast vor die Füße. In einem solchen Fall werfe ich selbstverständlich für den Hund. Im Gegensatz zu dem hübschen optischen Eindruck und der guten Stimmung störte ein Geruch von Moder in der Luft. Verrottendes Laub ist eines der Dinge, vor denen sich meine Atemwege verschließen.

Am Mittwoch (Tag 1239) bin ich zum Trimm-Dich-Pfad gelaufen (14 km) und habe dort meine Kräfte gestärkt, die Koordination verbessert und etwas für die Flexibilität getan. Dieser Herbsttag war etwas trüb. Die Sonne konnte sich nicht durch den Hochnebel beißen. Aber auch diese trüberen Tage haben ihren Reiz. Kaum ein Mensch ist unterwegs. Ruhe liegt über dem Wald. Eine angenehme Entspannung stellt sich unter solchen Umständen schnell ein.

Am Donnerstag (Tag 1240) lief ich nur kurz durch den Park. Es war am Abend und schon dunkel. Da fühlte sich auch so ein kurzer Lauf wie ein kleines Abenteuer an. Ich sah nur Schatten vorbeihuschen. Gelegentlich hörte ich Stimmen von Jugendlichen, die auf dem Spielplatz ihr eigenes Abenteuer erlebten.

Am Freitag (Tag 1241) bin ich wieder zum Waldsee gelaufen (14 km) und war auf der Trimm-Dich-Runde. Ich merkte bei den einzelnen Übungen eindeutig Fortschrittchen. Bemerkenswert ist, daß ich die meisten Übungen öfter machen kann, bevor ich außer Atem komme. Das Laufen nach den Übungen ist jedoch mühsam. Denn die Übungen verbrauchen viel Energie. So bin ich nach dem täglichen Laufen ganz schön müde. Ich mache mir aber wenig Sorgen, denn wenn es mir zu viel werden sollte, habe ich keine Hemmungen, Tage mit kurzen Läufen einzuschieben. Schön ist, daß mich inzwischen die meisten Hunde und ihre Besitzer kennen. Sie wissen nun, daß ich keine Angst vor ihren Hunden habe und das entspannt alle.

Heute, am Samstag (Tag 1242) bin ich durch den Wald am Waldsee vorbei gelaufen (14 km). Es war Sonne versprochen und so waren viele Spaziergänger am See zu erwarten. Also bin ich die hügeligen Wege im Wald gelaufen. Es war ziemich windig. Eine Windböe entriss mit einem Male tausende von Samen einem Ahornbaum. Die kleinen Propeller hielten die Samen in der Luft. Es sah aus, als würde ein Schwarm Insekten den Himmel verdunkeln. Die nächste Windböe riss ein Loch in die Wolkendecke. Die Sonne kam für eine halbe Stunde zum Vorschein. Das hat die Farbenpracht noch mehr zum Leuchten veranlasst. Viel zu kurz! Aber immerhin konnte ich ein paar Kilometer im kurzärmeligen T-shirt vor mich hintraben und das Sönnchen genießen.

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Überraschungen

1235. Die kühlen Herbsttage zogen dahin. Auf den ersten Blick waren diese Tage trübe. Es wurde gar nicht richtig hell. Die schon winterschwache Sonne machte es sich hinter einer dicken Wolkendecke gemütlich. Kaum aber war ich losgelaufen, glühte der Körper wie ein warmer Ofen. Die graue Kälte verwandelte sich in Abenteuer. Der Wald hielt jeden Tag eine Überraschung bereit. Mal war ein Baum, der eben noch grün war, feuerrot geworden. Ein ander Mal wurde aus einem Weg durch grünes Gewölbe knallgelbe Fröhlichkeit. Nicht nur die Natur draußen, sondern auch der Körper hielt diese Woche eine Überraschung bereit. Am Dienstag (Tag 1231) war die Energie plötzlich mitten im Wald zu Ende. Das habe ich nun schon einige Male erlebt. Von einer Sekunde auf die andere verweigert der Körper seinen Dienst. Ich nehme an, es liegt nicht nur daran, daß ich zu wenig gegessen hatte. Dies war zwar der Auslöser. Aber auch die letzten fünf Wochen, in denen ich nicht nur gelaufen bin, sondern auch noch den Trimm-Dich-Pfad absolviert habe, zehrten. So verlangte der Körper mit Vehemenz einige ruhigere Tage. Ich habe sie ihm gern gewährt.

Am Sonntag (Tag 1229) habe ich die Woche mit einem kurzen Lauf abgeschlossen.
Am Montag (Tag 1230) habe ich die Woche mit einem kurzen Lauf eröffnet.

Am Dienstag (Tag 1231) war ich wieder am Waldsee (14 km) plus Trimm-Dich-Pfad. Der Pfad ist so eine Art Spielplatz für Erwachsene. In gewissem Sinne erinnert er an ein Zirkel-Training. Auf spielerische Weise wird der ganze Körper gekräftigt. Man trifft immer wieder Menschen und oft kommen kleine nette Gespräche zustande. Man könnte den Pfad als ein niedrigschwelliges Angebot bezeichnen. Man muss niemanden um Erlaubnis bitten. Man muss sich nicht anmelden. Man braucht keine spezielle Kleidung. Aber man sollte vorher etwas gegessen haben. Heute hatte ich einen richtigen Hungerast. Plötzlich ging kaum noch etwas. Ich dachte schon ich habe einen Infekt. Dann fiel mir ein, daß das wieder der berühmte Lauf nach einem Kürbissüppchen am Vortag war. Nach reichlichem Essen zu Hause ging es mir besser.

Am Mittwoch (Tag 1232) bin ich nur kurz gelaufen. Ich hatte immer noch Hunger und fühlte mich schwach. Die Waage riet mir ebenfalls, einen Fresstag einzulegen. Das tat ich.

Am Donnerstag (Tag 1233) bin ich kurz gelaufen. Ich habe den ganzen Tag weiter gegessen. Ich konnte fühlen, wie sich die Speicher allmählich wieder wohlig füllen. Morgen werden die Speicher wohl wieder für eine Waldseerunde plus Trimm-Dich reichen.

Am Freitag (Tag 1234) bin ich zum See gelaufen (14 km) und habe die Waldseerunde absolviert. Die zwei faulen Tage hatte ich gebraucht. Der Lauf war leicht und das Turnen auf dem Trimm-Dich-Pfad ebenfalls. Dunkle schwere Wolken hingen bedrohlich über mir, hielten aber das Wasser. Eine halbe Minute lang zeigte die Sonne, daß es sie noch gibt. Ich war froh. Es war ein schöner Lauf. Der Waldboden war an manchen Stellen knallgelb gefärbt. Der Wind und der Regen hatten gelbe Blätter zu Boden gerissen.

Heute am Samstag (Tag 1235) bin ich nur kurz gelaufen. Die berühmte letzte Rose blühte in einem Vorgarten, an dem ich vorbei lief. Nach dem Lauf traf ich einen Nachbarn. Er erzählte mir, wie die weißen Blüten heißen, die in den letzten Wochen überall aufgetaucht sind: „Knöterich“. Ups, welche Überraschung! Ich dachte immer Knöterich sei ein Unkraut. Wieder hatte ich etwas gelernt.

Ich wünsche allen Lesern kraftvolle Tage!

In einem verregneten Wald

1228. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich mein Horizont durch das Laufen erweitert hat. Es hat etwas archaisches, sich in einem verregneten Wald aufzuhalten. Das öffnet auf geheimnisvolle Weise mein Inneres und berührt mich seltsam. Es ist als hörte ich die schönste Melodie zum ersten Mal. Ich erlebe eine intensive Teilhabe am Leben. Die Zeit scheint still zu stehen. Es gibt kein Morgen und es gibt kein Gestern. Das Leben ist einfach nur das Leben. Sogar die unbelebte Natur hat hier ein Leben. Der verregnete Wald ist ein Mysterium. Er ist ein Wunder. Ich sehe die Bäume, die vor Nässe glänzenden Blätter und genieße die kalten Tropfen auf der warmen Haut. Ich fühle mich lebendig. Ich hoffe, nein ich weiß, daß diese sorgenfreie Zeit im Wald in meiner Erinnerung erhalten bleibt. So kann ich jederzeit Kraft aus dieser Quelle trinken.

Am Sonntag (Tag 1222) habe ich die Laufwoche mit der Waldseerunde (14 km) abgeschlossen. Es regnete sanft. Der sonntägliche Wald war leer und ruhig. Die Luft war kalt. Das war ein erfrischender Ausgleich zur Körperwärme. Es war wieder sehr anstrengend. Die Anpassung an die jetzige Belastung steht noch aus.

Am Montag (Tag 1223) bin ich nur kurz gelaufen. An diesem Tag war mein Körper dankbar für einen kurzen Lauf. Mein Gemüt erfreute sich trotzt der Kürze am Lauf. Der Halbmond schaute zwischen den Straßenlaternen herab auf die Menschen, die im Dunkeln noch dies und das erledigten. Die kühle Luft erfrischte und machte Lust auf mehr.

Am Dienstag (Tag 1224) lief ich zum Waldsee (14 km) und war auf dem Trimm-Dich-Pfad. Es regnete die ganze Zeit. Ich wurde bis auf die Haut nass. Der Körper blieb aber durch das Laufen und die Spiele auf dem Pfad immer schön warm. Der Regen rann an meinem Gesicht herunter. Meine Haare wurden zwar nass, schützten mich aber doch vor der Kälte. Das Halbdunkel im Wald wirkte vertraut. Nur ab und zu beschwerte sich ein Eichelhäher. Ansonsten war es ziemlich ruhig.

Am Mittwoch (Tag 1225) war es auf der Waldseerunde (14 km) eiseskalt. Ein scharfer Ostwind durchkühlte mich bis auf die Knochen. Dazu fiel Regen, versetzt mit Graupel. Die Baumwipfel wurden vom Wind gebeugt. Eine Krähe vollführte einen Luftkampf mit einem kleinen Falken. Ein Schwarm Wildgänse verabschiedete sich lautstark.

Am Donnerstag (Tag 1226) war es auf der Waldseerunde (14 km) wieder düster, kalt und verregnet. Da ich den Trimm-Dich-Pfad abgearbeitet habe, war der Lauf ganz schön anstrengend. Ich habe leise das Gefühl, daß ich allmählich kräftiger werde und mir die Übungen ein winzig kleines Bisschen leichter fallen. Letztes Jahr hatte ich ja auch schon einmal den Pfad erprobt. Nach sieben Versuchen ließ ich es wieder sein. Warum das so war, weiß ich nicht mehr. Dieses Jahr bin ich immerhin mit dem heutigen Tag schon beim zwölften Mal. An einem dieser zwölf Tage traf ich einen Kampfsportler, der sich selbst als Leistungssportler bezeichnete. Er sagte mir, ich solle den Pfad täglich absolvieren und zu Hause auch noch einiges tun. Dann könne ich sicher sein, daß ich nach einem halben Jahr erste Erfolgserlebnisse habe.

Am Freitag (Tag 1227) bin ich seit langem mal wieder am Abend zum See gelaufen (14 km). Es wehte ein frischer Wind. Im Blattwerk säuselte es. Die Sonne ging gerade unter als ich eintraf. Ich traf den Hirsch mit sechs Damen. Der Hirsch und eine Hirschdame beäugten mich misstrauisch. Die anderen ästen ruhig weiter. Nachdem ich sie ausgiebig betrachtet hatte, bin ich glücklich von dannen getrabt.

Heute, am Samstag (Tag 1228) regnete es als ich zum Waldsee lief (14 km). Auch bei den Trimm-Übungen wurde ich nass geregnet. Selbst als ich nach Hause lief, war es bewölkt und die Sonne fand kein Loch in der Wolkendecke. Erst jetzt, wo ich im warmen Zimmer sitze, schaut die Sonne unter ihrer Decke hervor. Es war aber trotzdem sehr schön. Der verregnete Wald hat etwas friedliches. Die Menschen, denen man begegnet sind freundlich. Die Hunde sind verspielt. Dem Wald tut der Regen gut.

Kälteeinbruch

1221. Diese Woche war sehr anstrengend. Ein Kälteeinbruch und sehr windiges Wetter mussten verdaut werden. Dabei half die Atmosphäre im verregneten Wald. Bei dem regnerischem Wetter machte sich eine entspannte Ruhe breit. Die Blätter glänzten in satten grünen Farben. Die herabgefallenen Kiefernnadeln leuchteten hellgelb auf dem Boden.

Der Trimm-Dich-Pfad löste in dieser Woche Muskelkater aus. Ich fühlte mich mit den Übungen vertraut. So machte ich die Übung öfter oder intensiver. Es macht Spaß zu erleben, wie der Körper sich allmählich an diese neuen Herausforderungen anpasst. Aufgrund meiner Erfahrung erlebe ich inzwischen solche Anpassungsvorgänge mit großer Zuversicht.

Am Sonntag (Tag 1215) bin ich entgegen meiner ursprünglichen Vorstellung doch nur kurz gelaufen. Während des Laufens merkte ich, daß die Kraft zurück kommt.

Das gleiche galt für den Montag (Tag 1216). Die Kraft war definitiv zurück.

Am Dienstag (Tag 1217) bin ich zum Waldsee gelaufen (14 km). Dort habe ich mich dem Trimm-Dich-Pfad gewidmet. Es war ein strahlend schöner Herbsttag. Die Atmung war anfangs widerspenstig. Mit zwei Hub Salbutamol ließ sie sich besänftigen. Der Heimweg (7 km) nach dem Trimm-Dich-Pfad war sehr anstrengend. Es ist unglaublich, wieviel Kraft ich auf dem Pfad lasse. Ich bin wirklich gespannt, ob sich das im Laufe der Zeit leichter anfühlt. Zunächst fehlt die Leichtigkeit des Seins. Ich erhoffe mir vom Kraftzuwachs letztendlich eine größere Leichtigkeit. Wenn die Muskeln kräftiger werden, müssten sie den Körper leichter tragen können. Das wäre dann auch hoffentlich für das Laufen wiederum vorteilhaft.

Am Mittwoch (Tag 1218) bin ich nur kurz gelaufen.

Am Donnerstag (Tag 1219) war ich wieder am Waldsee (14 km) und auf dem Trimm-Dich-Pfad. Es war ein kühler, windiger, regnerischer Herbsttag. Also ein Tag, an dem man nach dem ersten Anschein keinen Hund vor die Tür schicken würde. Nach dem ersten Entsetzten, daß ich naß wurde, machte es Spass. Die Luft war sauber. Die Körperwärme lies die Feuchtigkeit schnell verdampfen. Die eigentümliche Stille, die vom Rauschen des Regens getragen wird, lies mich entspannt und locker dahintraben. Nach dem Trimm-Dich-Pfad war der Heimweg wieder extrem beschwerlich.

Am Freitag (Tag 1220) war ich ohne Trimm-Dich am Waldsee (14 km). Der gesamte Weg war beschwerlich. An der Lunge lag es nicht. Es fühlte sich an, als wollte ich gerade eben die Distanz von 14 km erobern. Bis auf weiteres gehe ich davon aus, daß das ungewohnte Krafttraining an mir nagt. Im Wald war es sehr schön. Es war kalt. Die Wolken türmten sich schwarz-weiß auf. Es regnete nicht. Der Waldboden war feucht. Kein Staub flog durch die Gegend. Sehr angenehm. In einem Baum am See stand ein Graureiher und schaute über den See. Zwei Krähen flogen über den See und sangen ihr Winterlied.

Heute, am Samstag (Tag 1221) war wieder die Waldsee-Trimm-Dich-Runde dran (14 km). Noch am Tag zuvor fühlte ich mich erschöpft. Über Nacht hatte ich mich erholt. Ich lief entspannt zum See. Das Wetter unterstützte mich dabei. Denn sobald ich vor die Haustür trat hörte es auf zu regnen. Zeitweise kam sogar die Sonne zum Zuschauen hinter ihren Wolken hervor. Jetzt, da ich wieder zu Hause bin, regnet es wieder. So war der Samstagslauf ein Glücksfall. Danke lieber Wettergott!

Ich wünsche schöne Herbsttage!

Eines Tages

1214. Diese Woche hatte ich ein ganz besonderes Jubiläum. Ich habe die Kilometerzahl erreicht, die ich im ganzen letzten Jahr überhaupt erlaufen habe. Zur Laufstatistik geht es hier. Ich bin froh und stolz. Mein Körper wurde ganz allmählich immer belastungsfähiger. Ausflüge in den Wald, meine Schwimmrunden im See und jetzt auch noch die Trimm-Dich-Pfad-Runden kann ich ohne grössere Probleme genießen. Wenn alles so bleibt wie es jetzt ist, dann kann ich mich glücklich preisen. Ich kann alle Dinge tun, für die ich vor der Krankheit keine Zeit hatte, von denen ich aber wusste, daß ich sie eines Tages machen möchte. Eines Tages ist jetzt und es ist schöner als ich es mir vorgestellt hatte. Möge die Lunge und der übrige Körper noch ein Weilchen mitmachen!

Am Montag (Tag 1209) wollte ich eigentlich wie so oft um den See laufen. Wegen des schönen Wetters waren viele Menschen mit ihren Hunden unterwegs. Da es schon lange nicht mehr geregnet hatte, waren die Wege sehr staubig. So bin ich zur Schafsweide gelaufen (15 km). Der Weg ist nicht so viel besucht. Also wird auch nicht so viel Staub aufgewirbelt. Dafür ist er etwas hügelig. An der Schafsweide habe ich ständig nach den Schafen geschaut. So übersah ich einen Eisenträger, der im Boden versenkt war. Nur eine kleine Ecke mit einer Höhe von ein bis zwei Zentimeter schaute hervor. Es kam, wie es kommen musste. Ich stolperte und stürzte. Ich hatte mir Knie und Ellbogen aufgeschürft. Nachdem ich mich von dem Stolperschock erholt hatte, war ich fast ein bisschen stolz. Solche Wunden erwirbt man nicht am Schreibtisch!

Am Dienstag (Tag 1210) war ich auf der Waldseerunde (15 km) plus Trimm-Dich-Pfad. Die Sonne schien und ein leichter Wind wehte durch das trockene, bunte Laub an den Bäumen. Überall sah man Spinnweben, die es so nur im Altweibersommer (darf man das Wort sagen oder fühlt sich jemand diskriminiert?) gibt. Es hatte immer noch nicht geregnet und war dementsprechend staubig. Zum Waldsee bin ich durch das hügelige Waldstück gelaufen. Am Waldsee habe ich den Höhenweg genommen, obwohl er etwas weiter ist und nicht direkt am See vorbeiführt. So konnte ich die Staubwolken der Hunde und ihrer Besitzer umlaufen. Dreihundert Kilometer im Monat habe ich mit diesem Lauf erreicht.

Am Mittwoch (Tag 1211) bin ich nur kurz gelaufen.

Am Donnerstag (Tag 1212) stand ein Jubiläum an. Ich bin nämlich in diesem Jahr mit diesem Tag so viel gelaufen wie im ganzen letzten Jahr (2.568 km) überhaupt. Den Jubiläumslauf habe ich zum Waldsee mit Schlenker (16 km) plus Trimm-Dich-Pfad gemacht. Der Lauf war leider mühselig und ich kam nicht richtig in Schwung. So einen Lauf gibt es immer wieder. Ich könnte ihn ausfallen lassen. Aber ich freue mich eigentlich auch an Läufen, die schleppend und unangenehm verlaufen. Denn immerhin habe ich mich 16 km an der frischen Luft bewegt. Und ich habe die Übungen am Trimm-Dich-Pfad gemacht. Auch wenn ich mich schlapp fühlte, so ist doch die Lunge belüftet worden und ich war draußen im Wald – besser als den ganze Tag am Schreibtisch.

Am Freitag (Tag 1213) war die Schlappheit nicht aus meinem Körper gewichen. So habe ich mich entschlossen nur kurz zu laufen. Schließlich wachsen Muskeln angeblich nur am Ruhetag. Also habe ich diesen Tag dem Muskelwachstum gewidmet.

Heute, am Samstag (Tag 1214) habe ich mich wie am Tag zuvor nur auf die kurze Runde begeben. Ich sagte mir: „In der Ruhe liegt die Kraft. Spätestens am Montag geht es weiter.“