Kaltes Vergnügen

Tag 1088. Schlechtes Wetter? Gibt es nicht! In dieser Woche regnete es viel. Und es war ziemlich kühl. Die Sonne ließ sich überhaupt nicht blicken. Die Natur freute sich. Das Grün wucherte überall. Mancher Weg war über Nacht einfach zugewuchert. Ich entdeckte, dass ich die Badeseerunde nur etwas verlängern muss, damit ich durch ein geschütztes Tal laufen kann. Es ist etwas hügeliger als sonst. Aber es bietet neue Blicke. Wegen der vielen Hügel dürfte es nicht nur in dieser Regenwoche menschenleer sein. Der schöne neue Weg verführte mich dazu, daß ich in dieser Woche achtzig Kilometer erlaufe und ziemlich sicher die Dreihundert Kilometer in diesem Monat wieder erreichen werde.

Sonntag (Tag 1082) und Montag (Tag 1083) bin ich nur kurz gelaufen. Eigentlich wollte ich früh laufen, aber ich konnte mich am Morgen nicht aufraffen und so blieb nur Zeit für die kurzen Läufe.

Am Dienstag (Tag 1084) war ich Schwimmen (18 km). In der Nacht hatte es gestürmt und gewittert, so dass einige Bäume umgeworfen waren und dicke Äste die Wege blockierten. Teilweise war Klettern angesagt. Der Wald war saftig und grün. Der Staub von Wochen war abgewaschen und bedeckte hellgelb das Wasser in den Pfützen. Es war kaum ein Mensch unterwegs, so hörte ich nur die Vögel singen und schaute in dichtes, üppiges Grün, das vor sich hin dampfte wie im Dschungel. Der See war angenehm kühl. Ich hatte neulich ein Thermometer für Kinderbadewannen erworben, damit ich die Temperatur im See messen kann. Ich maß 18,5 °C und war erstaunt. Als Lufttemperatur wäre das ja angenehm. Im Wasser ist es aber doch ziemlich kalt. Zu Hause angekommen erhielt ich die Nachricht, dass unsere Balkonkrähe heute Nacht ein Küken verloren hat. Es war wohl beim Sturm aus dem Nest gefallen. Der kleine, halbnackte, nur spärlich mit Flaum bedeckte Körper lag zwischen den Autos auf der Straße. Der Kopf war schon von irgendeinem Tier angefressen. Ich habe unsere Krähe am Morgen um 3 Uhr krähen gehört und hatte schon leise Sorge.

Am Mittwoch (Tag 1085) bin ich wieder zum Badesee (19 km) gelaufen und war Schwimmen . Es war ein verregneter Tag mit 14 °C Lufttemperatur. Die Wassertemperatur betrug nur 18 °C. Bevor ich im Wasser war, dachte ich, ich sei wohl etwas gaga. Als ich im Wasser war, war es wunderbar. Der Kormoran kam sofort heran geflogen und flog 2 Meter neben mir, direkt über der Wasseroberfläche vorbei. Er schien mich neugierig zu beäugen. Ein Blesshühnchen schwamm die ganze Zeit im Abstand von 5 Metern neben mir her. Eine winzige Schwalbe segelte über der Wasseroberfläche und schien Insekten zu fangen. Im Wasser war es herrlich. Kalt zwar, aber durch den Regen waren die Ufer noch grüner geworden und der See schien in einem grünen, undurchdringlichen Urwald zu liegen. Dabei war das Wasser extrem klar. Auf dem Rückweg bin ich wieder die große Runde gelaufen. Es dauerte ziemlich lange, bis ich wieder warm war. Als ich an der Schafweide vorbeikam, sah ich endlich mal wieder die Heidschnucken. Sie standen recht weit weg. Ich rief ein lautes „Hallo!“. Alle kleinen schwarzen Gesichtchen wendeten sich mir zu. Dann widmeten sie sich wieder dem Kauen.

Am Donnerstag (Tag 1086) bin ich wieder nur kurz gelaufen.

Am Freitag (Tag 1087) bin ich wieder zum Baden gelaufen (18 km). Auf dem Weg zum See fiel mein Blick an einer Weggabelung auf einen Mäusebussard, der in der Höhe auf einem Baum saß und friedlich herunterschaute. Der See war diesmal sogar 17 °C kalt. Aber es war herrlich. Für ein paar Minuten zeigte sich die Sonne und ließ erahnen, wie es an einem warmen Sommertag sein wird. Die Kaulquappen haben inzwischen Köpfe, die so groß wie Centstücke sind.

Heute, am Samstag (Tag 1089) war ich wieder am Badesee (19 km) und bin geschwommen. Es war 12 °C Lufttemperatur und 17 °C Wassertemperatur. Das Wasser hat gedampft und der Atem auch. Als ich zum See kam, flogen gerade beide Graureiher über der Wasseroberfläche. Eine Ente, die ich noch nicht kannte, hat winzige Bällchen aus Daunen im Schlepptau gehabt. Auf dem Weg zum See stand mitten auf dem Weg eine sehr große schwarze Krähe. Vor ihr stand eine sehr kleine schwarze Krähe und hat mit den Flügeln geschlagen und ein lautes Geräusch zwischen Gurgeln und Gurren von sich gegeben. Die kleine Krähe wurde von der großen Krähe liebevoll beäugt. Und zweimal hörte ich im Hintergrund einen Hahn krähen. Frühmorgendliches Laufen hat etwas, wenn man erst einmal losgelaufen ist.

Ich wünsche schönes Wetter!

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Alle Wetter!

Tag 1081. Das war eine Woche des rasanten Wetterwechsels. Vom Hagel- bis zum Badewetter. Alles war da. Nur ein Gewitter fehlte. Na, ja. Aber, bei wem könnte ich mich beschweren? Also übe ich mich in Langmut und nehme das Wetter als Abenteuer.

Am letzten Sonntag (Tag 1075) bin ich um den Waldsee gelaufen (14 km). Auf dem Weg zum See riss kalter Wind an meiner Jacke. Als ich am See ankam, lag er tiefgrün, eingegrenzt vom prächtigen Grün der Bäume unter einem bedrohlich schwarzen Himmel. Kurz darauf brach die Sonne durch und es wurde warm. Fast wollte ich schon bedauern, daß ich nicht auf Schwimmen vorbereitet war. Da wurde es wieder schwarz und es hagelte wie wild. Der Weg war übersät mit kleinen Hagelkörnern. Dann kam wieder die Sonne durch und der Weg fing an zu Dampfen und dichte Nebelschwaden erhoben sich und flogen davon, um sich gleich darauf aufzulösen. Ich lief frohgemut nach Hause. Nun war ich ja doch richtig nass und kalt geworden als ob ich Schwimmen gewesen wäre. Auf dem Heimweg trocknete mich die Sonne.

Am Montag (Tag 1076), Dienstag (Tag 1077) und Mittwoch (Tag 1078) bin ich nur kurz gelaufen. Bemerkenswert war der Wind, der den Blütenstaub, der sich in den letzten Wochen auf den Blättern gesammelt hat, direkt in meine Lunge geweht hat. Nee, nee, nee! Dat mag ich nich‘.

Am Donnerstag (Tag 1079) habe ich mich dann wieder mutig an den Badesee gewagt (20 km). Mutig, weil es nicht so warm war und noch dazu windig. Dennoch war es ein herrliches Schwimmen im See. Die Blesshühnchen waren mit fünf Jungen im Wasser. Am Ufer schwammen unzählige Kaulquappen. Inzwischen haben sie schon erstaunlich große Köpfe. Weil es so herrlich war und ich ausgeruht war, bin ich dann die große Runde nach Hause gelaufen.

Am Freitag (Tag 1080) bin ich um den Waldsee gelaufen (14 km). Zum Schwimmen wäre es zu kühl gewesen. Es war sonniges, aber windiges Wetter. Die Wege, die noch vor wenigen Tagen nach Flieder dufteten und an denen man das Grün vor lauter schweren, weißen Dolden nicht sehen konnte, waren verschwunden. Alles war in prächtigem, frischen Grün gehalten. Auch die weißen Blüten, die wie Schnee die Wege bedeckt hatten, nachdem der Wind die Blüten abgerissen hatte, waren verschwunden. Nur noch müde, bräunliche Häufchen aus zusammen gewehten Blüten lagen hier und da herum. Dafür haben sich das erste Mal wieder Krähen gemeldet, als ich zur Stadt zurückkehrte. Es waren drei Krähen, die aufgeregt zu sein schienen. Ob da ein Krähenkind in die Kunst des Fliegens eingeweiht wurde? Wer weiß.

Am Samstag (Tag 1081) bin ich noch einmal um den Waldsee gelaufen (15 km). Es war Sonnenschein, aber die Luft fühlte sich warm und schwül an. Wie immer am Samstag waren viele Leute unterwegs und so fühlte sich das Laufen gesellig an. Neidlos bewundere ich manche Läufer, die elegant und schnell an mir vorbei fliegen. Aber auch ein Eichhörnchen hat mich überholt. Ich lief an einem Gartenzaun entlang. Das Eichhörnchen überholte mich auf eben diesem Zaun laufend von hinten, hielt sich ein Weilchen neben mir und dann galoppierte es, immer noch auf dem Gartenzaun befindlich, auf eine Tanne zu, um darin zu verschwinden.

Vielleicht ist ja morgen wieder Badewetter. Mal sehen.

Ich wünsche eine schöne Woche.

Der See lädt zum Bade ein!

Tag 1074. Diese Woche war es endlich wieder soweit. Meinen Badeseelauf konnte ich endlich wieder mit einer kleinen Runde Schwimmen im See unterbrechen. Ich war ganz erstaunt, dass das Wasser zwar sehr kühl, aber nicht eiskalt war. Beim Einsteigen in den See war ich vorsichtig. Denn am Ufer schwammen sehr kleine Kaulquappen herum. Letztes Jahr, als ich die Erkältung hatte, habe ich sie noch krank und neidisch vom Ufer aus beobachtet. Diesmal durfte ich ihr Element teilen. Das Bad im kalten See beflügelte meine Atmung und so fühlte ich mich wunderbar leicht und selig.

Am Sonntag (Tag 1068) und Montag (Tag 1069) war es sehr heiß. Morgens war ich noch müde. Also lief ich am späten Vormittag nur kurz.

Am Dienstag (Tag 1070) lief ich zum Badesee (17 km). Die Sonne lächelte vom blauen Himmel. Ein leichter Wind reichte aus, um die Hitze in angenehme Wärme zu verwandeln. Ich hatte meine Rucksack mit den Schwimmsachen mitgenommen. Man kann ja nie wissen. Ich lief durch zartgrüne, duftende, sonnendurchflutete Wälder zum See. Ich streifte meine Laufschuhe ab und ging bis zu den Knien testweise in das Wasser. Oh! Gar nicht so kalt! Dann bin ich schwimmen gegangen. Es war kühl, aber nicht zu kühl. Herrlich! Wunderbar! Endlich! Juhu, der Sommer ist da! Schwimmen, ah! Es ist so eine schöne Abwechslung. Der kalte See erfrischt und belebt. Danach ging das Atmen für eine Weile wie von allein und ich eilte glücklich lächelnd nach Hause.

Am Mittwoch (Tag 1071) habe ich den Dienstag wiederholt, weil es so schön war. Auf dem Weg zum See fühlte ich mich noch richtig kraftvoll. Am See angekommen schwamm gerade das Haubentaucherpaar vorbei. Zwischen beiden schwamm, sorgfältig behütet, ein kleines, weißes Haubentaucherkind. Als ich ins Wasser ging schwammen wieder die kleinen Kaulquappen herum. Sie schienen über Nacht gewachsen zu sein. Vom See aus konnte ich am Ufer den Kormoran sehen, wie er seine Flügel trocknete. Außerdem konnte ich den Graureiher im Schilf sehen. Beide Vögel taten mir die Ehre an, mit neugierigem Blick einmal über mich hinweg zu segeln und nach mir zu schauen. Schnell war klar, dass ich weder Gefahr noch Speise war. Auf dem Heimweg wurde ich zunehmend schlapp. Es wurde heiß und etwas schwül. Zur Stadt hin ließ der Wind nach und so war ich am Ende froh, wieder zu Hause zu sein.

Am Donnerstag (Tag 1072) blieb es bei einem kurzen Lauf.

Am Freitag (Tag 1073) war ich wieder im See baden (18 km). Es war entgegen allen Ankündigungen traumhaftes Sommerwetter. Mir gehörte der Wald und der See allein. Ich schwamm im kalten, klaren Wasser. Ein Blesshühnchen schwamm gezielt auf mich zu und trete erst ab, als es auf einen Meter herangeschwommen war und ich es anflehte, doch bitte abzuhauen. Der Kormoran flog wieder über mich hinweg. Es war recht wellig, denn es wehte ein böiger Wind. Erst als meine Zähne anfingen zu klappern, schwamm ich zurück. Auf dem Heimweg wurde ich ganz allmählich wieder warm.

Heute, am Samstag (Tag 1074) habe ich meinen müden Muskeln zu Liebe einen kurzen Lauf eingelegt. Das passte zum sehr kühl gewordenen Wetter. Für ein Bad im See wäre es heute zu kalt gewesen. Macht nichts! Der Sommer kommt ja erst.

Durch laue Lüfte laufen

Tag 1067. Durch Laue Lüfte laufen, gute Düfte in einer grünen Welt mit bunten Punkten wahrnehmen, das ist Laufen, das ist Leben. Es gibt so viele schöne Momente beim Laufen. Sei es, wenn ich das Tempo gefunden habe und das laufen zum Traben wird. Oder wenn die unruhige Großstadt zurück bleibt. Ich trete in den Wald ein und die Geräusche und die Düfte des Waldes umfangen mich. Mit Vorfreude erfüllt mich, wenn ich hinunter in das Tal laufe und schon den See riechen kann, bevor ich ihn sehe. Dann sehe ich den See und höre das glucksen des Wassers, wenn eine Ente hineinspringt oder ich höre, wenn die Wellen an das Ufer schlagen. So reiht sich ein schöner Moment an den anderen. Täglich und zuverlässig.

Am Sonntag (Tag 1061) bin ich kurz zum Spielplatz gelaufen. Es sah nach einem herrlichen Sonnentag aus. Aber es fehlte der kalte Wind. Es war unangenehm schwül. Trotzdem fühlte ich mich gut und konnte mich am Sonnenschein erfreuen. Ich nahm mir vor am nächsten Tag vor Sonnenaufgang in den Morgen zu laufen.

Am Montag (Tag 1062) war die Sonne doch schon aufgegangen, als ich loslief (17 km). Ich lief zum verwunschenen Waldsee in der Schlucht. Es war klare Sicht, Sonnenschein und wolkenloser Himmel. Die grüne Welt duftete verführerisch. Kaum jemand war im Wald. So hatten die Ameisen die Waldwege in Besitz genommen. Sie schleppten und arbeiteten wie besessen. Obwohl ich überwiegend im schattigen Wald lief, holte ich mir einen kleinen Sonnenbrand. Ich lief das erste mal in diesem Jahr in kurzer Hose und mit einem kurzärmeligen T-Shirt. Es war nämlich richtig warm. Frühling vom Feinsten. Sogar ein Kuckuck hat durch den Wald gerufen. Perfekt!

Am Dienstag (Tag 1063) bin ich wieder nur kurz gelaufen.

Am Mittwoch (Tag 1064) bin ich am Waldsee vorbei zum Badesee gelaufen (17 km). Es war regnerisch und kühl. So war die Luft frisch und im Wald war es ruhig. Wieder hörte ich den Kuckuck. Und wieder roch ich einen starken Duft, der von etwa drei bis sechs Meter hohen Büschen oder Bäumen ausging, die es überall im Wald gibt. Diese Büsche/Bäume waren mit weißen Blüten übersät. Wen ich auch fragte, niemand wusste welchen Namen diese Pflanze hat. Seltsam, wie fern der Natur wir Großstädter doch sind. Eine Dame hielt es für Fliederbäume. Und tatsächlich, ein Vergleich mit Bildern im Netz bestätigte die Vermutung. Das war mir wirklich neu, dass wilde, weiße Fliederbäume im Wald wachsen. Die Blesshühnchen auf dem See hatten schon Nachwuchs. Auf einem in das Wasser umgefallenen Baum, der halb aus dem Wasser ragte, saßen sechs kleine Hühnchen nebeneinander. Die Eltern zeigten ihnen ihre Tauchkünste, während die kleinen interessiert zuschauten.

Am Donnerstag (Tag 1065) bin ich zu Beginn der Dämmerung losgelaufen (14 km).
Ich bin ja kein geborener Frühaufsteher. Aber so ein ruhiger Morgen, wenn alle noch schlafen und die Luft noch frisch ist, verführen mich doch immer wieder mal zum frühen Aufstehen. Der Wald duftete wieder nach dem weißen Flieder. Der See lag spiegelglatt im Tal. Als die Sonne aufging begannen die Kiefernstämme in glutroter Farbe zu leuchten. Der ganze Wald war in einem zartgrün gehalten. Da ward mir seltsam zumute; Ich meinte nicht anders, als ob das Herz recht angenehm verblute. Statt des Harfenmädchens krähten die Raben mit wahrem Gefühl und falscher Stimme das alte Eiapopeia…(Heine). Ja, ist ja gut, ich höre schon auf. Die Atmung ging trotz der frühen Stunde sehr gut. Das bewusste, extreme Ausatmen bewährt sich nach wie vor.

Am Freitag (Tag 1066) lief ich durch eine von Blütenduft schwangere sonnige Straße nur kurz zum Park .

Heute, am Samstag (Tag 1067) sprang ich morgens geradezu aus dem Bett. Der wunderbare Morgen vom Donnerstag schrie nach Wiederholung. Ich lief fast auf die Sekunde genau um die gleiche Zeit wie am Donnerstag los. Es war ruhig und angenehm. Im Wald begegnete mir eine Füchsin und ein Junges. Es war wieder ein herrlicher Morgen (15 km).

Ich wünsche ein schöne Woche!