Aufbruchstimmung

1424. Eine sonnige Woche liegt hinter mir. Es war sehr kalt für April. Aber ich musste den Kopf nicht mehr einziehen, um Eiswinden zu entgehen. Die Sonne wärmte dort, wo es windstill war. Gut beturnte Muskeln taten das Übrige, um den Körper zu wärmen. Die Wälder wurden täglich grüner. Zum Dank dafür, daß die Sonne sie bescheint, warfen die Bäume mit Schatten. Die Vögel waren im Brutgeschäft. Aufbruchstimmung lag in der Luft. Ich war zweimal am Badesee. Der ist noch viel zu kalt.

Am letzten Sonntag (Tag 1418) lief ich zum Ententeich.

Am Montag (Tag 1419) ging ich auf die Badeseerunde (19 km). Entgegen der Wettervorhersage war der Himmel strahlend blau. Die Sonne griff mit ihren wärmenden Fingern nach mir. Ich konnte im kurzärmeligen T-shirt und mit hochgekrempelten Hosenbeinen den Weg bis zum See genießen. Am See wehte ein kräftiger Wind. Wolken zogen auf. Ich musste Handschuhe und Mütze anziehen. Auf dem Heimweg lag ein kleines zerbrochenes Vogelei auf dem Weg. Ob Wind oder Kuckuck schuld war, konnte ich nicht ermitteln.

Am Dienstag (Tag 1420) fand ich auf der Ententeichrunde ein nacktes, vertrocknetes Küken auf dem Gehsteig. Der Wind war in der Nacht heftig gewesen.

Am Mittwoch (Tag 1421) turnte ich am Morgen. Danach lief ich die Ententeichrunde. Eine Krähe flog unmittelbar hinter dem behelmten Kopf eines Radfahrers. Sie bewegte ihre Schwingen betont langsam. Sie nutzte offensichtlich den Windschatten des Radfahrers. Hätte der Radfahrer sich umgedreht, wäre er wahrscheinlich zu Tode erschrocken. An der übernächsten Querstraße bog die Krähe rechts ab.

Am Donnerstag (Tag 1422) war ich am Badesee (19 km). Die Sonne schien. Dicke weiße Wattewolken flogen über den blauen Himmel. Die Flora war noch grüner. Mancher Weg hatte schon ein frühlingsgrünes Gewölbe über sich. Zartgrüne glänzende Blättchen schmückten die Birken. Der Flieder blühte und duftete. Das Wasser im See war an einer sonnigen, flachen Stelle am Ufer 8 °C kalt. Ein Schwan hatte sein Nest im Schilf errichtet. Er nestelte an den Eiern herum. Im Naturschutzgebiet weidete ein Rudel Hirsche. Schwan und Hirsche hätte ich übersehen, hätten nicht jeweils Fotografen mit ihren Kameras den Weg gewiesen.

Am Freitag (Tag 1423) war ich morgens am Ententeich. Das Schilf trieb zartgrün am Rande des Teiches aus. Spatzen hielten sich an frischen Halmen fest. Abends turnte ich.

Heute, am Samstag (Tag 1424) lief ich die Ententeichrunde. Eigentlich wollte ich zum dritten Mal zum Badesee laufen. Aber mein Körper verlangte einen Aufschub. Muskeln und Gelenke bestimmten das Verlangen. Das regelmäßige Krafttraining seit elf Wochen und die Läufe summieren sich zu einer ungewohnten Belastung. Da ich am Donnerstag die Zweihundert-Kilometer-Monats-Marke passiert hatte, demoralisierte mich der Aufschub nicht. Die dem Körper zur Anpassung gewährte Zeit wird sich hoffentlich am Ende lohnen.

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Alles Schwere schmolz

1417. In dieser Woche flatterte der Wunsch nach fröhlichen Läufen um mich herum. Mit entschlossenem Schritt ging ich hinaus in den Frühling. Die gestärkten Muskeln trugen ihren wärmenden Teil zu meinem Glück bei. Kein Frösteln störte die Freude. Gelegentlich durchbrachen goldene Sonnenstrahlen das Dunkel der Wolken und der Blick erhaschte blauen Himmel. Alles Schwere schmolz. Ich flog frohgemut durch kalte Wälder. Täglich wurde das Grün satter. Neues Grün kam hinzu. Kalter Wind wehte. Blüten trotzten der Kälte. Bäume bogen sich wagemutig unter dem Wind. Hagel weißelte die Wege.

Am letzten Samstag (Tag 1410) lief ich wie angekündigt die Ententeichrunde. Dunkle Wolken, kalter Wind und vereinzelte Regentropfen begleiteten mich. Plötzlich flog eine kleine Krähe direkt an meinem Kopf vorbei. Hinterher stürzte ein Falke. Ich zog den Kopf ein. Kaum hatte ich begriffen, was geschah, jagten beide Vögel auf ihrer zweiten Runde in halsbrecherischem Flug an meinem Kopf vorbei. Mir stockte der Atem. Beide Vögel flüchteten in eine Baumkrone und belauerten sich. Ich lief nunmehr unbehelligt heim.

Am Sonntag (Tag 1411) drängte es mich zu einem Ausflug. Ich wagte mich auf die Badeseerunde (19 km). Der Körper war träge. Das konnte mich nicht aufhalten. Ich wollte hinaus, hinaus, frische Luft tanken, das Leben genießen! Wofür habe ich die gestärkten Muskeln, wenn ich sie nicht erprobe? Also ging ich hinaus in die Welt. Die ersten Kilometer waren beschwerlich. Allmählich gewöhnte ich mich an die schwarzen Wolken und den kalten Regen. Am Badesee sah ich die Enten schwimmen. In Kürze werde auch ich dort schwimmen!

Am Montag (Tag 1412) war ich nur kurz unterwegs.

Am Dienstag (Tag 1413) turnte ich das fünfundzwanzigste Mal die sechs Übungen, die meine Muskeln stärken. Danach war ich gut durchgewärmt. Erschöpft war ich nicht, aber ich spürte doch, daß ich schon etwas getan hatte. Später lief ich zum Ententeich. Die Atmung ging so gut wie schon lange nicht mehr. Der kalte Regen war erfrischend.

Am Mittwoch (Tag 1414) war der Himmel blau und die Sonne schien. Es blies ein kalter Wind. Das Thermometer zeigte 0,9 °C. Ich machte mich auf zum Badesee (19 km). Bald werde ich meine Schwimmrunden im See wieder aufnehmen. Die Kälte nagte an meinem Körper. Die Sonne lächelte. Über dem freien Feld segelte ein Bussard, als wäre er leicht und frei. Ich flog hinauf zum segelnden Bussard. „I believe, I can fly“, sang es in mir. Je wurde das Glück gestört als sich eine Krähe näherte. Es schien als ob sie den Bussard ärgern wollte. Sie flog dicht an ihn heran. Der Bussard verlor den Aufwind und stürzte hinab. Die Krähe stürzte mit, damit der Bussard nicht mit dem nächsten Aufwind davonsegeln konnte. Bald türmten sich schwarze Wolken auf und es hagelte. Der Weg färbte sich weiß. Kalter Wind kroch in den Körper. Der See war aufgewühlt. Der Haubentaucher schwamm in der Nähe meiner Einstiegsstelle. Die Temperatur im See war 10 °C. Nicht schlecht, aber für mich noch viel zu kalt.

Am Donnerstag (Tag 1415) eröffnete ich den Tag mit Turnen. Ich beschloss den Tag mit einem Lauf zum Ententeich.

Am Freitag (Tag 1416) erfreute ich mich erneut an der Badeseerunde (19 km). Einen Badenden traf ich an. Ansonsten fand ich vermummte Spaziergänger vor, die dem Eiswind trotzten. Eichhörnchen glotzten mich erstarrt an, um eilig zurück ins warme Nest zu klettern. Eine kurze sonnige Episode wärmte und der kalte See wirkte fast einladend.

Heute, am Samstag (Tag 1417), begann ich den Tag mit einer Ententeichrunde. Unmittelbar danach schloss ich das Turnen an. Die drei Badeseerunden der letzten Woche beeinträchtigten das Turnen nicht. So blicke ich zuversichtlich in das kalt lächelnde Antlitz der kommenden Woche.

Mal war das, mal war dies

1410. Diese Woche bin ich viel zu kurz getreten. Mal hatte ich Muskelkater, mal regnete es, mal war es zu kalt, mal war etwas anderes. Mehr fällt mir zu dieser Woche nicht ein. Die nächste Woche wird sicher besser.

Am letzten Sonntag (Tag 1404) turnte ich am Morgen. Abends lief ich nur kurz.

Am Montag (Tag 1405), Dienstag (Tag 1406) und Mittwoch (Tag 1407) bin ich Ententeichrunden gelaufen.

Am Donnerstag (Tag 1408) zog es mich in den Wald. Ich lief kreuz- und quer über Waldwege (14 km). Mal wurde ich aus schwarzen Wolken mit kalten Regentropfen beworfen und der Wind bog die Bäume wild hin und her. Mal schien die Sonne vor blauem Himmel und der Wind trug weiße Wolkenschiffe vorbei. Insgesamt war es kalt, aber meine Seele flog im Wind.

Am Freitag (Tag 1409) habe ich morgens geturnt. An das Krafttraining habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt. Da war abends die Ententeichrunde eindeutig zu kurz.

Heute, am Samstag (Tag 1410) regnete es. Die längere Runde im Wald ließ ich ausfallen. Am Abend will ich auf die Ententeichrunde gehen.

Optimistisch

1403. Die Welt wurde bunter. Überall blühte und grünte es. Angenehme Düfte lagen in der Luft. Meine Stimmung stieg. Zwei längere Ausflüge erfreuten diese Woche mein Gemüt. Dank der neuen Kräfte waren die Hügel flacher. Die frisch gestählten Muskeln kamen mit den längeren Läufen klar. Auch die Lunge war nicht mehr ganz so ungnädig, aber richtig glücklich war sie nicht. Wahrscheinlich muss ich ihr noch Zeit lassen. 2015 hatte ich im Februar den totalen Einbruch, konnte mich im März einigermaßen fangen, stürzte aber im April wieder ab und brauchte bis Juni um mich zu erholen. Diesmal war der Absturz nicht so krass. Ich darf also optimistisch sein.

Am letzten Sonntag (Tag 1397) schien die Sonne. Meine Ententeichrunde war mir zu kurz. Der Parkweg wird ohne Regen allmählich zur Staubpiste. Ich werde wohl wieder in der Frühe laufen, wenn der Tau den Staub noch am Boden hält.

Am Montag (Tag 1398) war der Sommerspuk vorbei. Es war wieder bewölkt und sah nach Regen aus. Ich turnte am Morgen. Es beeindruckte mich sehr, daß die Übungen immer leichter werden. Nur bei den einbeinigen Kniebeugen geriet ich gegen Ende außer Atem. Danach ging es auf die Ententeichrunde.

Am Dienstag (Tag 1399) war ich auf der Waldseerunde plus liebliches Tal (15 km). Das Wetter war auf angenehme Weise kühl. Regen lag in der Luft. Meine Atemwege haben sich kaum beschwert. Die beiden Wildgänse, die ich neulich erstmals am Waldsee gesehen hatte, waren immer noch da. Sie schwammen in der Nähe des Seeufers auf dem Wasser. Unterwegs sah ich zwei verschiedene Krähennester. Beide Male saß eine Krähe im Nest. Das Köpfchen schaute über den Rand. Es wird wohl bald junge Krähen geben.

Am Mittwoch (Tag 1400) turnte ich am Morgen. Der Vortag steckte mir noch in den Muskeln, aber es ging dennoch erstaunlich gut. Erst auf der abendlichen Ententeichrunde merkte ich, daß die Speicher leer sind.

Am Donnerstag (Tag 1401) lud ein kühler Frühlingstag mit Sonnenschein und blauem Himmel ein. Am großen Fluß hinter dem Berg fütterten wir die Enten. Auch hier waren chinesische Kaiserenten, die wir hier noch nie gesehen hatten. Danach begab ich mich allein auf den Berg. Von dort ging es zum Badesee. Auch dort waren chinesische Kaiserenten anzutreffen. Es scheint derzeit eine Invasion der chinesischen Kaiserenten stattzufinden. Im See badete eine Dame. Als ich mit meinem Thermometer für Kinderbadewannen die Wassertemperatur maß (13 °C am sonnigen, flachen Rand), kamen wir ins Gespräch. Die 78-jährige erzählte, daß sie täglich zum See joggt und auch bei Eis und Kälte badet! Von der nächsten Station, dem Waldsee, ging es schließlich nach Hause (14 km). Leider muss ich berichten, daß die Lunge mich besonders gegen Ende nicht glücklich machte. Vielleicht ist es vermessen, wenn ich mich beschwere. Denn so viele Leute gibt es ja auch wieder nicht, die aus eigener Kraft soweit kommen. Also kann ich eigentlich doch froh sein.

Am Freitag (Tag 1402) hatte ich endlich mal wieder Zeit und Kraft zum Dehnen. Es ist für mich eine wohltuende Sache, ohne die mein Körper nicht beschwerdefrei sein könnte. Danach bin ich locker die Ententeichrunde gelaufen.

Heute, am Samstag (Tag 1403) ging ich nur kurz auf die Ententeichrunde. Es war genau zu der Zeit, als die Sonne ihre wärmende Kraft an den Wolken vorbei zur Erde schmuggelte. Mir wurde es mit kurzärmeligem T-Shirt schön warm. Auf dem Ententeich glänzten die beiden Schwäne schneeweiß im Sonnenschein. Der Park war wieder grüner als gestern.

Ja ist denn schon Sommer?

1396. Sommerliches Wetter lockt hinaus an die frische Luft. Die eben noch schützenden Winterklamotten liegen, wie sinnlose Hüllen abgestreift, in der Ecke. Die Haut läßt sich vom leichten Wind streicheln und von Sonnenstrahlen wärmen. Nur der Kreislauf liegt schlapp darnieder. Die Sonnenlaune macht es sich in den Menschen gemütlich und wird bald auch den Kreislauf wieder aufrichten. Die Obstbäume fangen an zu blühen. Alles wird grün. Das Leben kommt zurück!

Am letzten Sonntag (Tag 1390) war endlich der Frühling da. Sonne, lauwarme Luft und gute Laune waren endlich angekommen. Ich begab mich auf die Ententeichrunde. Der Park war voller Menschen. Drei Mädels sangen Popsongs. Als ich sie überholte sangen sie: „We are modern walking“ und kicherten dabei.

Am Montag (Tag 1391) war ich auf der Ententeichrunde. Strahlender Sonnenschein und ein laues Lüftchen erlaubten ein kurzärmeliges T-Shirt und eine hochgekrempelte Hose. Ein kleiner Turmfalke flog neben dem Parkweg und stieß seinen Jagdruf aus. Turnen hatte ich am Morgen abgebrochen, weil ich mir das Knie angerempelt hatte, als ich gedanklich nicht ganz bei der Sache war. Ich ging erstmal joggen. Ganz vergessen hatte ich, daß an diesem Tag das sechste Nichtraucherjahr begann. Fünf Jahre als Exraucher liegen hinter mir. Manchmal quält mich noch ein Verlangen. Dieses Verlangen löst aber fast sofort eine Angst aus, die das Verlangen unverzüglich abtötet. Ich will nicht alles, was ich gewonnen habe, wieder verlieren. Laufen und jetzt auch das Turnen hat mir einen Zuwachs an Kraft, Geschicklichkeit und Beweglichkeit beschert, der mich glücklich macht. Ich werde das bewahren.

Am Dienstag (Tag 1392) machte ich mich auf die Waldseerunde mit einer Extraschleife (15 km). Die Extraschleife führte durch ein liebliches Tal hinter dem Hügel. Es war ruhig. Die Sonne schien und die Temperatur stieg auf unglaubliche 20°C. Der Duft der Kiefernnadeln stieg vom Boden auf. Es roch nach Harz. Ich krempelte die Hose hoch und lief im kurzärmeligen T-Shirt. Es war wie eine Befreiung aus der kalten, trüben Zeit, die mir in den letzten Wochen auf das Gemüt geschlagen war. Zu Hause stellte ich fest, daß ich seit Tag 1 meiner täglichen Aufzeichnungen insgesamt 10.000 km zurückgelegt habe. Immerhin ist das ein Schnitt von sieben Kilometern am Tag!

Am Mittwoch (Tag 1393) war ich wieder auf der Ententeichrunde. Der Bettelschwan war mit seiner Frau auf dem Ententeich. Mittlerweile sind auch einige Enten eingetroffen.

Am Donnerstag (Tag 1394) habe ich am Morgen mit neuem Elan geturnt. Die Pause von fünf Tagen tat gut. Die Übungen fallen mir zwar immer noch nicht leicht, aber sie sind machbar. Das Eichhörnchen im Birnbaum hat nun endgütig sein neues Nest bezogen. Das Nest hat eine Art Terasse, wo man das Hörnchen an schönen Tagen beim Schlafen beobachten kann. Abends ging ich auf die Ententeichrunde. Ich lief auf dieser Runde über die Zweihundert-Kilometer-Monats-Marke. Es ging gut. Besonders an den Hügeln machten sich die Zusatzkräfte bemerkbar.

Am Freitag (Tag 1395) schlug der Frühsommer zu! Ich schlich lust- und kraftlos über die Ententeichrunde. Überall saßen Menschen im Park. Mein Kreislauf wollte nicht in Gang kommen.

Heute, am Samstag (Tag 1396), turnte ich gleich am Morgen. Danach ging es auf die sommerliche Ententeichrunde. Es war heiß! Die Blüten dufteten nach Frühling. Die Trauerweide am Ententeich duftete besonders herrlich. Schwäne und Enten waren verschwunden. Jetzt baden die Hunde im Ententeich. Die Hunde können ja schließlich nicht das Schild „Hier ist keine Hundebadestelle!“ lesen. Das ist kein Aprilscherz! Die können wirklich nicht lesen! Wie gesagt, das Leben ist zurückgekehrt.