Regenerative Phasen

Tag 390. Nach vielen Tagen des glücklichen Laufens oder besser des Dahinfliegens und gelegentlichen Radelns hat sich ein Gefühl der Anstrengung und Müdigkeit wie Blei über mich gelegt. Deshalb habe ich mich in der letzten Woche wieder auf die Tugend des sehr langsam Laufens besonnen. Und ich bin auch hin und wieder sehr kurz gelaufen. Und siehe da, ich konnte das herrliche aus Bäumen gebildete Gewölbe durch das ich hindurch lief wahrnehmen. Das kleine Karnickelchen am Wegesrand wirkte wieder entzückend und ich hatte Spaß daran, daß kleine Kinder ein paar Meter neben mir her rannten und dann lachend zurück blieben oder mich zurück ließen. Regenerative Phasen in mein Läuferleben als selbstverständlich einzubauen, fällt mir schwer. Aber der Körper und die Seele verlangen solche Phasen laut und vernehmlich. Und dann geht es auch wieder besser, so wie der Lauf von dem ich soeben zurück komme. Ich bin bewußt langsam gelaufen und habe bewußt genossen und das Laufen hat Spaß gemacht.

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Vor dem Aufstehen gelaufen

Tag 381. Jeder Lauf ist für mich, obwohl die Lunge wegen Copd mit Lungenemphysem nur zu 40% funktionsfähig ist, ein pures Glückserlebnis. Das Laufen entspannt mich und ich fühle mich wie ein normaler Mensch. Ich laufe zur Zeit fast täglich die etwas hügelige 8 km-Strecke um den kleinen See. Während der Hitzewelle an Pfingsten bin ich morgens kurz nach dem es gerade eben hell geworden ist in den Tag gelaufen. Die Ruhe war ein Genuß. Da ich ich vor dem Aufstehen wieder zu Hause war bin ich wieder ins Bett gegangen und habe noch eine Runde geschlafen. Auf diese Weise hatte ich gefühlt einen lauffreien Tag. Nach einem Jahr täglich laufen, fühlte sich das gut an. Heute hat mich mein Lauf mal wieder ganz besonders beglückt. Ein Eichhörnchen saß auf dem Weg und hatte etwas zu knuspern in seinen kleinen Händchen. Von mir stören ließ es sich nicht. Später traf ich auf eine Gruppe Spaziergänger, die hoch in die Bäume zeigten, denn sie hatten ein riesiges Habichtnest entdeckt. Auf dem Rand des Nestes stand ein kleiner Habicht und machte Flugübungen. Der Reiher nahm wenig später an der üblichen Stelle mein freundliches Hallo entgegen und eine kleine Krähenfamilie teilte sich ein Stückchen weggeworfene Wassermelone. Viel schöner kann ein Lauf nicht sein und hinzu kommt noch die entspannte Gelassenheit, die sich im Körper breit macht und für gute Stimmung während des restlichen Tages sorgt.

Ein Jahr täglich gelaufen

Tag 365 war wie immer. Und genau das ist vielleicht der Zauber des täglich Laufens. Man läuft täglich – Punkt. Man trifft keine Entscheidung. Man macht es. Körper und Geist passen sich an und machen frag- und klaglos mit. Oft wird gesagt, daß täglich Laufen kein „Training“ ist. O.k., mag stimmen. Es ist mehr eine Gewohnheit, ähnlich wie täglich die Vorabend-Fernsehserie schauen. Ich bin ein Serien-Fan. Ich lese gern den Fortsetzungsroman in der Zeitung. Wie bei der Fernsehserie oder beim Fortsetzungsroman hat jeder Lauf seinen eigenen Unterhaltungswert und es gibt Themenbögen, die mehrere Läufe zu eigenen Blöcken zusammenfassen. Die Natur, die Tiere, die Jahreszeiten und natürlich das Wetter sind Themen. Manchen Lauf widme ich dem Thema der Zentriertheit auf mich und meinen Lauf, dem Gedanken, daß ich mich beim Laufen entspanne und es mir gut geht. Das Ringen um Ruhe, Geduld und Gelassenheit steht im Vordergrund. Ich hoffe, daß noch viele Tage folgen bei denen ich auf die Frage „Wie war es?“ sagen kann: „Wie immer!“.