Ein kluges Kind!

Tag 93. Diese Woche habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. Es gibt bei mir immer mal wieder eine Woche, in der Körper und Gemüt Ruhe benötigen. Warum das in dieser und nicht einer anderen Woche der Fall ist, kann ich nicht sagen. Eines habe ich aber in den Jahren gelernt. Ich gebe besser nach. Mit Gewalt kann ich eine Müdigkeitsphase nicht überwinden. Klar kann ich eine Woche oder zwei über die Müdigkeit hinweg laufen. Aber die Müdigkeit häuft sich dann auf und irgendwann geht gar nichts mehr. Also genieße ich eine reduzierte Woche und versuche, kein schlechtes Gewissen zu haben, was nicht so leicht ist.

Am letzten Sonntag (Tag 87) fühlte ich mich von der Aufregung am Vortag noch wie gerädert. Trotzdem raffte ich mich zu den Stabi-Übungen auf.

Am Montag (Tag 88) war der Himmel morgens noch bedeckt und die Luft etwas kühler als in der Woche zuvor. Mein Weg zum See (18 km) war frisch und angenehm. Das Wasser im See war lau. Mein Thermometer zum Messen der Wassertemperatur habe ich ja nicht mehr. Ich kann deshalb keinen Messwert angeben. Ich schwamm recht kurz und lief wieder nach Hause. Die Atmung ging ziemlich gut. Am einen oder anderen Hügel fühlte ich mich fast wieder stark und gesund – mit Betonung auf fast.

Am Dienstag (Tag 89) machte ich die Übungen mit der einbeinigen Kniebeuge. Dabei ging es mir gut und ich genoss die Stärke, die ich in mir fühlte. Auf unserem Balkon stellten die Krähen ein Junges ab. Es hatte noch einen roten Schlund. Wenn die alten zum Füttern kamen, riss es den Schnabel auf, krächzte und flatterte mit den Flügeln.

Am Mittwoch (Tag 90) wäre wieder ein Bad im See dran gewesen. Aber ich fühlte mich schlapp. So genoss ich in aller Ruhe den Morgen und blieb zu Haus. Abends machte ich die Kraftübungen für die Arme. Dem Krähenjungen legten die Eltern nun das Essen auf den Boden. Selber essen war angesagt. Da der Mittwoch ein heißer Tag war und das Krähenkind auf unserem Balkon in der Sonne auf die Eltern warten musste, wurde ihm furchtbar warm. Da badete es in der groß bemessenen Trinkschale, um sich abzukühlen. Ein kluges Kind!

Am Donnerstag (Tag 91) wiederholte ich den ruhigen häuslichen Morgen. Ich eröffnete den Tag mit dem kurzen Krafttraining für den Bauch. Damit war besiegelt, daß ich tatsächlich nicht zum See laufen würde. Die Woche würde also etwas ruhiger werden. Der Gedanke fühlte sich gut an. Mein Körper und mein Gemüt verlangten etwas Zurückhaltung. Sie sind kein Schweizer Uhrwerk. Deshalb kam ich dem Verlangen nach und genoss eine ruhigere Woche. Das schlechte Gewissen, das mich immer wieder ansprang, schüttelte ich ab so gut es ging.

Am Freitag (Tag 92) machte ich morgens Stabi-Übungen. Das schlechte Gewissen wurde lauter. Mit viel Mühe rang ich es nieder. Ich fühlte, wie sich Kraft in mir ausbreitete. Die Müdigkeit brandete nur noch in schwachen Wellen durch meinen Körper. Die Erholung näherte sich. Nächste Woche geht es wieder mit frischer Kraft ans Werk.

Heute, am Samstag (Tag 93) machte ich morgens Armtraining und nahm mir für den Abend die kurze Baucheinheit vor. Das Krähenjunge kam wieder zum Baden.

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Ein Eimer fiel vom Himmel

1375. Anfang der Woche wollte mich das Selbstmitleid noch in einen Abgrund schlechter Laune reißen. In der Mitte der Woche entdeckte ich dann den Weltrekordhalter der Frontstütz, Mao Weidong. Ich erfuhr, daß Krafttraining für Kranke und für Supermänner das selbe Training ist. Das hob meine Laune. Gut gestimmt wagte ich mich wieder auf die etwas längere Waldseerunde. Es war ein schönes Erlebnis. Ich fühlte die Kraft aus dem Training der letzten Wochen. Es bestärkte mich darin, das Krafttraining unbedingt und vorrangig weiter zu betreiben. Im weiteren Verlauf der Woche hielt meine gute Laune an und nichts konnte sie schmälern.

Am Sonntag (Tag 1369) waren die Wege voller großer und kleiner hustender Leute. Da bin ich gar nicht tapfer gewesen und habe nach läppischen 4 km abgebrochen. Geturnt hatte ich schon am Morgen.

Am Montag (Tag 1370) lief ich wieder die Parkseerunde plus (8 km). Es war graues Wetter und zum Schluss fing es sogar an zu regnen. Aber die Luft war angenehm. An einer Stelle blühten schon die Krokusse. Mir ging es gut und der Lauf war locker. Trotzdem hatte ich schlechte Laune.

Am Dienstag (Tag 1371) war ein Tag der Erledigungen. So lief ich nur 4 km.

Am Mittwoch (Tag 1372) turnte ich morgens. Das Turnen klappte schon etwas besser. Die Frontstütze (engl. plank) schaffe ich gerade mal eine Minuten am Stück, bevor ich anfange zu zittern, zu schwitzen und zu schnaufen. Die Weltrekordhalterin Maria Kalimera aus Zypern schafft eine Frontstütz ohne Pause 3 Stunden und 31 Minuten lang. Der chinesische Polizist Mao Weidong hält den Weltrekord mit acht Stunden, einer Minute und einer Sekunde. Ich glaube, für so einen Weltrekord braucht es keine besonders starke Lunge. Starke Muskeln und Sehnen dürften reichen? Das wäre doch mal ein Wettbewerb? Abends ging ich auf die Ententeichrunde plus (4 km).

Am Donnerstag (Tag 1373) wollte ich herausfinden, ob ich je wieder die 14 km um den Waldsee laufen kann. Es ging. Und es war nicht einmal besonders anstrengend. Das Wetter war kühl. Die Sonne zeigte sich nicht. Dafür hatten es einige Hunde auf mich abgesehen. Ich wurde so oft wie selten bekläfft und besprungen. Keine Situation war bedrohlich. So beruhigte ich die jeweiligen Herrchen und Frauchen mit einem „Ach, macht doch nichts!“.

Kurz vor zu Hause sah ich, wie Bauarbeiter an einem ziemlich wagemutig angebrachtem Seilzug hantierten. Ich versicherte mich, daß gerade keine Last transportiert wurde und ging auf dem Gehsteig an dem Haus mit dem Gerüst vorbei. Da hörte ich ein Brüllen: „Achtung!“. Ich dachte noch, das „Achtung!“ kann mich nicht meinen. Aber kraft irgendeiner Eingebung fing ich doch an zu sprinten. Da krachte es schon und ich stand in einer Staubwolke. Als sich der Staub gelegt hatte, war ich umringt von mehreren Menschen, die mir ihre Hilfe anboten. Ich lachte und sagte: „Ist doch nichts passiert!“. Die Leute sagten mir dann, daß ich von oben bis unten mit Dreck bedeckt sei. Unmittelbar hinter mir lag ein zerborstener Eimer und der ganze Gehsteig war von Schutt bedeckt. Die Bauarbeiter gaben mir eine Visitenkarte und drückten mir ihr Mitleid aus. Zu Hause steckte ich meine Kleidung in die Waschmaschine und wusch mich selbst von Kopf bis Fuß. Ich sah aus, als hätte ich in einem Katastrophenfilm die Rolle des Todeskandidaten gespielt.

Am Freitag (Tag 1374) war ich auf der Parkseerunde plus (8 km). Es war kalt. Ein unfreundlicher Wind wehte. Die Weiden am See trugen kleine Kätzchen. Die Kätzchen ließen das Ufer seidig weiß schimmern.

Heute, am Samstag (Tag 1375) turnte ich gleich am Morgen. Danach ging ich auf die Parkseerunde plus (8 km). Es war ein schöner Tag. Gelegentlich schaute die Sonne aus ihrer Wolkendecke hervor. Den Habicht, den ich meist nur höre, konnte ich heute sehen. Er saß in großer Höhe auf einem Baum. Zwei Schwanzmeisen, die ich noch nie gesehen hatte, spielten am Wegesrand. Die zwei Schwäne aus dem Parksee sind inzwischen im Ententeich angekommen. Dort schwimmen sie erwartungsfroh neben dem Schild „Füttern Verboten“. Denn dort stehen nicht nur die Omas mit den Enkeln und füttern die Wasservögel. Auch die riesigen Goldfische kommen im Schwarm herbei. Denn sie wollen ebenfalls an der verbotenen Fütterung teilhaben.

Der Frühling ist da!

1368. Der Winter-Tunnel ist durchlaufen. Das Licht am Ende ist sichtbar. Die Tage werden länger. Die Vögel singen. Es wird wärmer. Das tägliche Laufen habe ich den Winter über beibehalten, wenn auch mit deutlich verkürzten Läufen. Häusliches Krafftraining hat mich in diesem Winter über die Tage mit schneidenden Eiswinden hinweg getröstet. Dabei konnte ich wieder einmal erleben und erlebe es noch, wie sich der Körper anpasst. Die Anpassung ist eine (un)endliche Spirale nach oben. Wenn man bedenkt, daß bei der Krankheit die übliche Spirale abwärts geht, dann ist jeder Zugewinn ein doppelter Gewinn. Und wenn ich hier schon ein Kalkül anstelle, dann muß ich sagen, daß der Gewinn durch die Körperertüchtigung exponentiell steigt, wenn die Lebensqualität bedacht wird. Einen Körper zu besitzen, der befähigt ist, den Alltag nahezu problemlos zu bewältigen, kann man gar nicht hoch genug veranschlagen. Es schafft Freiheit! Ob man es nun Sport, Spaß an der Bewegung, Training oder was auch immer nennt: Es lohnt sich.

Am letzten Sonntag (Tag 1362) war es nur kalt, ohne Eiswind. Auf dem Weg zum Badesee sangen die Vögel und die Spechte klopften um die Wette. Der Badesee war schon aufgetaut. Auf dem Waldsee dagegen schwammen noch große Eisschollen herum.

Am Montag (Tag 1363) lief ich die Parkseerunde. Die Sonne schien. Es war nicht mehr so kalt wie an den Tagen zuvor. Ein Falke flog direkt auf mich zu und setzte sich zum Greifen nah auf einen Ast neben mir. Im Parksee schwamm ein Schwanenpaar. Der eine oder andere Busch in sonnigem Windschatten hatte schon erste grüne Blättchen. Bei den Blüten der Haselnußbäume sind die Männchen schon bereit, die Weibchen aber noch nicht. Abends turnte ich.

Am Dienstag (Tag 1364) war ich wieder auf der Parkseerunde. Das Schwanenpaar war immer noch auf dem See. Die Sonne schien. Der Himmel war bis auf große weiße Wolkenschiffe blau. Der immer noch kalte Wind pfiff. Er riss die Körperwärme an sich.

Am Mittwoch (Tag 1365) hatte ich wieder Lust auf die Parkseerunde. Die Sonne schien, aber es war kalt. Immer wieder regnete es kalte Tropfen, die mir der Wind in das Gesicht trieb. Schön war es. Mein Körper nach zwei Kilometern bleischwer. Geturnt hatte ich schon am Morgen.

Am Donnerstag (Tag 1366) pfiff auf der Parkseerunde ein kalter Wind, der die Luft zum Atmen vor dem Mund weg zu reißen schien. Außerdem wurde mir der Regen in das Gesicht geweht. Es war anstrengend aber abenteuerlich, denn die Bäume bogen sich im Wind und der kleine See war aufgewühlt. Yippie Yeah! So fühlt sich Leben an!

Am Freitag (Tag 1367) war ich wieder auf der Parkseerunde. Die Sonne schien und es wäre ohne den Wind der erste Frühlingstag gewesen. Die weiblichen Haselnuss-Blüten schlüpften gerade aus der Knospe. Ein Spatz trug Nistmaterial herum und eine Krähe flog das Nest hoch oben in der Pappel an. Abends turnte ich.

Am Samstag (Tag 1368) war die Parkseerunde die Krönung einer anstrengenden Woche. Es war windstill und warm. Ein Habicht flog mit seinen Jagdrufen über meinen Weg. Die beiden Schwäne strahlten im Sonnenschein. Zwei bunte Entenmänner stritten sich um ein unscheinbares braunes Weibchen. Ein dürres Eichhörnchen flitzte einen Stamm hinunter und saß wie erstarrt am Boden. Lauter fröhliche Jogger und sonstige Bewegungsmutige waren unterwegs, ein älterer Herr sogar mit Sauerstoff. Der Frühling ist da!

Die Tage sind gezählt

1158. Vom Laufen entspannt, vom Schwimmen erfrischt, vom Krafttraining gestärkt, bis in den letzten Winkel des Körpers durchblutet, insgesamt angemüdet und doch entspannt: So fühlt sich eine geglückte Woche an. Nicht immer ist dies für mich erreichbar. Um so schöner ist es, wenn es gelingt. Es macht sich ein wohliges Gefühl breit, das eine freundliche Saite im Innern zum erklingen bringt. Ein zufriedener, satter Ton scheint sich leise und doch fröhlich zu entfalten und bringt mit seinen Schwingungen den gesamten Tag zum klingen. Er zaubert ein Lächeln in die Welt. Friedfertige Gelassenheit liegt in der Luft und ein allgemeines Wohlwollen breitet sich aus. Wenn dann die Realitäten des Lebens Einzug in den Tag halten, werden sie durch den milden Ton entschärft.

Am letzten Sonntag (Tag 1152) bin ich nur kurz gelaufen. Die große Schwimmrunde vom Tag zuvor saß mir noch wohlig in allen Muskeln.

Am Montag (Tag 1153) ging es dann wieder zum Badesee (19 km) mit großer Schwimmrunde. In der Nacht hatte es geregnet. Der Morgen war kühl. Die Luft war frisch und sauber. Die Sonne strahlte freudig vom Himmel ohne heiß zu sein. Es hätte ein traumhafter Frühlingstag sein können. Und doch war es ein Augusttag. Der Wald war satt grün und glänzend nach der verregneten Nacht. An Bäumen und Sträuchern hingen Früchte, wo man auch hinsah. Am Waldeingang warteten saftige Brombeeren darauf, gegessen zu werden. Ich habe diese Aufgabe mit Freude übernommen. Ein kühler Wind, der meine Haut streichelte, flüsterte mir zu, daß der Sommer nicht ewig währen wird. Der See war vom Regen und Sturm durchwühlt und erfrischt. Die Sonne brachte die Wellen zum glitzern und so war das Schwimmen traumhaft. Einmal schaute der Graureiher vorbei. Ansonsten war der See still und verlassen, was mich sehr vergnügte. Gut durchgekühlt und erfrischt kam ich wieder nach Hause.

Am Dienstag (Tag 1154) lief ich zum Spielplatz und versuchte mich an Klimmzügen. Ein Mädchen im Vorschulalter eilte lachend herbei und zeigte mir, wie man das richtig macht. Wir sprachen zwar verschiedene Sprachen, aber wir haben uns bestens verstanden.

Am Mittwoch (Tag 1155) lief ich wieder zum See (19 km). Es war kalt und zwischendurch regnete es. Da ich mich müde fühlte, schwamm ich „nur“ eine halbe Stunde. Hier „nur“ zu sagen klingt in meinen Ohren richtig angeberisch. Aber es ist ja wahr und es gibt mir eine innere Zufriedenheit, wenn ich das „nur“ niederschreibe. Man möge es mir nachsehen! Auf dem Heimweg trennt ein ziemlich langer Zaun den Weg, auf dem ich an einem See entlang laufe, vom angrenzenden Waldstück ab. Das Gebiet hinter dem Zaun ist als Naturschutzgebiet gekennzeichnet. Dort liegt ein lichter Wald. Beim Vorbeilaufen habe ich noch nie Tiere gesehen. Dieses Mal sah ich zwei Hirschkühe. Sie ästen friedlich und dabei gingen sie immer mal wieder ein Stückchen weiter, so daß ich sie in voller Pracht sehen konnte. Schließlich verschwanden beide ruhig äsend nach einander hinter Büschen und Bäumen. Beschwingt lief ich nach Hause und empfand wieder einmal tiefe Dankbarkeit für mein Glück.

Am Donnerstag (Tag 1156) und Freitag (Tag 1157) regnete es. Es lies sich kaum mehr abstreiten, daß der Herbst nicht mehr allzu fern ist. Ich lief zum Spielplatz. Ich machte ein paar Klimmzüge. Ansonsten widmete ich mich ein bisschen der Rumpfstabilität. Dabei wurde mir wieder mal klar, daß ich dem Krafttraining mehr Aufmerksamkeit schenken müsste. Na ja, was soll‘s! Gefühlt bin ich ja erst ganz am Anfang der Rückeroberung meines Körpers.

Heute, am Samstag (Tag 1158) lief ich zum Badesee (19 km) und zum Schwimmen. Wieder war von heißem August nicht die Spur. Es war eher herbstlich kühl und der Himmel war bedeckt von dicken Wolken, die so aussahen, als wollten sie demnächst Wasser lassen. Aber es geschah nicht. Hinter dem Zaun am See habe ich diesmal den Hirsch mit seinem riesigen Geweih gesehen! Das Wasser im See war heute besonders weich und erfrischend. Ganz heimlich überlegte ich, ob ich morgen wieder zum Schwimmen laufe. Denn die Tage, an denen das geht, sind gezählt. Mal sehen, was die Muskeln morgen sagen.

Ich wünsche allen Lesern noch ein paar schöne Sommertage!

Der Tag beginnt

Tag 1151. Es ist Zeit zum Aufstehen! Es ist noch früh. Ich trabe so vor mich hin. Der Mond scheint. Der Morgen bricht an. Die Sonne geht auf. Die Sonne scheint. Das Wasser des Sees kühlt. Ich laufe die Hügel hinauf und hinab. Ich bin allein unterwegs. Ich treffe keine Menschenseele. Ich tauche in den See. Der See ist grün. Das Wasser riecht frisch und sauber. Ich kraule langsam, aber kräftig. Eine Ente fliegt über mich dahin. Beinahe streift sie meinen Kopf mit ihren Füssen. Wieder an Land teile ich mein Brot mit der Ente. Ich laufe nach Hause. Wir frühstücken. Der Tag beginnt.

Am Sonntag (Tag 1145) und Montag (1146) lief ich nur kurz.

Am Dienstag (Tag 1147) lief ich zum See (18 km), um eine Runde zu schwimmen. Für den Tag war Gewitter und Regen angekündigt. Stattdessen war die Luft schwül und ein heißer Wind fegte über das Land. Eigentlich ein Wetter, bei dem ich Schwierigkeiten beim Atmen erwartet hätte. Aber dem war nicht so. Es lief gut. Ich schwamm eine größere Runde. Das Wasser war angenehm kühl (20 °C). Auf dem Heimweg dauerte es eine ganze Weile, bis ich wieder durch und durch warm war. Zu Hause angekommen, genoss ich meinen leicht angemüdeten Körper. Eine tiefe Entspannung begleitete mich durch den Tag.

Am Mittwoch (Tag 1148) saß mir das Schwimmen noch in den Muskeln und ich entschied mich kurzfristig für einen kleinen Erholungslauf im Park.

Am Donnerstag (Tag 1149) lockte mich die Kühle des Morgens auf meinen See-Plus-Schwimmen-Lauf (19 km). Allerdings nicht in der frühesten Frühe sondern etwas später. In der Nacht hatte es geregnet. Ich freute mich auf einen frischen Morgen mit sauberer Luft. Freundlicherweise empfingen mich aber Damen und Herren mit Laubbläsern, die den vom Regen niedergewaschenen Staub mit Blattwerk und Hundescheisse emsig aufwirbelten. Bald ließ ich die Stadt hinter mir. Am See stand ein Angler strahlend auf dem Weg. Er posierte vor älteren Damen und ließ sich fotografieren. Er hielt vor sich einen frisch gefangenen Hecht, der ca. einen Meter lang war. Vielleicht ist die früheste Frühe doch schöner? Während ich im See schwamm, fischte der Graureiher einen kleineren Fisch aus dem See. Nach dem Schwimmen wartete meine Ente schon auf mich. Ich teilte mit ihr mein Brot und lief wieder nach Hause. Seit Mai bin ich mit dem heutigen Tag schon dreißig Mal im See geschwommen.

Am Freitag (Tag 1150) bin ich wieder kurz gelaufen.

Heute, am Samstag (Tag 1151) bin ich erst kurz nach Sonnenaufgang in die Welt hinausgetrabt (19 km). Auf dem Weg zum See ist mir eine hellbraune Maus mit schwarzem Streifen auf dem Rücken über den Weg gelaufen. Im See bin ich eine halbe Stunde lang in die eine Richtung und dann wieder eine halbe Stunde lang in die andere Richtung geschwommen. Es fühlte sich so herrlich an. Als ich aus dem Wasser gestiegen war, kam ich mit einer Dame ins Gespräch. Sie schwor auf Sport als Lebenselixier. Das ließ ich mir gern erzählen. Diese Woche bekam ich richtig gut Luft. Ich musste nur sehr auf das Ausatmen achten. Das ist zwar nervig, aber so entsteht keine Atemnot.

Ich wünsche aktive Sommerferien!

Laufen + Schwimmen + Laufen macht glücklich

Tag 1137. Laufen + Schwimmen + Laufen! Irgendwie macht es mich glücklich. Wenn ich morgens zum See laufe, passe ich auf, daß ich keine Mistkäfer und keine Kröten zertrete. Diese Woche waren die Kröten schon so groß wie ein Daumennagel. Letztens waren sie noch winzig wie ein Nagel vom kleinen Finger. Irgendwann werden sie handtellergroß sein. Ich laufe mit den Wildschweinen und schwimme mit dem Graureiher und den Enten. Obwohl, die meisten Enten schlafen ja morgens noch. Aber die Blesshühnchen sind schon früh wach. Vom See aus kann ich sehen, wie die Sonne über den Bäumen erscheint und alles in ein goldenes oder auch mal rotes Licht taucht. Das ist schön und ein bisschen schräg oder? Vor einiger Zeit hätte ich es jedenfalls für schräg gehalten, wenn jemand so früh das warme, weiche Bett verlässt. Aber mir tut es an Körper und Seele gut. Von welcher Beschäftigung kann man das schon sagen? Insgesamt fühlt sich das, was ich da laufender Weise tue, als Teil eines gelungenen Lebens an.

Am Sonntag (Tag 1131) bin ich in der Morgendämmerung zum See gelaufen (20 km). Bei Sonnenaufgang schwamm ich schon im See. Vom Wasser aus konnte ich am Ufer einen Fuchs sehen. Außerdem hat sich der Graureiher wieder die Ehre gegeben. Es waren erstaunlich viele Menschen für diese Uhrzeit unterwegs. Wahrscheinlich waren das hauptsächlich Leute, die der zu erwartenden Hitze des Tages ausweichen wollten.

Am Montag (Tag 1132) hatte ich einen Lungenarzttermin. Es war heiß und schwül. So erschöpfte sich der Termin in gegenseitigen Wünschen für einen schönen Sommer. Freundlich, aber schwitzig. Zur Lungenfunktion geht es hier. Danach bin ich nur kurz gelaufen, denn es war derweil noch schwüler und noch heißer geworden.

Am Dienstag (Tag 1133) habe ich meine Morgenroutine wieder aufgenommen (19 km). Ich lief zum See und genoss den kühlen Morgen. Es waren viele Leute unterwegs, denn alle wollten noch vor dem angekündigten Gewitter ihre Wege erledigen. Als ich am Gehege der Schafe vorbeikam, rannten sie blökend herbei. Was sie sich wohl von mir erhofften? Später sprang mir ein junges Wildschwein kurz in den Weg, entfernte sich aber sofort, als es mich erblickte. Auch einen Fuchs sah ich kurz auf meinem Weg stehen. Als ich am See ankam, lag er spiegelglatt da und die Bäume ringsum, die von der gerade aufgehenden Sonne rötlich beleuchtet wurden, spiegelten sich im See. Es war ein Idyll. Beim Schwimmen sah ich, wie der rote Sonnenball über dem Wald erschien. Aber dann kamen die Wolken und es regnete sehr kurz. Die Sonne zeigte sich nicht wieder. Bis ich zur Frühstückszeit zu Hause war, regnete es nicht wieder. Es war ein schöner Morgenlauf, auch wenn ich die ganze Zeit über irgendwie müde blieb. Tagsüber bin ich mehrfach von der Straße in den dritten Stock hoch gelaufen. Und obwohl ich schon meinen Morgenlauf hinter mir hatte, fehlten nur elf Stufen, als ich eine winzig kleine Atemnotpause einlegen musste. Ich bin mir absolut sicher, daß ich diese elf Stufen auch noch packen werde.

Am Mittwoch (Tag 1134) lief ich im kühlen Morgen an den See (19 km). Am freien Feld hörte ich den Hahn laut krähen, obwohl die Dämmerung noch kaum angebrochen war. Die Fledermäuse waren noch unterwegs und huschten wie Schatten vorbei. Im Park traf ich das junge Wildschwein wieder. Es lief in einem wahren Schweinsgalopp zum nächsten Busch, als es mich wahrnahm. Ich machte einen großen Bogen, um uns beiden nicht mehr Stress als nötig anzutun. Später schaute ein Füchslein ganz neugierig einmal nach mir. Der See lag wieder ruhig da. Der Graureiher war mit dem Verspeisen kleiner Fische, die im flachen Wasser in Ufernähe seit einigen Tagen herumschwärmen, beschäftigt. Es war noch kein Mensch da. Als sich der Himmel über den Bäumen golden färbte, war ich schon im Wasser. Dann hatte die Sonne ihren Auftritt. Groß und majestätisch war sie. Sie tauchte die ganze Szene in ein goldenes, wärmendes Licht. Das Schwimmen war beglückend, und ich bin weit geschwommen. Dabei fühlte ich mich frei und wild. Trotzdem war der Heimweg nicht allzu beschwerlich, wie ich nach dem Schwimmexzess befürchtet hatte. Zu Hause war ich pünktlich zur regulären Frühstückszeit.

Am Donnerstag (Tag 1135) habe ich den Wunsch nochmal zum Schwimmen an den See zu laufen nach heroischem inneren Kampf abgewehrt. Es wäre zu viel geworden. Später habe ich die Einkäufe ohne weiteres mit nur kleiner Verschnaufpause in den dritten Stock geschleppt. Leider hatte ich dann blaue Lippen und eine Sauerstoffsättigung von 85%. Das war der Moment, in dem ich nach langer Zeit wieder Angst hatte. Dann beruhigte ich mich aber mit dem Gedanken, daß man das beim Hochleistungssportler EIH (exercise induced Hypoxemia) nennt. Es zeigt dem Hochleistungssportler an, daß er sich anständig ausgelastet hat. Er ist stolz, daß er in der Lage ist, diesen Zustand zu erreichen. Und er versucht diesen Zustand immer wieder zu erreichen und nennt das Training. Durch diesen Gedanken beruhigt nahm ich einen Hub Foster, zog die Laufschuhe an und trabte durch den Park. (Achtung: ich hoffe das für mich: im Zweifel immer den Arzt fragen und sich an dessen Meinung halten!)

Am Freitag (Tag 1136) hätte sich mein Körper eigentlich schon wieder über einen längeren Lauf gefreut. Nach einem Zwiegespräch mit meinem Körper erlaubte ich nur einen weiteren kurzen Lauf und versprach den langen Lauf für den nächsten Tag. Falls doch ein Infekt lauerte, sollte ihm nicht durch einen langen Lauf ein Türchen geöffnet werden, argumentierte ich. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste oder eines gebrechlichen Körpers.

Heute, am Samstag (Tag 1137) bin ich nach dem Frühstück zum See gelaufen (19 km). Es ging sehr gut. Wenn ich darauf achte, gut auszuatmen, kann ich langsam vor mich hintraten. Ich entspanne mich und alle beunruhigenden Gedanken verblassen allmählich. Es war herrlicher Sonnenschein und die Luft wurde allmählich warm. Das Wasser im See war 20 °C warm. Genau richtig um eine Runde zu schwimmen. Neben mir tauchte einmal der Haubentaucher auf. Außerdem segelte sowohl der Kormoran als auch der Graureiher an mir vorbei, als ich im See war.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Sommer!

Freude tanken

Tag 934. Diese Woche war das Laufen mal wieder so richtig erfrischend. Ich war drei Mal am Badesee. Drei Mal 18 km in einer Woche! Boah, das hätte ich letztes Jahr noch nicht einmal zu träumen gewagt. Hey, 18 km! Das ist schon mehr als Mittelstrecke. Meine Nachbarin hat mich neulich gefragt, wie ich mich dazu aufraffen könne. Tja, ich mußte ihr sagen, auf zu raffen gibt es da nichts. Ich freue mich am Laufen. Ich falle da in so eine Art Trance, die Welt mit ihren aus Vernunft geborenen Sorgen verschwindet im Nichts. Der Wald und ich, wir laufen im Hier und Jetzt. Für mich ist Laufen die kleine Flucht vor dem Mensch sein, vor der Verantwortung, vor der Vergangenheit und der Zukunft, vor Plänen und neuen Plänen. Indem ich loslasse kann ich alles festhalten, kann ich das Leben mit allen Sinnen und aller Kraft erfassen. Im Wald gibt es mich, das Laufen und den Wald. Dieser Ausschnitt des Tages ist meine Freiheit. Da lauf‘ ich, da schnauf‘ ich und das genieß‘ ich – Punkt.

Am Montag (Tag 929) war ich am Badesee (18 km). Nach der sehr ruhigen letzten Woche fühlte es sich gut an. Am Anfang regnete es und nur wenige Menschen waren unterwegs. In einem Garten sah ich einen Zierstrauch mit rosa Blüten. Ja ist denn schon Frühjahr? Zwei Eichhörnchen jagten sich. Das gejagte Eichhörnchen sprang mir fast vor die Füße. Und einige Vögel sangen, zwar noch etwas zaghaft, aber sie sangen. Als ich am See ankam hatte es aufgehört zu regnen. Ich kam mit einer Dame ins Gespräch, die gerade dem See entstiegen war. Sie erzählte, daß sie schon über 10 Jahre auch im Winter im See badet und sie sei nicht die einzige. Ich gebe zu, daß ich überlege, ob ich das versuche.

Am Dienstag (Tag 930) habe ich eine kleine Parkrunde (knapp 4 km) absolviert. Die Luft war gut. Das Wetter war für Dezember mild. Ich konnte genußvoll vor mich hin traben und ein bißchen Freude tanken. Der Schwan schwamm immer noch auf dem Ententeich. Eine Wildgänseschar flog in Keilflugformation über mich dahin. Ich erlebte meinen kleinen Lauf als einen kurzen Moment in Frieden und Freiheit im Einklang mit der Natur.

Am Mittwoch (Tag 931) bin ich wieder zum Badesee gelaufen (18 km). Es war sehr mild und der Himmel wurde ab und zu wirklich blau. Die Sonnenstrahlen erhellten den Wald und die Stimmung. Ein Eichhörnchen lief einen Stamm hinauf und ein anderes saß in einem Vogelfutterhäuschen, wo es genüßlich speiste. Vögel sangen nicht mehr ganz so zaghaft wie noch am Montag. Der junge, noch nicht ganz weiße Schwan schwamm elegant über den See. Die weiße Ente war wieder da. Und es hatten sich zwei chinesische Kaiserenten eingefunden. Ja, hier ist die Welt in Ordnung. Ich komme wieder!

Am Donnerstag (Tag 932) bin ich locker und zur Entspannung die kleine Parkseerunde gelaufen (4 km).

Am Freitag (Tag 933) war ich wieder am Badesee (18 km). Ein Kormoran war da und hat sich auf einem Ast getrocknet. Das Laufen war anstrengend, aber ich konnte doch locker laufen. Noch strengt mich der dritte längere Lauf in der Woche an. Aber ich laufe lieber lang als kurz. Ich habe mal gelesen, es gibt die Kurzstrecken-Typen und die Langstrecken-Typen. Das steckt wohl in den Genen. Ich bin ganz sicher der Langstrecken-Typ. Beim langen Laufen komme ich in ein inneres Gleichgewicht und erfahre einen unbeschreiblichen Glückszustand. In diesem herrlichen Zustand schnurrt die Zeit zusammen und ich könnte nicht sagen, ob eine Ewigkeit oder nur Minuten vergangen sind. Na ja, dafür gibt es ja dann die GPS-Uhr.

Heute, am Samstag (Tag 934) war wieder die kleine Parkseerunde dran (knapp 4 km). Damit werde ich morgen die 70 Wochenkilometermarke wieder überschreiten. Im Park hat eine ganze Krähenschar unter lautem Gejohle (anders war das Gekrähe nicht zu erklären) zwei Falken gejagt. Der Lauf war locker und entspannt bei milder Luft.

Ich wünsche allen ein friedliches und gesundes neues Jahr!