Das Häkeldeckchen

Tag 43. Wieder einmal ist eine heiße Woche vergangen. Allmählich gewöhnte ich mich wieder an die Krafttrainingseinheiten. Ich übte den Körper früh am Morgen, denn die Hitze wurde tagsüber fast unerträglich. Nach den morgendlichen Übungen blieb mir der ganze Tag für andere Dinge. Zum Laufen hatte ich wieder gar keine Lust. Nicht einmal die Vorstellung von Naturabenteuern lockte mich. Dagegen machte es mich glücklich, wenn ich wieder das eine oder andere neue chinesische Zeichen lernte, auch wenn die Sprache für mich so nützlich wie ein Häkeldeckchen ist.

Am letzten Sonntag (Tag 37) war Ruhetag.

Am Montag (Tag 38) machte ich die Krafttrainingseinheit mit dem Schwerpunkt Beine und Core.

Am Dienstag (Tag 39) konnte ich mich in der Frühe nicht aufraffen. Da es danach extrem heiß wurde, erlaubte ich mir wieder einen Ruhetag. Und das war auch richtig, denn meine Muskeln waren noch verkatert.

Am Mittwoch (Tag 40) kümmerte ich mich um Brust und Rücken. Diese Übungseinheit hatte ich als leicht in Erinnerung. Wie die Erinnerung doch täuschen kann! Es war sehr anstrengend und ich wurde bei den Balance-Kraft Kombinationsübungen richtig zittrig. Danach fühlte ich mir sehr gut und voller Willen, mit dem Krafttraining weiter zu machen.

Am Donnerstag (Tag 41) Sixpack und Core. Das war eine Übung, die ich nur selten gemacht habe, weil sie mir so leicht fiel. Diesmal aber war sie sehr schwer. Es ist immer wieder eine Freude festzustellen, dass sich die ganze Mühe lohnt. Denn die Schwächlichkeit, die ich hier spürte, die verschwindet binnen Wochen. Das weiß ich, denn sie war ja schon einmal weg.

Am Freitag (Tag 42) war Ruhetag.

Heute, am Samstag (Tag 43) widmete ich mich Brust und Armen. Noch mache ich die Übungen alle mit wenig Gewicht, sofern sie nicht sowieso nur mit dem Körpergewicht ausgeführt werden. Es ist anstrengend, aber ich liebäugele mit der Idee, statt Ruhetage Radeltage einzulegen – schaun mer mal. 

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Aufwärts!

Tag 29. Diese Woche (Tag 23 29) radelte ich täglich 15 km auf Stufe 4 (von 8 Stufen) mit dem Zimmerfahrrad. Insgesamt kam ich also auf 105 km. Es klingt einfach, war aber doch anstrengend. Hier waren die Tage sehr heiß. Ich radelte morgens, kam aber dennoch ins Schwitzen, denn auch in den Nächten kühlte die Luft nicht stark ab. Da ich beim Radeln lesen kann, langweile ich mich nicht all zu sehr.

Die Erkältung spüre ich nicht mehr. Es geht vorwärts!

Aufwärts!

Tag 22. Im Laufe der Woche hat sich die Erkältung weiter gebessert. Es ist immer wieder erstaunlich, wie stark das Krankheitsgefühl zunächst ist, wie schwach ich mich fühle und wie schnell und gründlich dann aber die Krankheit verschwindet. Zum Krafttraining konnte ich mich noch nicht aufraffen, aber immerhin durchwanderte ich einmal die 19 km zum See. Es geht also aufwärts!

Am letzten Sonntag (Tag 16) lief ich die erweiterte Ententeichrunde (4 km). Ich hatte keine Probleme.

Am Montag (Tag 17) wollte ich wieder die erweiterte Ententeichrunde laufen. Aber schon nach ein paar hundert Metern tränten die Augen, die Nebenhöhlen gingen zu und ich fing an zu Husten. „O.k.,“ dachte ich „das ist etwas, das ich gar nicht gebrauchen kann.“ Ich erledigte noch kleine Einkäufe auf dem Rückweg und blieb ansonsten drinnen.

Am Dienstag Tag (18) radelte ich 15 km auf Stufe 4 mit dem Zimmerfahrrad. Die Atmung ging nach zwei zusätzlichen Hüben Salbutamol recht gut. Die Symptome vom Vortag waren etwas zurückgegangen. Draußen wehte der Wind Staub durch die Gegend und der Blumenduft reizte mich unangenehm, als wir einkaufen gingen. Wenn das noch länger dauert, lasse ich mal einen Allergie-Test machen.

Am Mittwoch Tag (19) regnete es wieder nicht. Ich radelte gleich am Morgen die 15 km auf Stufe 4 im Zimmer. „Mein läuferischen Ambitionen kann ich begraben, wenn es wieder so ein staubiger, trockener Sommer wird.“, dachte ich.

Am Donnerstag (Tag 20) war das Wetter so schön, dass ich mich zu einer Wanderung zum See entschloss (19 km). Der Himmel war blau, die Luft kühl und die Sonne schien. Über den See schwebte majestätisch der Graureiher. Die Wassertemperatur war 17 °C. Für mich war das noch zu kalt, aber ich sah zwei Schwimmer. Als ich am Ufer sitzend mein Brot aß, kamen zwei Blesshühner mit ihren kleinen Federbällchen angeschwommen. Ich teilte mein Brot redlich. Die Alten schnappten es den kleinen Weg, aber nach kurzem Test, ob das Brot genießbar ist, gaben sie es fürsorglich an ihre geliebten Bällchen weiter!

Freitag (Tag 21) und Samstag (Tag 22) ging es mir gut. Trotz der 19 km am Donnerstag fühlte sich mein Körper gut an. Ich brauchte also keine Ruhe. Allerdings geriet ich in den Sog des chinesischen Autors Xiaolong Qiu. Qiu, geboren 1953 in Shanghai, wo er aufwuchs. Seit seinem Studienaufenthalt 1988 lebt er in Amerika. Ab 1995 reiste er wieder nach Schanghai. Seine Krimi-Reihe um Oberkommissar Chen, beginnend mit dem „Tod einer Roten Heldin“, nahm mich gefangen. Im „Tod einer Roten Heldin lässt er die chinesische Welt der 90er Jahre zu Beginn der wirtschaftlichen Öffnung hautnah an den Leser herankommen. Der Leser rutscht sozusagen in einen Trichter von oben, wo zarte chinesische Lyrik von Jahrtausenden den Geist weitet, nach unten in die Enge der kommunistischen Partei. All das wird durch konfuzianische Kraft und Gleichmut aushaltbar. Es gibt neun Bücher in der Oberkommissar Chen Reihe, die von 2000 bis 2016 geschrieben wurden.

Schonzeit

Tag 15. Weiterhin beschäftigte mich diese Woche die Erkältung, die mich letzte Woche am Mittwoch (Tag 5) überfallen hatte. Nicht schön!

Am letzten Sonntag (Tag 9) ging ich zum Ententeich (3,5 km). Die Erkältung war trotz HNO-ärztlicher Hilfe noch immer sehr schwächend.

Am Montag (Tag 10) und am Dienstag (Tag 11) schleppte ich mich zu Fuß einmal von der Autowerkstatt nach Hause und das andere mal von zu Hause zur Werkstatt (je 2,5 km). Das reichte mir als Lauftag, denn die Erkältung war gerade auf dem Höhepunkt.

Am Mittwoch (Tag 12) kämpfte ich immer noch mit der Erkältung, auch wenn es mir schon wieder unvergleichlich besser ging. Ich machte die Krafttrainingseinheit Arme. Dabei reduzierte ich das Gewicht etwas, so dass es recht gut ging. Abends spazierte ich zum Ententeich (3,5 km).

Am Donnerstag (Tag 13) lief ich in Richtung Wald (8 km). Die Sonne lächelte mir ermutigend zu. Nach 4 km meldeten sich die Erkältungssymptome zurück. Obwohl ich eigentlich bis zum See gehen wollte, kehrte ich um. Schonzeit! Die Jagd nach Rekorden verbietet sich unter diesen Umständen von selbst.

Am Freitag (Tag 14) und heute, am Samstag (Tag 15), ging ich jeweils zum Ententeich (3,5 km). Vorsicht ist mir zur Zeit lieber als Nachsicht.

Meine neue Nationalhymne

Ab jetzt wird wieder in die Hände gespuckt,

wir erhöhen das Bruttosozialprodukt

Wäre der Song „Bruttosozialprodukt“ von der Band Geier Sturzflug nicht ein guter Text für eine neue Nationalhymne? Nein?  Es wäre wohl eher die Hymne für meinen persönlichen  Sturzflug.

Am letzten Samstag (Tag 1) startete ich nach meinem Oh je!-Bericht einen kleinen Lauf zum Ententeich (3, 5 km). Der Himmel war bedeckt bei 17 °C Lufttemperatur. Ab und an fiel ein Tröpfchen Wasser aus den Wolken. Ich war glücklich und froh, draußen im Grünen zu sein. Meine Atmung ging besser als ich erwartet hatte.

Am Sonntag (Tag 2) ging ich wieder auf die Ententeichrunde, nachdem wir unseren Besuch aus Amerika verabschiedet hatten.

Am Montag (Tag 3) sang ich gleich am Morgen: „Ja, ja, ja, heute wird wieder in die Hände gespuckt.“ Ich lief um den Ententeich (3,5 km) und anschließend machte ich das Krafttraining mit den einbeinigen Kniebeugen. Es ging gut und ich fühlte mich froh und munter.

Am Dienstag (Tag 4) ging es wieder um den Ententeich (3,5 km). Ich hatte etwas Muskelkater und beließ es dabei.

Den Mittwoch (Tag 5) eröffnete ich mit der Ententeichrunde (3,5 km). Die Muskeln schmerzten deutlich. Ich fühlte mich ansonsten aber gut. Im Teich stand ein kleiner Graureiher mit gelbem Gesicht. Er strauchelte beim Stapfen durch den Schilf, als habe er noch nicht genug Übung. Er wirkte so jung und süß! Ab Mittag radelte ich zum Aufwärmen 5 km auf Stufe 4 mit dem Zimmerfahrrad. Es war recht mühsam. Das anschließend geplante Krafttraining ließ ich ausfallen. Irgendwie war ich schlapp und musste dauernd niesen.

Am Donnerstag (Tag 6) konnte ich kaum aufstehen. Die Nase lief mir. Ein Ohr war so zugeschwollen, dass kein Druckausgleich gelang. Mein Kreislauf machte schlapp. Alle Muskeln taten weh. Oh weh! Ich erledigte kaum etwas und blieb überwiegend im Bett.

Am Freitag (Tag 7) schlich ich unfroh zum Ententeich (3,5 km).

Heute, am Samstag (Tag 8) ging es mir etwas besser. Ich konnte schon wieder fröhlich die Ententeichrunde (3,5 km) auf mich nehmen. Da aber die Nase läuft und der Körper Ruhe verlangt, werde ich wohl am Wochenende nicht viel zustande bringen. Pech für mich!

Aber nächste Woche, da geht der Rundflug wieder hoch hinaus – glaubt es mir – !

Schweißtropfen

Tag 415. „Motivation, da bist du ja wieder!“ Nach drei Monaten mehr oder weniger stark ausgeprägter Lustlosigkeit, hatte ich Anfang dieser Woche wieder unbändige Lust am Sport. Die Frühjahrs-Putz-Woche hat mir so deutlich gezeigt, wie sehr sich der Sport gerade für mich in meiner Situation lohnt. Ohne Körper ist Alles Nichts. Und von alleine schlafft der Körper leider ab. Er will gefordert werden, er braucht Schweißtropfen, damit er wohnlich sein kann. Mitte der Woche kam mit die Motivation kurzfristig abhanden. Aber heute war sie zurück!

Am letzten Sonntag (Tag 409) radelte ich 15 km lesend auf Stufe 4. Ich verteilte die Strecke auf drei Einheiten: morgens, nachmittags und abends. Mit der Kraft auf Stufe 4 hatte ich gar keine Probleme. Aber die Ausdauer war nicht da. Ich radelte jeweils solange, bis mir der Schweiß lief.

Am Montag (Tag 410) radelte ich gleich morgens die 15 km auf dem Zimmerfahrrad (Stufe 4). Mein Mantra war: „Ich hole mir meine Ausdauer zurück!“.

Ab Dienstag (Tag 411) bis Freitag (Tag 414) versteckte sich die Motivation vor mir. Dafür kam ich mit den chinesischen Zeichen ordentlich voran.

Heute, am Samstag (Tag 415) erfreute mich die Idee,Ganzkörper Kraft Intervalle zu machen. Es ging leidlich gut. Ab jetzt muss ich wirklich wieder am Ball bleiben, sonst werde ich noch eine alte, fette, kraftlose Schachtel, die über Atemnot klagt. Das will ich nicht!

Die jährliche Belohnung

Tag 402 – 406.

Am Montag (Tag 403) radelte ich mich warm (5 km / Stufe 4). Danach machte ich als Krafttraining mal wieder die alten Rumpf-Stabi-Übungen. Es ging gut.

Von Dienstag (Tag 404) bis heute, Samstag (Tag 406) war Frühjahrsputz angesagt. Es ist unglaublich wie viel Staub sich im Verlauf des Winters angesammelt hat. Die Fensterrahmen waren mit einer feinen Ruß-Schicht überzogen. Woher der Ruß wohl kommt? Hier im Haus raucht keiner und die Häuser werden meist mit Gas beheizt. Na ja, einige werden auch mit Öl beheizt. Das und die Autos zusammen erzeugen wohl diese Ruß-Schicht.

Der Frühjahrsputz ist für mich die jährliche Belohnung für Kraft- und Ausdauertraining. Die Arbeiten sind körperlich anstrengend. Aber mir gelingt das recht problemlos. Na klar, ich muss schnaufen und zur Zeit bleibe ich auf der Treppe schon zwischen dem ersten und zweiten Stock hängen und muss pausieren. Aber was soll´s. Doof ist nur, dass manche Nachbarn, die mich auf der Treppe treffen, nicht glauben können, dass das nichts Schlimmes ist.

Aber ich finde, solange ich den Frühjahrsputz hinkriege, kann ich doch zufrieden sein oder etwa nicht?

Bald wird der See warm genug sein. Dann werde ich hinradeln und Schwimmen gehen.