Das keifende Blesshühnchen

Tag 72. Die Sonne schien und der Himmel war blau. Ein leichter Wind strich durch die Blätter. Die Pflanzen grünten saftig. Hier und da entfalteten sich Blütendüfte. Brennnesseln säumten kniehoch die Wegesränder. Die Wiesen waren reif zum Mähen. Glückliche Tage, die aber an der Kraft zehrten. Deshalb blieb ich der prallen Frühlingswelt in der zweiten Wochenhälfte fern. Ich lauschte dem vorbei rauschenden Zeitenstrom, ließ mich aber nicht mitreißen. Ich sammelte Kräfte.

Am letzten Sonntag (Tag 66) ersetzte ich das sonntägliche Dehnen durch etwas, das „Mobility“ heißt. Das war leichter. Das Knie war dankbar und ist nun schon fast wieder gut.

Am Pfingstmontag (Tag 67) lief ich zum Badesee (19 km). Die Lufttemperatur betrug 17 °C, die Wassertemperatur 18 °C. Ich schwamm wie immer in eine Richtung. Dabei beobachtete ich, wie ein Graureiher das Schilf anflog. Ich dachte, der wird dort wohl landen. Aber soweit kam er nicht. Ein kleines Blesshühnchen kam mit weit aufgerissenem Schnabel keifend und flügelschlagend aus dem Schilf. Der Graureiher machte, daß er weg kam und setzte sich weit entfernt neben den Kormoran auf einen Baumstamm. Der Kormoran ließ sich durch diesen Besucher nicht beim Trocknen seines Gefieders stören. Nach einer viertel Stunde wurde es mir kalt und ich drehte um. Nun blies heftiger Wind Wellen auf mich zu. Plötzlich bekam ich Atemnot und schwamm ziemlich gequält an das gerade noch erreichbare Ufer. Von da musste ich mich auf einem kleinen, geschützten Entenpfad über umgefallene Bäume und durch Gesträuch zu meinen Klamotten zurück retten. Aus irgendeinem Grund hatte ich richtig Probleme mit der Atmung. Zu meiner Beruhigung kann ich aber sagen, daß mir in jedem Moment klar war, daß ich es zurück zum Ufer schaffen würde.

Am Dienstag (Tag 68) machte ich morgens das Krafttraining unter anderem mit den einbeinigen Kniebeugen. Diesmal erschienen sie mir gar nicht so schwer. Abends machte ich noch Übungen für den Bauch.

Am Mittwoch (Tag 69) war ich wieder am See (19 km). Es war ein herrlicher Sonnentag. Die Luft war warm (22 °C) und das Wasser kalt (18 °C). Damit ich nicht wieder in Seenot geriet, verließ ich schon nach zehn Minuten das Wasser. Die kurze Abkühlung im Wasser war ein Genuss.

Am Donnerstag (Tag 70) beschränkte ich mich auf die Mehrung der Kraft im Rumpf, am Freitag (Tag 71) in den Armen.

Heute am Samstag (Tag 72) machte ich morgens das Krafttraining unter anderem mit den einbeinigen Kniebeugen. Am frühen Nachmittag widmete ich mich der Kraft im Bauch.

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Im Zeitenstrom treiben

Tag 1508. Diese Woche lief ich durch saftig grüne Wälder und schwamm im erfrischenden See. Das sind mir die liebsten Geschenke, die der Sommer so zahlreich vergibt. Ich kann entspannt vor mich hintraben. Das ruhige Grün beglückt. Der blaue Himmel entzückt. In der Frühe ist es meist noch kühl. In der frischen Welt des Morgens kann ich unbekümmert sein. Na ja, vielleicht nicht ganz. Denn im Wald lauern die Wegelagerer auf kleine Momente der Schwäche. Wer auch nur kurz stehen bleibt, der wird ihr Opfer. Man wird angesaugt und mit mindestens einer roten Stelle auf der Haut gekennzeichnet. Teilweise lauern die blutrünstigen Räuber in großen Scharen, so daß die Haut im Nu besetzt ist und nur eiligste Flucht vor weiterem Schaden schützen kann. So wie dieses Jahr habe ich das noch nicht erlebt. Nun ja, ich liebe die Natur.

Am letzten Sonntag (Tag 1502) habe ich morgens geturnt. Abends bin ich nur kurz gelaufen. Der Lauf selbst war schön. Die Luft duftete nach warmem Regen. Hin und wieder fiel ein dicker Tropfen auf die Straße. Die Atmung war trotz vollem Magen (das ist nicht empfehlenswert!) erstaunlich gut.

Am Montag (Tag 1503) konnte ich den Lauf zum Waldsee (14 km) genießen. Die Luft war kühl und angenehm. Die Atmung war nicht schlecht. Nur das Turnen vom Tag zuvor hing mir noch etwas in den Muskeln. Den Kraftzuwachs durch die Turnerei merke ich besonders an den Hügeln. Das möchte ich nicht mehr missen. Die etwas längeren Läufe sollte ich aber doch wieder häufiger laufen. Die Kondition verschwindet so schnell. Und wenn man sie erst mal verloren hat, findet man sie nicht so leicht wieder. Zu Hause angekommen, konnte ich feststellen, daß endlich die Werte für meinen See vorlagen: keine Bedenken! Es kann gebadet werden!

Am Dienstag (Tag 1504) lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war ziemlich warm und ziemlich anstrengend. Zudem lauerten an den schattigen Stellen bluthungrige Ungeheuer, die sich ungeniert an meinen Beinen bedienten. Anderen Lebewesen Blut zu rauben ist auch eine Möglichkeit, im Zeitenstrom zu schwimmen. Da gefiel mir dann das Laufen um den Parksee doch sehr viel mehr. „Ja“, dachte ich, „das Laufen ist doch eine schöne Art mit Lebenszeit umzugehen.“ Eigentlich ist das Laufen eine Gelegenheit sich im Strom der Zeit treiben zu lassen. Die Seele baumelt. Der Körper lebt. Man fühlt nur das Ein und Aus des Atems. Die Landschaft fließt träge vorbei. Gelegentlich treibt jemand in der Nähe. Man lächelt und schon geht es weiter. Die Füße muss man heben, damit man nicht von einer Wurzel zu Fall gebracht wird. Mehr wird nicht verlangt. Beim Laufen braucht man sich nicht hetzen lassen. Man kann sich wunschlos glücklich wie im Traum treiben lassen.

Am Mittwoch (Tag 1505) lief ich tagsüber zum See (19 km). Als ich loslief war es noch kühl. Die Sonne lächelte freundlich vor blauem Himmel. Das vom Regen der letzten Zeit beglückte Grün wucherte und glänzte satt und zufrieden. Auf dem Hinweg wärmte die Sonne die Luft allmählich auf. Ich lief durch einen Park zum Wald. Dort wartete ein Mäusebussard bis ich den Parkweg betrat. In dem Moment ließ er sich vom Ast eines Baumes fallen und segelte in Höhe meiner Augen vor mir her. Als ich ihn aus den Augen zu verlieren drohte, setzte er sich auf einen Baum und wartete. Sobald ich aufgeschlossen hatte, wiederholte sich das Flugmanöver. Auf diese Weise lief ich ca. einen Kilometer hinter dem vor mir schwebenden Bussard her. Er hatte eine Flügelspannweite von mehr als einem Meter. Ich fühlte, daß dies eine Einladung an mich war, weiter täglich zu laufen. Der Bussard beendete meine Begleitung erst, als ich die Straße überquerte, die den Park vom Wald trennt. Im Wald war es ruhig und schattig. Als ich zum See kam, war mir die Abkühlung im See willkommen. Auf dem Heimweg verschwand die Kühle, die sich in meinem Körper beim Baden ausgebreitet hatte, zu schnell. Es wurde sehr warm.

Am Donnerstag (Tag 1506) lief ich zum Ententeich. Dort stellte ich die Uhr wegen zu großer Hitze ab. Gemütlich ging ich nach Hause.

Am Freitag (Tag 1507) lief ich nur kurz in der Hitze. Auch zum Turnen war es mir zu warm.

Heute, am Samstag (Tag 1508) lief ich in der Frühe zum See (19 km). Es waren 98 % Luftfeuchtigkeit. Dementsprechend schwer war der Lauf. An meiner Einstiegsstelle im See stand wieder mal der Graureiher. Als er mich kommen sah, flog er sofort ab. Im See waren angenehme 23 °C. Ich war nicht allein. Einige ältere Damen hatten auch die frühen Morgenstunden gewählt, um noch vor dem Wolkenbruch eine kleine Erfrischungsrunde zu schwimmen. Ich bin nur ca. zwanzig Minuten geschwommen, damit ich vor dem angekündigten Gewitter wieder zu Hause sein konnte. Derweil hatte mein Mann Besuch von unserem Eichhörnchen. Es verteidigte seine Nüsschen tapfer gegen „unsere“ Krähe. Erst als die Krähe und die verfressene Taube gemeinsam auf das Eichhörnchen losflatterten, floh das Tierchen, das wir Maria Magdalena nennen. Zunächst rettete es sich in unser Wohnzimmer. Nach einer Wohnungsbesichtigung sprang es vom Balkon in die Kastanie und verschwand.

Der Schülerlotse

Tag 1466. Die Kühle des Morgen ist derweil meine beste Freundin geworden. Die Luft ist noch sauber. Über der Stadt liegt Stille. Die Autos schlafen in ihren Parkbuchten. Die Menschen liegen in ihren Betten. Zu dieser Zeit begegnen mir viele wilde Tiere. Die Füchslein schauen neugierig und etwas ängstlich. Der Bussard macht sich davon, wenn er mich sieht. Mit den Wildschweinen kann ich mich ganz gut verständigen. Sie schicken ein dickes Riesentier auf meinen Weg. Dieses grunzt mir ein „Halt an und warte!“ zu. Sobald die Familie den Weg überquert hat, verschwindet das Riesenschwein behände und fast lautlos im Wald. Das Riesenschwein nenne ich den ‚Schülerlotsen‘. Erst wenn es den Weg frei gibt, kann ich weiter laufen.

Am Sonntag ( Tag 1453), acht Tage vor dem Jubiläumstag, lief ich die Parkseerunde (7 km). Es war brutal heiß. Die Wege waren teilweise weiß zugeschneit von Wattefetzen, an denen ein kleiner Samen hängt. Selbst im Schatten der Bäume war es heiß. Auf dem Rückweg war an der Adidas-turnbar etwas Platz. Zwei Männer machten ihre Übungen. Sie sahen aus wie Schreibtischarbeiter. So wagte ich Kraftübungen für Arme und Rumpf. Nach meiner ersten Übung atmeten die beiden erleichtert auf und turnten weiter.

Am Montag (Tag 1454) war ich früh am Badesee (18 km). Da für den Tag über 30°C Hitze angesagt war, tauchten bald vereinzelt Leute auf. Hin und wider trabte auch schon ein Jogger am See entlang. Ich schwamm zehn Minuten in die eine Richtung und zehn Minuten zurück. Es war kalt, aber die Windschutz-Jacke reichte völlig, um mich nach dem Baden warm zu halten. Auf dem Heimweg traf ich einen Graureiher. Er stand fünf Meter vor mir und schaute mich freundlich an. Ich machte einen großen Bogen und er schaut zu. Ich rief ihm ein fröhliches „Guten Morgen!“ zu und lief nach Hause.

Am Dienstag (Tag 1455) beschränkte ich mich auf einen kurzen Lauf.

Am Mittwoch (Tag 1456) lief ich nach dem Turnen zum Ententeich. Erst am Ende der Strecke hatte ich mich eingelaufen. Die Strecke war also letztlich zu kurz. Ich bin aber noch vorsichtig, weil ich nicht einschätzen kann, wie ich Laufen + Schwimmen + Turnen zusammen verkrafte.

Am Donnerstag (Tag 1457) lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Atmung ging sehr gut. Der Schwan lag auf seiner Insel in der Sonne. Ein Graureiher stolzierte im flachen Wasser um die Schwaneninsel herum.

Am Freitag (Tag 1458) erschlich ich die Parkseerunde (7 km). Die Atmung wollte gar nicht. AmTurnpark von Adidas war niemand. So konnte ich auf halber Strecke eine Turnpause einlegen. Später kamen zwei junge Frauen hinzu. Die waren ungefähr auf meinem Kraftniveau. Das hat Spaß gemacht.

Am Samstag (Tag 1459) war ich schwimmen (19 km). Ich traf kurz nach Sonnenaufgang im Wald ein. Kaum hatte ich das enge Tal betreten, da hörte ich schon das bekannte Grunzen und es knackte laut im Unterholz. Ich konnte das Wildschwein nicht sehen, nur hören. Aber ich legte keinen Wert auf näheren Kontakt, so kehrte ich um und nahm den Höhenweg. Auf dem Weg zum See hinunter lief mir ein anderes Wildschwein mit mehreren Jungen entgegen. Der Weg war breit genug, so daß das Wildschwein mit den Kindern in einer Entfernung von zwanzig Metern an mir vorbeiziehen konnte. Die Bache schaute aufmerksam in meine Richtung und ich in ihre. Beide fühlten wird uns aber nicht bedroht und so war die Begegnung schön. Auf dem gleichen Weg kam mir wenig später ein Fuchs entgegen. Im kalten See war ich noch nicht weit geschwommen, da flog der Graureiher genau über mir. Er flog niedrig und wollte offensichtlich sehen, wer da in aller Frühe schwimmt. Ein kleiner Graureiher wartete schon an dem Sonnenfleckchen in meiner Einstiegsbucht als ich wieder aus dem Wasser kam. Mir war sehr kalt, so daß ich froh war, als der kleine den Sonnenfleck ganz freiwillig räumte.

Am Sonntag (Tag 1460) machte ich das Krafttraining zuerst. Später lief ich zum Ententeich. Der Tag war verregnet und genauso fühlte ich mich auch.

Am Montag, dem Jubiläumstag (1461) lief ich nur kurz. Damit waren die vier Jahre erfüllt.

Am Dienstag (Tag 1462) hat das fünfte Jahr begonnen. Nachdem ich das vierte Jahr so schmählich beendet hatte, begann ich das fünfte Jahr schon im Morgengrauen mit einem Lauf zum Badesee (19 km). Es hatte die ganze Nacht geregnet. Der Regen hörte unmittelbar vor meinem Aufbruch auf. So war die Luft sauber. Die Straßenlaternen spiegelten sich im blitzenden Straßenbelag. Ganz allmählich begannen die Vögel zu singen. Einer Wildschweinrotte begegnete ich auf dem Weg hinunter zum Badesee. Ich hörte ein Grunzen und sah auf. Da stand schon ein ziemlich großes und schwarzes Tier vor mir. Ich lief ein paar Meter zurück. Das Schwein blieb mitten auf dem Weg stehen und schaute in meine Richtung, schien aber zufrieden mit der Distanz. Ein paar Meter hinter dem Tier überquerte dann ein weiteres Wildschwein den Weg. Hinter ihm hoppelten lauter hellbraune kleine Fellchen über den Weg. Das Schwein, das mich so angegrunzt hatte, hatte die Funktion eines Schülerlotsen. Als die Rotte den Weg gequert hatte, verschwand es ebenfalls im Wald. Am Ufer des Badesees schlich sich ein Fuchs etwa zwei Meter hinter mir in seinen Bau. Hätte es nicht im Unterholz geknackt, hätte ich es gar nicht bemerkt. Der Fuchs hatte ein kleines Blesshühnchen im Maul. Nach dem Schwimmen kam der Fuchs noch einmal an mir vorbei. Ich schien ihn überhaupt nicht zu stören. Das Wasser war 19 °C warm. Draußen an der Luft waren es 13 °C. Über dem Wasser schwebten Nebelschwaden. Am Horizont kam die goldene Sonne hinter den Bäumen hervor. Mit mir war nur der Haubentaucher und zwei kleine Haubentaucher im Wasser. Auf dem Heimweg kam mir ein anderer Fuchs auf dem Weg entgegen. Der war scheu. Er versteckte sich im Unterholz, als er mich sah und ihm klar wurde, daß wir den selben Weg benutzten.

Am Mittwoch (Tag 1463) lief ich wieder nur kurz.

Am Donnerstag (Tag 1464) eröffnete ich den Tag mit Krafttraining. Es ist mir eine Freude zu erleben, wie der Körper sich anpasst. Während ich das schreibe, ruft meine Mann: „Komm! Schnell!“. Auf unserem Großstadtbalkon im dritten Stockwerk saß im Balkonkasten ein karottenrotes Eichhörnchen! Wir legen immer etwas für die Vögel in den Balkonkasten. Offensichtlich war das Eichhörnchen neugierig geworden. Es war zwanzig Minuten im Balkonkasten. Dann kletterte es am rauhen Putz des Hauses hinauf auf das Dach und entschwand unseren Blicken. Später lief ich die Parkseerunde (7 km).

Am Freitag (Tag 1465) lief ich zum Ententeich.

Heute, am Samstag (Tag 1466) lief ich die Parkseerunde (7 km). Die Sonne strahlte. Ein kühler Wind kräuselte den See. Wenn es nicht allzu heiß wird, werde ich gegen Abend noch turnen. Am Morgen war das Eichhörnchen wieder auf dem Balkon. Es saß eine Weilchen rechts auf dem Balkonkasten und genoss ein Nüsschen. Dann hoppelte es nach rechts auf den nächsten Blumenkasten und dort hoppelte es weiter und verschwand im Nichts. Es konnte nur vom Balkon in die Tiefe gestürzt sein! Ich war schockiert. Das Eichhörnchen war vom dritten Stock gestürzt! Oh Gott, oh Gott! Panik stieg in mir auf. Dann sah ich es auf der Kastanie, deren Ast zwei bis drei Meter entfernt und einen Stock tiefer in Richtung Balkon reicht. Es ging unbeschadet seiner Wege. Mir fiel ein Stein vom Herzen!

Sommerregen

Tag 1109. Wieder ist eine Sommerwoche viel zu schnell vergangen. Laufen und Schwimmen, wenn der Tag seine Unschuld noch nicht verloren hat, ist in den Sommerwochen traumhaft schön. Letztes Jahr noch bin ich widerwillig so früh gelaufen. Nur wenn ein heißer Sommertag drohte, quälte ich mich hinaus. Dieses Jahr springe ich manchmal von freudiger Erwartung angetrieben morgens aus dem Bett. Aber viermal in der Woche zum See laufen um zu schwimmen ist genug. Achtzig Kilometer in der Woche sind definitiv genug für mich. Mehr könnte mein Körper noch nicht verkraften.

Am letzten Sonntag (Tag 1103) bin ich zur Krönung der Woche morgens in der Frühe zum See gelaufen (19 km) und eine Runde geschwommen. An „meinem“ Ufer in „meiner“ Bucht saßen Jugendliche, die vom Vorabend übriggeblieben waren. Sie hörten laute Musik und sangen dazu. Obwohl ich die Ruhe des Sees liebe, gönnte ich diesen jungen Leuten ihr lautes Vergnügen. Ich lief an das gegenüberliegende Ufer. Von dort konnte ich sehen, daß das Graureiherpaar ungerührt von der Musik seinen Geschäften nachging. Den kleinen Graureiher hatten sie wenige Meter neben den jungen Leuten im Gebüsch abgestellt. Und man glaubt es kaum: Ab sechs Uhr kamen die ersten Jogger und ab sieben Uhr strömten Jogger herbei. Im Wasser war ich allein. Nur der treue Haubentaucher leistete mir Gesellschaft.

Am Montag (Tag 1104) und Dienstag (Tag 1105) beschränkte ich mich nach der Woche mit über 80 Kilometer mit halbwegs guten Gewissen auf die Meile.

Am Mittwoch (Tag 1106) lief ich wieder zum See um zu schwimmen (16 km). Drei Kilometer habe ich verloren, weil ich nach dem Schwimmen die Uhr nicht sofort wieder angestellt habe. Es regnete vom ersten Schritt an. Es war ein leichter Landregen. Die Temperatur war bei ca. 18 °C. Im Wald rief der Regen die übliche wohltuend entspannte Stimmung hervor. Am See tropfte der Regen auf die Wasseroberfläche und erzeugte die bekannten Kreise. Im See war ich auf Augenhöhe mit den Tropfen, die gerade in das Wasser fielen. Ich konnte sehen, wie sie noch einmal wie kleine Bällchen von der Wasseroberfläche abprallten und in die Luft sprangen, bevor sie endgültig in den See fielen und verschwanden. Als der Regen heftiger wurde, rissen die Tropfen bei ihrem Sprung von der Wasseroberfläche noch etwas Seewasser mit, so daß kleine Springbrunnen aus dem Wasser gen Himmel schossen. Eine Zeit lang bildeten sich Blasen verschiedenster Größe auf dem Wasser. Sie sahen wie kleine Quallen aus. Ich glaube, ich habe das noch nie so wahrgenommen. Bei alledem flog der Graureiher einmal vorbei und ich hätte nur die Hand aus dem Wasser heben müssen, um ihn zu berühren. Am Ufer sprangen fingernagel-kleine Fröschlein oder Krötlein herum. Im Wasser gab es keine Kaulquappen mehr.

Am Donnerstag (Tag 1107) bin ich wieder zum See gelaufen (19 km) um zu schwimmen. Es war noch kühl, aber es sollte ein strahlender Sonnentag werden und so kam es dann auch. Leider hatte ich unterwegs einen unangenehmen Anfall von Atemnot. Ich bin zwar bis zum See gelaufen und ins Wasser gegangen. Aber so richtig in Schwung bin ich nicht gekommen. Na ja, auch solche Tage gibt es.

Am Freitag (Tag 1108) bin ich nur kurz gelaufen, weil es den ganzen Tag in Strömen regnete.

Heute, am Samstag (Tag 1109) schien bei meinem Lauf zum See und beim Schwimmen die Sonne (20 km). Erst auf dem Heimweg fing es an, in Strömen zu regnen. Ich wurde bis auf die Haut nass. Es war ein herrlicher Platzregen, wie es ihn nur im Sommer gibt. Ich lief gerade durch einen Park, als der Himmel seine Schleusen öffnete. Fast unter jedem Baum stand jemand und tippte auf seinem Smartphone herum. Ich hatte ohnehin nur das T-shirt und die kurze Hose an. Da konnte ich mich mit Vergnügen naß regnen lassen. Wer aber seine besten Klamotten und edle Schuhe trägt, vielleicht sogar gerade vom Friseur kommt, der sucht Schutz unter großen Bäumen. Bis ich zu Hause war, war ich schon wieder trocken geworden.

Ich wünsche allen schöne Erlebnisse beim Laufen!

Der See lädt zum Bade ein!

Tag 1074. Diese Woche war es endlich wieder soweit. Meinen Badeseelauf konnte ich endlich wieder mit einer kleinen Runde Schwimmen im See unterbrechen. Ich war ganz erstaunt, dass das Wasser zwar sehr kühl, aber nicht eiskalt war. Beim Einsteigen in den See war ich vorsichtig. Denn am Ufer schwammen sehr kleine Kaulquappen herum. Letztes Jahr, als ich die Erkältung hatte, habe ich sie noch krank und neidisch vom Ufer aus beobachtet. Diesmal durfte ich ihr Element teilen. Das Bad im kalten See beflügelte meine Atmung und so fühlte ich mich wunderbar leicht und selig.

Am Sonntag (Tag 1068) und Montag (Tag 1069) war es sehr heiß. Morgens war ich noch müde. Also lief ich am späten Vormittag nur kurz.

Am Dienstag (Tag 1070) lief ich zum Badesee (17 km). Die Sonne lächelte vom blauen Himmel. Ein leichter Wind reichte aus, um die Hitze in angenehme Wärme zu verwandeln. Ich hatte meine Rucksack mit den Schwimmsachen mitgenommen. Man kann ja nie wissen. Ich lief durch zartgrüne, duftende, sonnendurchflutete Wälder zum See. Ich streifte meine Laufschuhe ab und ging bis zu den Knien testweise in das Wasser. Oh! Gar nicht so kalt! Dann bin ich schwimmen gegangen. Es war kühl, aber nicht zu kühl. Herrlich! Wunderbar! Endlich! Juhu, der Sommer ist da! Schwimmen, ah! Es ist so eine schöne Abwechslung. Der kalte See erfrischt und belebt. Danach ging das Atmen für eine Weile wie von allein und ich eilte glücklich lächelnd nach Hause.

Am Mittwoch (Tag 1071) habe ich den Dienstag wiederholt, weil es so schön war. Auf dem Weg zum See fühlte ich mich noch richtig kraftvoll. Am See angekommen schwamm gerade das Haubentaucherpaar vorbei. Zwischen beiden schwamm, sorgfältig behütet, ein kleines, weißes Haubentaucherkind. Als ich ins Wasser ging schwammen wieder die kleinen Kaulquappen herum. Sie schienen über Nacht gewachsen zu sein. Vom See aus konnte ich am Ufer den Kormoran sehen, wie er seine Flügel trocknete. Außerdem konnte ich den Graureiher im Schilf sehen. Beide Vögel taten mir die Ehre an, mit neugierigem Blick einmal über mich hinweg zu segeln und nach mir zu schauen. Schnell war klar, dass ich weder Gefahr noch Speise war. Auf dem Heimweg wurde ich zunehmend schlapp. Es wurde heiß und etwas schwül. Zur Stadt hin ließ der Wind nach und so war ich am Ende froh, wieder zu Hause zu sein.

Am Donnerstag (Tag 1072) blieb es bei einem kurzen Lauf.

Am Freitag (Tag 1073) war ich wieder im See baden (18 km). Es war entgegen allen Ankündigungen traumhaftes Sommerwetter. Mir gehörte der Wald und der See allein. Ich schwamm im kalten, klaren Wasser. Ein Blesshühnchen schwamm gezielt auf mich zu und trete erst ab, als es auf einen Meter herangeschwommen war und ich es anflehte, doch bitte abzuhauen. Der Kormoran flog wieder über mich hinweg. Es war recht wellig, denn es wehte ein böiger Wind. Erst als meine Zähne anfingen zu klappern, schwamm ich zurück. Auf dem Heimweg wurde ich ganz allmählich wieder warm.

Heute, am Samstag (Tag 1074) habe ich meinen müden Muskeln zu Liebe einen kurzen Lauf eingelegt. Das passte zum sehr kühl gewordenen Wetter. Für ein Bad im See wäre es heute zu kalt gewesen. Macht nichts! Der Sommer kommt ja erst.