Buchfinkenschlag

Tag 100. Weiter, Weiter! Mehr, mehr! So fühlte ich mich zu Beginn dieser Woche. Ich hätte Bäume ausreißen können! Die Erholungswoche hat ihren Zweck erfüllt. Der Körper fühlte sich wohl und das Gemüt schloss sich der guten Gefühlslage an. Jetzt nur nicht übertreiben. Schön vorsichtig am Ball bleiben!

Am letzten Sonntag (Tag 94) machte ich das 30-Minuten Ganzkörpertraining von Dr. Daniel Gärtner. Das Video hier sah ziemlich anstrengend aus. So war ich ganz erleichtert, als ich besser als erwartet mitturnen konnte. Wobei ich natürlich viele Pausen brauchte. Und ich kann im dritten Stock nicht springen, sonst würde der Familie unter mir der Kronleuchter auf den Kopf fallen. Also machte ich statt Sprüngen Schwünge, d.h. ohne abzuheben. Trotzdem hat mich die halbe Stunde zum Schwitzen gebracht. Na also, geht doch! Ich denke oft daran, daß ich mehr als ein Jahr brauchte, um eine einigermaßen anständige Liegestütze hinzubekommen. Man muss dranbleiben. Das ist wie mit allen Dingen. Die Wiederholung ist die Mutter jeder Fähigkeit. Und die Belohnung ist, daß die Übungen je besser ich sie kann, desto mehr Spaß machen.

Am Montag (Tag 95) lief ich zum See (19 km). Der Himmel war bedeckt und ein leichter Wind kühlte mich. Das Wasser war mit 22 °C sehr angenehm. Ja, ich habe ein neues Thermometer gekauft und damit die Temperatur des Wassers gemessen. Die letzten fünf Kilometer des Heimweges waren sehr anstrengend. Das lag sicher an der Vorermüdung durch die Krafttrainings der letzten Tage. Auf dem Rückweg saß ein Buchfinkenmännchen auf einem Zweig in meiner Augenhöhe. Er betrachtete mich und ich betrachtete ihn. Ich hätte das hübsche Vögelchen glatt ergreifen können, so nah war er.

Den Dienstag (Tag 96) eröffnete ich mit den Übungen, zu denen die einbeinigen Kniebeugen gehören. Obwohl sie mehr als ein Jahr lang meine Schreckensübung waren, klappten sie plötzlich ganz gut. Zur Zeit habe ich mal wieder eine Phase, in der ich immer wieder überrascht bin, wie viel man erreichen kann, auch wenn die Lunge angeschlagen ist.

Am Mittwoch (Tag 97) schlenderte ich zum See (19 km) und badete eine kleine Runde. Wieder hatte ich mit einem Buchfinkenmännchen Blickkontakt. Er hatte eine zarte Daunenfeder im Schnabel. Als sich unsere Blicke kreuzten, flüchtete er. Noch immer hatte es nicht geregnet. So waren die Bäume zwar noch saftig und grün, aber der Boden war trocken und einige Pflanzen ließen die Blätter hängen.

Am Donnerstag (Tag 98) verschwand mein leichter Muskelkater beim Aufwärmen. Ich machte die Rumpf-Stabi-Übungen am Morgen. Diese Übungen sind eine vorzügliche Körperpflege. So ein stabiler Rumpf, der hilft bei der Fortbewegung, beim Sitzen, beim Tragen und eigentlich immer. Abends machte ich das Armtraining. Auch diese Übungen klappen um so besser, je öfter ich sie mache. Und selbstverständlich werde ich es nie so schön und leicht schaffen wie der Ex-Weltmeitster im Kickboxen Dr. Daniel Gärtner. Ja, ich musste sogar das Video immer wieder anhalten, weil die Luft nicht reichte. Spaß machte das Nachturnen der Übungen aber trotzdem.

Am Freitag (Tag 99) spazierte ich zum See (19 km). Über Nacht hatte es einen Temperatursturz gegeben, so daß die Luft kühle 13 °C hatte. Der Himmel war bedeckt und gelegentliche Sturmböen bogen die Bäume. Ein paar hundert Meter vor dem See hörte ich den Buchfinkenschlag. Der Buchfink stieß drei Pfiffe aus, gefolgt von einer kurzen zwitschernden Melodie. Das soll den Regen ankündigen. Tatsächlich kam ein Wind auf und der Regen brach los. Ich wartete unter einem Baum, bis das Schlimmste vorüber war. Schwimmen ging ich nicht, denn ich war schon nass und kalt. Auf dem Heimweg wurde ich nochmal, diesmal aber ohne Ankündigung, vom Regen, ja sogar Hagel, überrascht. Nach dem Gestöhne über Hitze und Dürre, war der nasse Guss himmlisch!

Heute, am Samstag (Tag 100), machte ich morgens die Übungen mit den einbeinigen Kniebeugen. Abends werde ich dann noch die kurze Baucheinheit machen. Das Geturne gefällt mir immer besser. Irgendwie freut es den Körper und das wiederum freut den Menschen.

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Ich bin wieder im Spiel

Tag 9. Seit neun Tagen bin ich wieder im Spiel. Ich spiele mein neues Spiel „Täglich eine Sporteinheit“. Meine Kräfte kehren, zögerlich zwar, aber sie kehren zurück. Das Wetter draußen ist nicht gerade einladend. Weiterhin weht ein Eiswind, der mir nach dem Infekt nicht bekommt. Vorsichtig taste ich mich in der warmen Stube zurück in die Welt der körperlichen Belastung. Was jetzt zählt, ist Geduld und Beharrlichkeit. Täglich geht es mir besser.

Am letzten Sonntag (Tag 3) widmete ich mich nach dem Radeln zum Aufwärmen (6 km auf Stufe 1) dem Dehnen. Ich benutze die Methode des dynamischen Dehnens. Wie man dynamisch dehnt, zeigt Dr. Daniel Gärtner, Weltmeister im Kickboxen, bei youtube (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Am Montag (Tag 4) bin ich mit dem Zimmerfahrrad beim Fernsehschauen in 53 Minuten 20 km auf Stufe1 geradelt. Erst in den letzten zehn Minuten war es anstrengend. Der Tag war sonnig und die Luft klar, aber es wehte immer noch der Eiswind. So begnügte ich mich mit der Fahrradtour in der warmen Stube. Als ich vor zwei Wochen mit dem Zimmerfahrrad anfing, haben sich unsere Balkonkrähen auf den meinem Fenster gegenüberliegenden Dachfirst gesetzt und voller Interesse zugeschaut. Jetzt wissen sie, es passiert nichts und sie schauen nicht mehr zu.

Am Dienstag (Tag 5) wärmte ich mich eine viertel Stunde durch das Radfahren im Zimmer auf. Ich fuhr auf Stufe 1, 2 und 3 (von acht Stufen) insgesamt 6 km. Vor meinem Fenster fiel leise der Schnee. Danach machte ich Basis-Übungen mit dem Theraband. Eine innere Unzufriedenheit meldete sich. Ich haderte mit mir, weil ich so schwach geworden bin.

Am Mittwoch (Tag 6) fuhr ich eine viertel Stunde Rad zum Aufwärmen auf Stufe 2. Danach machte ich Stabi-Übungen. Ich fühlte mich gut.

Am Donnerstag (Tag 7) radelte ich 20 km mit dem Rad auf Stufe 2. Es war eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Dosierung des Widerstandes beim Radeln lässt zwar die Kräftigung der Muskeln beim Radeln besser gelingen als beim Laufen im Wald. Aber den Wald und die frische Luft vermisste ich sehr.

Am Freitag (Tag 8) radelte ich 6 km (Stufe 2) zum Aufwärmen. Danach machte ich Basis-Übungen mit dem Theraband.

Heute, am Samstag (Tag 9) machte ich nach dem Radeln zum Aufwärmen (6 km auf Stufe 1) Stabi-Übungen. Beim Radeln setzte sich ein unglaublich buntes Eichelhäher-Pärchen in den Baum vor meinem Fenster. Der eine Vogel schob mit seinem Schnabel ein Erdnusskernchen in den Schnabel des anderen. Mein Mann hat das auch bei unseren Balkonkrähen beobachtet. Wir denken, daß dies ein Zeichen für das Weibchen ist, nun die Eier zu legen und mit dem Brüten anzufangen. Denn außerhalb der Brutzeit stehen Ehepaare untereinander im Wettkampf um die Nahrung. Vielleicht hat eine hormonelle Umstellung stattgefunden, so daß das die Vögel nun bereit sind zu „teilen“.

Eines Tages

1214. Diese Woche hatte ich ein ganz besonderes Jubiläum. Ich habe die Kilometerzahl erreicht, die ich im ganzen letzten Jahr überhaupt erlaufen habe. Zur Laufstatistik geht es hier. Ich bin froh und stolz. Mein Körper wurde ganz allmählich immer belastungsfähiger. Ausflüge in den Wald, meine Schwimmrunden im See und jetzt auch noch die Trimm-Dich-Pfad-Runden kann ich ohne grössere Probleme genießen. Wenn alles so bleibt wie es jetzt ist, dann kann ich mich glücklich preisen. Ich kann alle Dinge tun, für die ich vor der Krankheit keine Zeit hatte, von denen ich aber wusste, daß ich sie eines Tages machen möchte. Eines Tages ist jetzt und es ist schöner als ich es mir vorgestellt hatte. Möge die Lunge und der übrige Körper noch ein Weilchen mitmachen!

Am Montag (Tag 1209) wollte ich eigentlich wie so oft um den See laufen. Wegen des schönen Wetters waren viele Menschen mit ihren Hunden unterwegs. Da es schon lange nicht mehr geregnet hatte, waren die Wege sehr staubig. So bin ich zur Schafsweide gelaufen (15 km). Der Weg ist nicht so viel besucht. Also wird auch nicht so viel Staub aufgewirbelt. Dafür ist er etwas hügelig. An der Schafsweide habe ich ständig nach den Schafen geschaut. So übersah ich einen Eisenträger, der im Boden versenkt war. Nur eine kleine Ecke mit einer Höhe von ein bis zwei Zentimeter schaute hervor. Es kam, wie es kommen musste. Ich stolperte und stürzte. Ich hatte mir Knie und Ellbogen aufgeschürft. Nachdem ich mich von dem Stolperschock erholt hatte, war ich fast ein bisschen stolz. Solche Wunden erwirbt man nicht am Schreibtisch!

Am Dienstag (Tag 1210) war ich auf der Waldseerunde (15 km) plus Trimm-Dich-Pfad. Die Sonne schien und ein leichter Wind wehte durch das trockene, bunte Laub an den Bäumen. Überall sah man Spinnweben, die es so nur im Altweibersommer (darf man das Wort sagen oder fühlt sich jemand diskriminiert?) gibt. Es hatte immer noch nicht geregnet und war dementsprechend staubig. Zum Waldsee bin ich durch das hügelige Waldstück gelaufen. Am Waldsee habe ich den Höhenweg genommen, obwohl er etwas weiter ist und nicht direkt am See vorbeiführt. So konnte ich die Staubwolken der Hunde und ihrer Besitzer umlaufen. Dreihundert Kilometer im Monat habe ich mit diesem Lauf erreicht.

Am Mittwoch (Tag 1211) bin ich nur kurz gelaufen.

Am Donnerstag (Tag 1212) stand ein Jubiläum an. Ich bin nämlich in diesem Jahr mit diesem Tag so viel gelaufen wie im ganzen letzten Jahr (2.568 km) überhaupt. Den Jubiläumslauf habe ich zum Waldsee mit Schlenker (16 km) plus Trimm-Dich-Pfad gemacht. Der Lauf war leider mühselig und ich kam nicht richtig in Schwung. So einen Lauf gibt es immer wieder. Ich könnte ihn ausfallen lassen. Aber ich freue mich eigentlich auch an Läufen, die schleppend und unangenehm verlaufen. Denn immerhin habe ich mich 16 km an der frischen Luft bewegt. Und ich habe die Übungen am Trimm-Dich-Pfad gemacht. Auch wenn ich mich schlapp fühlte, so ist doch die Lunge belüftet worden und ich war draußen im Wald – besser als den ganze Tag am Schreibtisch.

Am Freitag (Tag 1213) war die Schlappheit nicht aus meinem Körper gewichen. So habe ich mich entschlossen nur kurz zu laufen. Schließlich wachsen Muskeln angeblich nur am Ruhetag. Also habe ich diesen Tag dem Muskelwachstum gewidmet.

Heute, am Samstag (Tag 1214) habe ich mich wie am Tag zuvor nur auf die kurze Runde begeben. Ich sagte mir: „In der Ruhe liegt die Kraft. Spätestens am Montag geht es weiter.“

Der Sommer ist zurück!

1186. In der vergangenen Woche kam der Sommer für ein paar Tage in seiner lieblichsten Form zurück. Die Sonne schien von strahlend blauem Himmel. Es wehte ein leichter lauer Wind. Durch den von der Sonne durchfluteten Wald laufen war für mich wie träumen. Dabei war ich wach und alle Sinne waren aufnahmebereit. Düfte, Geräusche und Farben strömten auf mich ein. Eine wundersame Glückseligkeit bemächtigte sich Meiner. Welch ein Segen, daß es mir gelungen ist, aus dem elenden Tal der Lungenkrankheit hinauf in die Höhen des Glückes zu entkommen. Nicht das Höher, Schneller Weiter ist mein Ziel geworden. Mein Ziel sind die Momente der Glückseligkeit, wenn die Baumwipfel mir freundlich zuwinken und ich fühle, wie der Atem ohne Stocken dahin fließt. Oder wenn ich im See auf dem grünen und doch durchsichtigen Wasser treibe und das zarte plätschern der Wellen mich trägt, während ich in den blauen Himmel schaue, um zu sehen, wie ein Raubvogel im Aufwind kreisend an Höhe gewinnt. Das Leben ist schön!

P.S.: Da finde ich gerade eine Patientengeschichte, die Ärzte aus Kanada berichteten. Die Geschichte handelt von einer 86-jährigen extrem sportlichen Frau mit fortgeschrittener Copd (FEV1/FVC = 34 %, FEV1=51%). Die Copd war durch ein schlecht behandeltes Asthma entstanden. Trotz der schlechten Lungenfunktion lag ihre aerobe Leistungsfähigkeit auf dem Fahrradergometer bei 170 %, wobei sie die Anstrengung als moderat empfand.

Gib niemals auf, kann man da nur lernen. Lass Dich nie einschüchtern! Verzage nicht! Lebe Deinen Traum! Es ist nie zu spät! Man kann viel kompensieren!

Und auch wenn man Sauerstoff bei Belastung braucht, dann geht die Welt auch nicht unter. Man kann damit immer noch Sport machen wie hier berichtet wird.

Nur nicht den Kopf hängen lassen!

Am Sonntag (Tag 1180) lief ich nur kurz.

Am Montag (Tag 1181) lief ich eine etwas größere Runde (21 km). Mein Mann hatte mich am großen Fluß abgesetzt, denn er fand die vier Tag mit kurzen Läufen, die hinter mir lagen, seien genug. Stimmt! Am großen Fluß zogen die Schiffe vorbei. In der kleinen Bucht, von der aus ich meinen Lauf startete, lagen zwei Motoryachten vor Anker. Es roch nicht gut, ja sogar ekelhaft. Woran es lag, konnten wir nicht feststellen. Von der Bucht aus lief ich über den Berg zum verwunschenen Waldsee in der Schlucht. Von dort lief ich zurück über den Berg zum Badesee. Der Badesee roch nach frischem Wasser und lud zum Bade ein. Ich war aber nicht in Stimmung und fühlte mich auch schon zu müde, um noch zu schwimmen. Von dort lief ich direkt nach Hause. Während des ganzen Laufes sah es so aus, als würde es gleich regnen. Dementsprechend begegnete ich nur wenigen Joggern und ein paar Waldarbeitern. Es blieb aber trocken. Ich konnte damit in der Laufstatistik zum fünften Mal in diesem Jahr und in meinem Leben überhaupt dreihundert Kilometer im Monat hinzufügen. Juhu!

Der Dienstag (Tag 1182) verlief ganz anders als geplant. Mein Mann kam mit zum Badesee. Wir fuhren mit dem Auto zum See. Der Parkplatz ist auf der anderen Seite und am anderen Ende des Sees als meine Einstiegsstelle. Die andere Seite ist die Seite, auf die am Morgen die Sonne fällt. Mein Mann genoss am Ufer die Sonne. Ich ging schwimmen. Es wehte ein kühler Wind, so daß die heiße Sonne gerade angenehm war. Das Schwimmen war herrlich. Ich hatte mit der Atmung überhaupt kein Problem! Hätte ich nicht gewusst, daß ich zurückerwartet werde, wäre ich länger als ein halbes Stündchen geschwommen. Aber wir wollten ja noch einkaufen gehen. Nach dem Baden ein bisschen von der Sonne gewärmt zu werden war sehr angenehm. Mein Muskelkater vom Vortag war nach dem Schwimmen gänzlich verschwunden. Da wurde mir klar, daß mir das Schwimmen in diesem Sommer die vielen langen Läufe auf jeden Fall erleichtert, wenn nicht gar überhaupt ermöglicht hatte. Nach dem Besuch am See gingen wir einkaufen. Und ich muss sagen, mir war es nicht einmal, als wir später wieder zu Hause waren, richtig warm geworden. Insofern war dieser Ausflug extrem lehrreich: Erstens: Das Schwimmen nach ca. 10 km hilft der Regeneration der Muskulatur unglaublich gut. Zweitens: Nach dem Schwimmen 10 km zu laufen, wärmt den Körper auf, so daß ich die Kälte des Sees nicht den ganzen Tag mit mir herumschleppte. Drittens: Schwimmen zwischen den Laufphasen ist mir nicht so kraftvoll und flüssig möglich, wie wenn ich es isoliert macht. Viertens: Die Lunge wird durch das Laufen sehr stark belastet. Das merkte ich später, als ich einen kurzen Lauf absolvierte. Beim Schwimmen kann ich sehr viel besser atmen.

Am Mittwoch (Tag 1183) lief ich zum Badesee (19 km). Es war ein herrlicher Sonnentag mit leichter Brise. Die Wärme war angenehm. Das Licht durchflutete den Wald. Im See bin ich die große Runde geschwommen. Das Wasser war kühl und erfrischend. Die Atmung ging gut. Es war einer der schwerelosen Tage. Glück pur – Ich verstumme. Ich will es nicht zerreden.

Am Donnerstag (Tag 1184) bin ich nur kurz gelaufen und habe am Spielplatz ein paar Klimmzüge gemacht. Außerdem habe ich endlich wieder eine längere Dehneinheit gemacht. Wenn ich das Dehnen eine zeit lang vernachlässige, werde ich ganz steif. Wie haltet ihr das mit dem Dehnen?

Am Freitag (Tag 1185) lief ich wieder zum Badesee (19 km). Strahlender Sonnenschein wies mir den Weg. Die Kühle der Luft verriet, daß der Sommer allmählich seine Kraft verliert. Das Wasser im See war etwas kühler geworden. Trotzdem schwamm ich die große Runde und es fühlte sich sehr gut an. Der Heimweg war allerdings recht beschwerlich. Ich hatte mich nämlich beim Schwimmen vollkommen ausgepowert und hing den restlichen Tag müde an meinem Schreibtisch herum. Und als ich meinen Gedanken so nachhing, da sah ich mich plötzlich als 86-jährige zum See laufen und meine Runde schwimmen. Da war ich wieder hellwach. Ha! So wird es kommen!

Heute, am Samstag (Tag 1186) lief ich nur kurz. Die große Schwimmrunde von gestern wollte noch verdaut werden. Ein Weilchen habe ich mich im Park unter einen schattigen Baum gesetzt. Da erschien eine junge Frau mit Pferdeschwanz und packte mitten auf dem grünen, gerade frisch gemähten Rasen ihre Turnmatte aus. Sie machte ihr Krafttraining, angeleitet über Ohrstöpsel. Sie war unermüdlich. Alle Übungen machte sie zwanzig Mal je drei Sätze lang. Sie schien überhaupt nicht zu ermüden. Trotz ihrer zarten Figur führte sie alle Sprungelemente aus, als wäre sei ein Gummiball. Ich dachte, daß ich das mit dem Krafttraining etwas ernster nehmen sollte. Das bringt ja auch für das Laufen viel. Morgen hoffe ich vor dem großen Regen noch eine Lauf-Schwimm-Lauf-Runde zu schaffen. Ich würde nämlich gerne diese Woche wieder etwas über achtzig Laufkilometer verbuchen können. Mal sehen, was mein Körper sagt und wie das Wetter ist, wenn ich morgen zum Fenster hinausschaue.

Einstweilen wünsche ich eine angenehme Woche!

Fern der wirklichen Wirklichkeit

1172. Das Laufen ist für mich ein Segen. Ich kann mich stark und gesund fühlen. Immer wenn ich mich etwas angekränkelt fühle, hilft mir ein Läufchen. Das Eintauchen in die Grüne Welt der Ruhe ist jedes mal eine kleine Geburt. Der Ballast aus dem Alltag, der an mir klebt, muss draußen bleiben. Zurück in der „wirklichen“ Welt fühle ich mich mindestens eine Stunde lang wie ein eben erst gelandetes außerirdisches Wesen. Der Krach, die Unruhe, die Hektik ist im Wald unendlich fern. Beim Schwimmen hört man nur das Glucksen des Wassers. Niemand, dem ich in meinem Alltag begegne kann sich auch nur vorstellen, daß ich gerade aus dem Wald komme, geschweige denn, daß ich im See geschwommen bin. Wenn ich zurückkomme sind die Menschen auch für mich zunächst noch irgendwie fremd. Zuerst kommt es mir so vor, als ob ich sie im Fernsehen sehe. Denn für mich sind sie unwirklich. So fern sind sie meiner kleinen Wald-Schwimm-Welt. Allmählich gleite ich dann hinüber in die andere Welt, die als die wirkliche Wirklichkeit gilt. Ich bin so unsagbar froh, daß ich dieses kleine Refugium außerhalb erobert habe. Möge es noch lange für mich erreichbar sein. Es macht mein Leben um so viel lebenswerter.

Am Sonntag (Tag 1166) bin ich nur kurz gelaufen und habe ein paar Klimmzüge am Spielplatz gemacht. Diesmal kam eine asiatisch aussehende Mutter eines Kleinkindes hinzu und versuchte sich ebenfalls an den Klimmzügen. Sie machte das ziemlich gut, obwohl sie sehr zierlich war.

Am Montag (Tag 1167) bin ich wieder zum See gelaufen (19 km). Ich schwamm in herrlichem grün-durchsichtigem Wasser. Erst fühlte es sich kühl an. Aber je weiter ich schwamm, desto wärmer fühlte sich das Wasser an. Ich geriet geradezu in einen Rausch. Das Wasser gluckste und ich lag auf dem Wasser und pflügte mich kraulender Weise vorwärts. Es fiel mir schwer umzukehren, als die halbe Stunde in die eine Richtung um war. Ich hätte bis an das Ende der Welt schwimmen können, so schön war es.

Am Dienstag (Tag 1168) bin ich wieder nur kurz gelaufen mit ein paar Klimmzügen am Spielplatz. Eigentlich wollte ich ja in der Frühe zum See laufen. Aber an diesem Morgen war mein Körper zu schwer als daß ich ihn hätte aus dem Bett wuchten können – einfach strukturierte Menschen würden das wohl Faulheit nennen.

Am Mittwoch (Tag 1169) fühlte ich mich schwächlich und es war ziemlich kalt. Ich gab mich noch einmal der Faulheit hin und lief lustlos zum Spielplatz, machte ein paar Klimmzüge und trottete nach Haus.

Am Donnerstag (Tag 1170) begab ich mich auf die Winterrunde (14 km). Zwischendurch kam ich an einem Spielplatz vorbei. Daran war ich früher achtlos vorbei gelaufen. Diesmal machte ich ein paar Klimmzüge und kletterte eine kleine Kletterwand hoch. Dann lief ich zum Waldsee und wieder nach Hause. Irgendwie war ich etwas traurig gestimmt. Denn die Schwimmsaison scheint zu Ende zu sein. Immerhin bin ich dieses Jahr 39 mal zum Badesee gelaufen und darin geschwommen. Letztes Jahr habe ich das nur 19 mal geschafft. Das nenne ich einen Fortschritt.

Am Freitag (Tag 1171) strahlte die Sonne und brannte die Wintergefühle weg. Ich lief über Mittag meine alte Parkseerunde (7 km). Das hatte ich im Januar dieses Jahres das letzte Mal getan. Ich war angenehm überrascht, wie locker und leicht diese Strecke zu laufen war. Auch wenn die Hügel wie alle Hügel für mich schwierig sind. Als ich wieder zu Hause war, war ich Ruck Zuck erholt. Ich hätte nie gedacht, daß die langen Strecken aus Frühjahr und Sommer die ehemals lange Parkrunde zu einer leichten, eher kurzen Strecke machen.

Heute, am Samstag (Tag 1172) lief ich durch tropisch luftfeuchten Wald zum Badesee (19 km). Der Lauf zum See war angenehm trotz der feuchten Wärme. Der See selbst war allerdings keine Freude mehr. Er roch nicht nach frischem Wasser. Die Sichttiefe war deutlich reduziert. Grüne Algen wurden an das Ufer geschwemmt. Da ich mich ohnehin etwas müde fühlte, unterließ ich das Schwimmen. Ich lief direkt wieder nach Hause. Auf dem Heimweg musste ich feststellen, daß das Kürbissüppchen vom Vortag wohl nicht ausreichende Nahrung war. Denn mir wurden die Beine schwer und ich konnte mich an der Sonne, die sich durch die Nebelschwaden gekämpft hatte, gar nicht recht erfreuen. Vielleicht versuche ich mich morgen noch einmal an der Badeseerunde. Aber vorher esse ich ordentlich.

Ich wünsche allen Lesern satte Tage!

Die Tage sind gezählt

1158. Vom Laufen entspannt, vom Schwimmen erfrischt, vom Krafttraining gestärkt, bis in den letzten Winkel des Körpers durchblutet, insgesamt angemüdet und doch entspannt: So fühlt sich eine geglückte Woche an. Nicht immer ist dies für mich erreichbar. Um so schöner ist es, wenn es gelingt. Es macht sich ein wohliges Gefühl breit, das eine freundliche Saite im Innern zum erklingen bringt. Ein zufriedener, satter Ton scheint sich leise und doch fröhlich zu entfalten und bringt mit seinen Schwingungen den gesamten Tag zum klingen. Er zaubert ein Lächeln in die Welt. Friedfertige Gelassenheit liegt in der Luft und ein allgemeines Wohlwollen breitet sich aus. Wenn dann die Realitäten des Lebens Einzug in den Tag halten, werden sie durch den milden Ton entschärft.

Am letzten Sonntag (Tag 1152) bin ich nur kurz gelaufen. Die große Schwimmrunde vom Tag zuvor saß mir noch wohlig in allen Muskeln.

Am Montag (Tag 1153) ging es dann wieder zum Badesee (19 km) mit großer Schwimmrunde. In der Nacht hatte es geregnet. Der Morgen war kühl. Die Luft war frisch und sauber. Die Sonne strahlte freudig vom Himmel ohne heiß zu sein. Es hätte ein traumhafter Frühlingstag sein können. Und doch war es ein Augusttag. Der Wald war satt grün und glänzend nach der verregneten Nacht. An Bäumen und Sträuchern hingen Früchte, wo man auch hinsah. Am Waldeingang warteten saftige Brombeeren darauf, gegessen zu werden. Ich habe diese Aufgabe mit Freude übernommen. Ein kühler Wind, der meine Haut streichelte, flüsterte mir zu, daß der Sommer nicht ewig währen wird. Der See war vom Regen und Sturm durchwühlt und erfrischt. Die Sonne brachte die Wellen zum glitzern und so war das Schwimmen traumhaft. Einmal schaute der Graureiher vorbei. Ansonsten war der See still und verlassen, was mich sehr vergnügte. Gut durchgekühlt und erfrischt kam ich wieder nach Hause.

Am Dienstag (Tag 1154) lief ich zum Spielplatz und versuchte mich an Klimmzügen. Ein Mädchen im Vorschulalter eilte lachend herbei und zeigte mir, wie man das richtig macht. Wir sprachen zwar verschiedene Sprachen, aber wir haben uns bestens verstanden.

Am Mittwoch (Tag 1155) lief ich wieder zum See (19 km). Es war kalt und zwischendurch regnete es. Da ich mich müde fühlte, schwamm ich „nur“ eine halbe Stunde. Hier „nur“ zu sagen klingt in meinen Ohren richtig angeberisch. Aber es ist ja wahr und es gibt mir eine innere Zufriedenheit, wenn ich das „nur“ niederschreibe. Man möge es mir nachsehen! Auf dem Heimweg trennt ein ziemlich langer Zaun den Weg, auf dem ich an einem See entlang laufe, vom angrenzenden Waldstück ab. Das Gebiet hinter dem Zaun ist als Naturschutzgebiet gekennzeichnet. Dort liegt ein lichter Wald. Beim Vorbeilaufen habe ich noch nie Tiere gesehen. Dieses Mal sah ich zwei Hirschkühe. Sie ästen friedlich und dabei gingen sie immer mal wieder ein Stückchen weiter, so daß ich sie in voller Pracht sehen konnte. Schließlich verschwanden beide ruhig äsend nach einander hinter Büschen und Bäumen. Beschwingt lief ich nach Hause und empfand wieder einmal tiefe Dankbarkeit für mein Glück.

Am Donnerstag (Tag 1156) und Freitag (Tag 1157) regnete es. Es lies sich kaum mehr abstreiten, daß der Herbst nicht mehr allzu fern ist. Ich lief zum Spielplatz. Ich machte ein paar Klimmzüge. Ansonsten widmete ich mich ein bisschen der Rumpfstabilität. Dabei wurde mir wieder mal klar, daß ich dem Krafttraining mehr Aufmerksamkeit schenken müsste. Na ja, was soll‘s! Gefühlt bin ich ja erst ganz am Anfang der Rückeroberung meines Körpers.

Heute, am Samstag (Tag 1158) lief ich zum Badesee (19 km) und zum Schwimmen. Wieder war von heißem August nicht die Spur. Es war eher herbstlich kühl und der Himmel war bedeckt von dicken Wolken, die so aussahen, als wollten sie demnächst Wasser lassen. Aber es geschah nicht. Hinter dem Zaun am See habe ich diesmal den Hirsch mit seinem riesigen Geweih gesehen! Das Wasser im See war heute besonders weich und erfrischend. Ganz heimlich überlegte ich, ob ich morgen wieder zum Schwimmen laufe. Denn die Tage, an denen das geht, sind gezählt. Mal sehen, was die Muskeln morgen sagen.

Ich wünsche allen Lesern noch ein paar schöne Sommertage!

Regenerationwoche

Tag 752. Am Sonntag (Tag 746) bin ich die Badesee-Runde (17 km) gelaufen. An Schwimmen war nicht zu denken, denn es war recht kühl. Ich bin locker und entpannt gelaufen, denn meine Muskeln waren etwas angemüdet. Wie immer an Sonntagen waren viele Menschen unterwegs. Dennoch bin ich von niemanden überholt worden. Das ist nämlich die andere Seite meiner Lauferei. Wenn ich nicht gerade zur Büroschluß-Stunde im Park zwischen jungen Kurzstrecken-Läufern und -läuferinnen laufe, werde ich nur von Radfahrern überholt. Im Bereich Wettkampf bin ich untauglich, aber im Wald, weit weg vom nächsten Parkplatz gibt es kaum Menschen, die sich laufend bewegen. Ich kann aber sagen, inzwischen denke ich nur noch selten über andere Läufer nach. Ich habe durch die ganze Lauferei ein Stück weit zu mir und meinem Körper gefunden. Wir beide, mein Körper und ich, wir kennen uns nun schon recht gut. Ich nehme Rücksicht auf seine Schwächen und so können wir in fröhlicher Harmonie durch den Wald laufen. Im Alltag erweist sich der Körper dann als ausgesprochen dankbar und macht unermüdlich mit. Was will ich mehr? Ein bißchen verstimmt mich manchmal, daß ich niemanden den Unterschied fühlen und daran teilhaben lassen kann, der durch das Training eingetreten ist. Ich kann sehr viel kompensieren und fühle mich dann eigentlich auch nicht mehr krank. Als ich den Infekt hatte, habe ich gemerkt, daß es sehr eng wurde, aber ansonsten geht es mir unglaublich gut.

Von Montag (Tag 747) bis Mittwoch (Tag 749) war ich nur kurz auf der Ententeichrunde. Dabei konnte ich einmal einen Graureiher im Anflug beobachten. Ab Nachmittag steht der Grauhreiher oft am Ententeich. Möglicherweise ziehen ihn die etwa 30-50 cm großen Goldfische an? Ich will aber keine falschen Verdächtigungen aufkommen lassen. Denn ich habe auch schon im Morgengrauen einen Angler an diesem Teich beobachtet. Am Donnerstag (Tag 750) bin ich bei schönstem Sonnenschein zum Wald gelaufen (10 km). Am Freitag (Tag 751) habe ich die Berichtswoche zur Regenerationswoche erklärt und bin nur zum Ententeich gelaufen. Heute, am Samstag (Tag 752) habe ich sie dementsprechend mit einem Lauf um den kleinen Teich im Park (8 km) ausklingen lassen und dabei die 200 Kilometermarke des Monats erreicht. In der vorletzten Kalenderwoche bin ich 55 km und in der letzten Kalenderwoche sogar 65 km gelaufen, so daß eine Regenerationswoche sinnvoll war.

Meine Medikation hat sich seit dem Infekt wie folgt eingespielt: Ich inhaliere 3 x Flutiform 125/5 und vor dem Laufen Foster. Gelegentlich inhaliere ich Spiriva-Kapseln mit dem HandiHaler. Insgesamt fühlt sich das sehr gut an. Verbessert hat sich durch diese Medikation, daß meine PeakFlow nicht mehr unter 80% meines persönlichen Bestwertes fällt und gelegentlich an 100 % heranreicht. Dadurch ist die Atemnot nicht mehr allgegenwärtig. Ich habe auch die Hoffnung, daß das Sauerstoffproblem unter Belastung geringer wird, Ich hoffe, daß sich die Grenze bevor die Belastungshypoxämie auftritt weiter hinausschiebt. Das Herz wurde durch die Belastungshypoxämie jedenfalls nicht geschädigt und so kann ich weiter laufen wie bisher und mein Körper kann sich weiter an das Laufen anpassen. Die Anpassung dauert ja schon beim jungen Menschen fünfzehn Jahre oder mehr.

Insgesamt bin ich zur Zeit optimistisch gestimmt. Mein Leben hat durch das Laufen eine Leichtigkeit, ja Fröhlichkeit erhalten, die ich mir nie erträumt hätte. Die Sorge um die Lungenkrankheit tritt in den Hintergrund. Im Vordergrund steht das Glück des Laufens in der Natur, des täglich Laufens, des Schwimmens im See, das Glück so vieler kleiner Momente, an denen ich teilhabe.